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Generationen haben sich dem Genuss verschworen

Familie Müller vom Weißensee zählt zu den touristischen Pionieren in der Region. Seit Generationen verwöhnt sie die Gäste. Dabei beweist sie Mut zum eigenen Weg und zur regionalen Wertschöpfungskette.

Die Müllers vom Weißensee halten zusammen und nehmen sich trotz der vielen Arbeit im Betrieb bewusst Zeit für die Familie: Hanna mit Mama Monika, Oma Erika, Opa Hans und Hannes mit seinen Söhnen Moritz und Lorenz.
© KK/Ferdinand Neumüller Die Müllers vom Weißensee halten zusammen und nehmen sich trotz der vielen Arbeit im Betrieb bewusst Zeit für die Familie: Hanna mit Mama Monika, Oma Erika, Opa Hans und Hannes mit seinen Söhnen Moritz und Lorenz.

Ananas oder Melone suchen die Gäste im Genießer-Landhotel „Die Forelle“ am Weißensee vergeblich. Denn Hausherr und Haubenkoch Hannes Müller hat radikal Schluss gemacht mit Importprodukten. Aufgetischt wird bei ihm nur, was aus der Region kommt und gerade Saison hat. Viel wird eingelegt. Das funktioniert inzwischen ganz gut, mit einer Ausnahme: Zitronen. Ohne die geht es halt in der Küche doch nicht. 

„Nachhaltigkeit ist für uns kein Marketingaufhänger. Wir versuchen das einfach vorzuleben und den Gästen unsere Philosophie zu vermitteln“, erklärt Müller. Gemeinsam mit seiner Frau Monika baute er die Frühstückspension zu einem Hotel um. Vor 20 Jahren meinte Müller zu seinem Vater: „Und dort wird einmal mein Gourmetrestaurant sein.“ Damals war die Aussage als Spaß gemeint. Heute ist daraus Realität geworden, obwohl viele Gäste im ersten Moment gar nicht mitbekommen, dass sie in einem Haubenlokal gelandet sind. Auszeichnungen oder Urkunden an den Wänden sucht man nämlich vergebens. Viel lieber überrascht Müller seine Gäste mit guter Qualität und neuen Kreationen. „Du musst das machen, was dir Spaß macht“, ist er felsenfest überzeugt. Ohne sich große Gedanken zu machen, lernte er Koch und arbeitete in Amerika, Salzburg und Wien. „Aber ich habe immer gewusst, leben werde ich daheim“, erzählt Müller. Auch seiner Frau, die ebenfalls vom Weißensee stammt, fiel die Rückkehr nach Kärnten leicht. „Zusammen bist du natürlich in so einem Betrieb in so einer Größe stärker als alleine“, sagt Müller. 

Das Hotel hat 50 Betten, das Restaurant 20 Plätze im À-la-Carte-Bereich. Jeder in der Familie packt mit an. Die Aufgaben sind klar verteilt. Der Haubenkoch sieht sich dabei selbst als Mädchen für alles. Deshalb tauscht er im Betriebsurlaub schon einmal die Kochschürze gegen die Arbeitshose. Seine Frau Monika leitet das Service, kümmert sich ums Personal und das Dekorative. Mama Erika und Vater Hans halten die Außenanlage in Schuss und kümmern sich um die Landwirtschaft, zu der eine Pferdezucht gehört und neuerdings Schafe.

Egal, ob Landwirtschaft oder Hotel, für die Müllers war schon immer wichtig, in Qualität zu investieren. „Du brauchst Betten, damit du wirtschaftlich gut läufst? Das ist Schwachsinn“, findet Müller. Er ist überzeugt, ab einer gewissen Größe ist die Qualität, die er bieten will und für die er lebt, nicht mehr machbar. Deshalb will er nicht größer werden, aber noch konsequenter seinen Weg gehen. Damit auch die nächste Generation eine gute Basis hat, um an den Weißensee zurückzukehren und sich hier zu verwirklichen.


Interview mit Haubenkoch Hannes Müller

Hannes Müller ist seit 2009 ­federführend im Hotel-Restaurant „Die Forelle“.
© KK/Ferdinand Neumüller Hannes Müller ist seit 2009 ­federführend im Hotel-Restaurant „Die Forelle“.

Erfolgreiches Unternehmertum bedeutet ...

... dass man seiner eigenen Leidenschaft nachgeht. Das was ich persönlich gerne habe, das muss ich auch im Betrieb machen. Gerade als kleiner Betrieb werde ich nicht das machen, was mir einer sagt. Deshalb muss ich immer ein bisschen schmunzeln, wenn ich mir Vorträge oder Experten anhöre. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Was du dir selbst zutraust und was du selbst gerne machst, wird dich zum Erfolg führen.

Eine klare Positionierung ist oft nicht leicht.

Man muss sich der Frage stellen, was will ich eigentlich? Welche Zielgruppe will ich ansprechen? Ich kann nicht alles machen und muss mich im Betrieb auf zwei oder drei Dinge reduzieren. Wenn du denkst, du musst alles bieten, ist das falsch. Zudem muss die Basis, die Wurzeln, passen. Speziell im Familienbetrieb.
Welche Herausforderung sehen Sie in Familienbetrieben?
Wenn ein Fami­lienbetrieb keine Regeln hat, wird es immer wieder Konflikte geben.

Welche Werte leben Sie in Ihrem Betrieb?

Wertschätzung in allen Facetten, gegenüber der Familie, den Mitarbeitern, Gästen, Produzenten und Lieferanten. Dazu gehört auch das Preisfeilschen. Das ist für mich so etwas von verpönt, gerade in der Landwirtschaft. Nie würde ich mit einem Bauern oder Fleischhacker über den Preis diskutieren.

Ihr Wunsch an die Politik?

Wir müssen dankbar dafür sein, dass wir in einem sicheren und wohlhabenden Land wie Österreich leben. Das haben Politiker und Generationen vor uns geschaffen. In der heutigen Politik fehlt mir aber einfach der Zugang zur Praxis. Vor allem bei der Gestaltung von Gesetzen. Es wird kein Unterschied zwischen kleinem und großem Unternehmen gemacht, das ist ein Problem. Ich bin voll eingespannt mit meinem Job und kann daher nicht für alles Formulare ausfüllen.

Über die Zukunft?

Wir müssen die regionale Wertschöpfungskette noch viel stärker in die Köpfe der Leute hinein bringen. Zukunft ist Zusammenarbeit und das Bewahren des Bes­ten aus einer Region.

Im nächsten Leben ...

... würde ich nichts anders machen.


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