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Denison: "Donald Trump hat drei große Schwächen"

Viele Amerikaner sind nicht nur von ihrem neuen Präsiden-ten enttäuscht, sondern fühlen sich von Europa ausgenutzt. Warum, weiß der US-amerikanische Politikwissenschaftler Andrew B. Denison.

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© APA/Eventpress Stauffenberg/dpa Picture Alliance „Der Freihandel wird von vielen Amerikanern kritisch gesehen“, sagt der US-amerikanische Politikwissenschaftler Andrew B. Denison.

Fünf Monate US-Präsident Trump. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?

Andrew B. Denison: Ich bleibe bei meiner These: Im Wahlkampf kann man sagen, was man will. Im Weißen Haus sieht das dann ganz anders aus. Präsidenten kommen und gehen, aber amerikanische Interessen bleiben bestehen.

Heißt das, Trump kann nichts verändern?

Zumindest knallt er immer wieder gegen harte Realitäten. Er sieht, dass seine Macht begrenzt ist.
Da sind nicht nur U-Ausschüsse, sondern auch der Kongress und Gerichte, die seine Beschlüsse wieder aufheben. Dazu kommt eine Bevölkerung, die so engagiert ist wie schon lange nicht mehr. 

Wie wird es weitergehen?

Trump wird entweder lernfähig und kompromissbereit oder die Situation wird weiter eska-lieren, bis er den Hut wirft oder schließlich des Amtes enthoben wird.

Welche Gründe für ein Amtsenthebungsverfahren könnte es geben?

Trump hat drei große Schwächen. Eine ist sein Temperament: Er könnte sich mit seinen unüberlegten Aussagen strafbar machen. Seine zweite Schwäche ist die große Wolke des möglichen russischen Einflusses, die ihn umgibt.

Und die dritte?

Sein Firmenimperium. Da können Interessenkonflikte entstehen. Gerade die Be-reiche Casino und Hotel bieten dafür Potenzial.

Wie empfindet die Bevölkerung ihren Präsidenten?

Ich würde sagen, die Stimmung ist fifty-fifty. Was neu ist: Es hat noch nie einen Präsidenten mit so schlechten Umfragewerten gegeben. Weniger als 40 Prozent sind mit seiner bisherigen Amtsführung zufrieden, über 55 Prozent haben eine schlechte Meinung von ihm. Trotzdem gibt es noch viele Trump-Anhänger. 

Warum stehen die Menschen weiterhin hinter ihm?

Ein Grund dafür ist wohl die Eskalation zwischen zwei Erzählweisen. Es stehen sich die etablierten Medien, die Trump-kritisch sind,  und seine Fans gegenüber, die eine ganz andere Erzählung konstruieren. Sie schießen auf Online-Foren und in Blogs auf jede Trump-kritische Meldung scharf zurück. Das führt zu einer enormen Polarisierung. Es gibt bei diesen beiden Erzählweisen keinen gemeinsamen Nenner. Das ist neu und wird uns noch lange nach Trump beschäftigen.

Was genau wird Amerika beschäftigen?

Die große Frage wird sein, wie man in Amerikas Vielfalt wieder eine Einheit finden kann. Wir müssen das Gemeinsame sehen. Das ist nicht nur heute so, sondern wird gerade nach Trump eine große Herausforderung sein.

Welche Auswirkungen auf internationale Handelsbeziehungen sehen Sie?

Ich sehe derzeit keine großen Änderungen für die Handelsbeziehungen. Es gibt zu viele Amerikaner, die auf der ganzen Welt Geld verdienen. Deshalb wird es auch keine große Katastrophe geben. Wo die Investitionen sind, sind die Interessen. Das weiß Trump. Der Freihandel wird trotzdem von vielen kritisch gesehen. Und das sind nicht nur die Trump-Wähler.

Was stört die amerikanische Bevölkerung am Freihandel?

Denken Sie an die TTIP-Diskussion. Damals waren die Vorbehalte gerade in Österreich und Deutschland groß. „Wir wollen keine Chlor-Hühner aus Amerika“, hat es geheißen. Das haben viele Amerikaner kritisch gesehen, denn einerseits machen die Europäer gute Geschäfte mit Amerika, andererseits wollen sie sich gegen amerikanische Produkte abschotten.  Das kommt bei vielen Amerikanern nicht gut an.

Und das stärkt Trump?

Trump hat das im Wahlkampf geschickt gemacht, er hat die Emotionen vieler angesprochen, indem er das Trittbrettfahren anderer Länder auf Kosten Amerikas anprangerte. Beim Gedanken, ausgenutzt zu werden, wird man emotional – nicht nur in Amerika.

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