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Wirtschaft in Geiselhaft

Das „freie Spiel der Kräfte“ führte bei der Gewerbeordnungsnovelle dazu, dass ein bereits ausverhandeltes Paket von Reformmaßnahmen wieder aufgeschnürt wurde. Qualität und Qualifikation scheinen nicht mehr so wichtig zu sein, Hauptsache man kann als politische Partei – oder neuerdings als Bewegung – punkten und dem politischen Establishment eins auswischen. Plötzlich steht der einheitlich freie Gewerbeschein wieder auf der Agenda und auch über die Reduktion von Meistergewerben wird noch bzw. wieder einmal nachgedacht.

Kronlechner Gewerberecht Novelle Politik
© WKK

Alle seit Monaten mit gutem Grund ins Treffen geführten Argumente werden über Bord geworfen, nur um gegenüber dem Koalitionspartner vermeintlich Stärke zu beweisen. Jeder gegen jeden in der Politik und bald auch schon in der Wirtschaft! Vieles soll „liberalisiert“ werden, ohne die veralteten Zwänge von Qualifikation oder Qualität - Hauptsache frei von Befähigungsnachweisen und Ausbildungsvorschriften, denn der Markt regelt das ohnehin von selbst. So soll die Gewerbeordnung der Zukunft gestaltet sein. 

Wem hilft das? Den Unternehmen sicher nicht, denn die Preise werden in den Keller rasseln. Auch nicht den Beschäftigten, denn vielfach werden die Kollektivvertragsbestimmungen nicht mehr zuzuordnen sein und ihre Arbeitgeber sich ihre Beschäftigung nicht mehr leisten können. Auch nicht der Jugend, denn Lehrstellen gibt es nur in Betrieben, die ausbilden können - und diese wird man bald mit der Lupe suchen müssen. Last but not least leider auch nicht den Konsumenten: Sie werden sich auf die Qualität gewerblicher Arbeit nicht mehr verlassen können - und draufzahlen.

Wenn sich die Regierungsparteien nicht mehr verstehen, dann ist der Ruf nach Neuwahlen durchaus verständlich. Doch die Politik sollte für ihr Kräftemessen zu Lasten des Bürgers nicht auch noch die Wirtschaft in die Geiselhaft zu nehmen.

KommR Klaus Kronlechner
Spartenobmann

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