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Stärkung des Lebensstandorts durch neue Raumordnung

Immer mehr Geschäftsflächen stehen leer – sowohl in Klagenfurt und Villach als auch in den Bezirksstädten. Gründe dafür sind Abwanderung und missglückte Raumplanung. „Das muss sich rasch ändern“, fordert WK-Präsident Jürgen Mandl.

WK-Rräsident Jürgen Mandl
© WKK/Bauer
Die Informationen sind nicht neu, müssen aber mehr denn je gehört werden: Kärnten ist das einzige österreichische Bundesland, in dem die Einwohnerzahl stagniert bzw. langfristig sogar rückläufig ist. Dabei wächst der Zentralraum Klagenfurt-Villach, während die Regionen vergreisen und die Besiedlung abnimmt. „Dieser Prozess verursacht, dass uns in den nächsten zehn Jahren etwa 30.000 Fachkräfte und 17.000 Akademiker fehlen werden. Dadurch wären die regionale Wirtschaftsleistung, der Wohlstand und die sozialen Sicherungssysteme akut gefährdet“, prognostiziert WK-Präsident Jürgen Mandl. Ein problematisches Raumordnungsgesetz verschärft diese Thematik nochmals. „Die identitätsprägenden Ortszentren leeren sich und wo die Einwohner fehlen, verschwinden auch die Handelsflächen im Zentrum“, so Mandl.

Am Beispiel Klagenfurt lässt sich diese Aussage verdeutlichen: Die Einkaufsfläche der Klagenfurter Innenstadt, einschließlich des Einkaufszentrums (EKZ) „City Arkaden“ beläuft sich auf ca. 95.000 m². Im Vergleich dazu kommen die Einkaufsmärkte entlang der Völkermarkter Straße auf knapp 150.000 m² Verkaufsfläche. Der Großteil davon bietet Waren und Dienstleistungen an, die auch in der Innenstadt Platz fänden und keinen geräumigen Kofferraum erfordern.

Ursachenforschung
Gerhard Genser, Leiter der Stabstelle Wirtschaftspolitik in der Wirtschaftskammer Kärnten, hat die Gründe dieser Entwicklung ausgemacht: „Die Ursachen dafür sind vielfältig und vielschichtig. Doch der Hauptgrund ist, dass die Bürgermeister, Gemeinderäte, aber auch die Landesplanung und Landespolitik seit Jahrzehnten nichts dagegen unternehmen, sich dem Druck der Handelskonzerne beugen und EKZ I- und EKZ II-Widmungen zulassen. So entstehen die Einkaufstempel auf günstigstem Bauland in billigsten Bauten und mit einem Übermaß an kostenlosen Parkplätzen. Dabei macht die Handelsfläche selbst nur einen Bruchteil des immensen Bodenverbrauchs dieser Ketten aus. Das Gros entfällt auf ihre endlosen Parkplatzwüsten.“ 

Dieser Konkurrenz vermögen der innerstädtische Handel und der letzte dörfliche Nahversorger kaum etwas entgegen zu setzen. Das sieht auch der Wiener Stadtplaner und Fachpublizist Reinhard Seiß so, der derzeit seinen „Blick von außen“ auf Klagenfurt im Architektur Haus Kärnten ausstellt, und wundert sich: „Es ist erstaunlich, dass vielen Kärntnerinnen und Kärntnern der Aufenthalt in den hässlichsten Zonen ihres als so schön empfundenen Landes ein zeitgemäßes Einkaufserlebnis beschert.“

Konzept der Wirtschaftskammer
Trotz eines langsamen Umdenkens bei den Kommunen und Gemeinderatsbeschlüssen in Villach und Klagenfurt, keine neuen EKZ auf der „grünen Wiese“ zu genehmigen, wurden allein in der letzten Legislaturperiode 2013 bis 2018 20.000 m² EKZ I (Einkaufszentren mit Lebensmittel) und über 50.000 m² Verkaufsfläche für Fachmarktzentren bewilligt. „Kärnten braucht dringend ein neues Raumordnungsgesetz, das dem Wildwuchs von EKZ endlich Einhalt bietet“, ist Gerhard Genser überzeugt.

Das Konzept der Wirtschaftskammer Kärnten für neue EKZ-Regelungen, das bereits der Regierung übermittelt wurde, sieht vor, dass EKZ-Standorte grundsätzlich nur mehr in zentralen Orten, und dort vor allem in Orts- und Stadtkernen genehmigt werden. Außerhalb der Orts- und Stadtkerne sollen EKZ-Sonderwidmungen stark bis völlig eingeschränkt werden. Dies ist notwendig, da das geltende raumordnungsrechtliche Instrumentarium nicht ausreicht, um dem Druck privater Umwidmungswerber, Grundbesitzer, Projektentwickler und Handelsketten dauerhaft standzuhalten.

Künftig sollten Orts- und Stadtzentren nicht nur in Ober- und Mittel-, sondern auch in Unterzentren – wie zum Beispiel Ferlach, St. Andrä und Eberndorf – eingerichtet werden können. WK-Präsident Mandl ist sicher, dass es mit diesem Vorschlag zu einer Liberalisierung und Vereinfachung des Raumordnungsgesetzes kommt: „Es gibt klare Spielregeln für die Gemeinden – künftig nur mehr Einkaufszentren in Ortskernen.“ Für die Zukunft Kärntens ist eine neue Raumordnung entscheidend. „Attraktivere Ortskerne reduzieren die Abwanderung, locken mehr Unternehmer und somit auch mehr Fachkräfte an. Funktionierende regionale Zentren sind eine Voraussetzung, um Kärnten als Wirtschafts- und vor allem als Lebensstandort zu stärken“, meint Jürgen Mandl.

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