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Orasche: "Mikrosegmentierung ist die Zukunft"

Daniel Orasche ist seit Ende 2016 Geschäftsführer der Region „Klopeiner See – Südkärnten“ – nun steht ihm sein erster Sommer bevor. Mit seinen Ideen für die Region und über den Kärntner Tourismus im Allgemeinen, hat er vorab mit uns gesprochen.

© KK Der gebürtige Südkärntner hat in der Tourismusberatung gearbeitet, lange in Wien gelebt, in Graz und den USA studiert und selbst schon viel von der Welt gesehen.
 

Wie viele Beherbergungsbetriebe gibt es in der Region „Klopeiner See – Südkärnten“?

Schwer zu sagen, wenn man alle gewerblichen Betriebe, Privatzimmer und Campingplätze mitrechnet, haben wir in der Region 20.100 Betten. Acht Prozent davon sind im Vier-Stern-Sektor, 15 Prozent haben Drei-Stern-Qualität und 15 Prozent sind private Betten. Wir verzeichnen allerdings im Privatzimmervermietungsbereich Rückgänge.

 

Wie sehen Sie die Zukunft des Kärntner Tourismus?

Im Allgemeinen spielen dem Kärntner Tourismus einige Trends zu: Erstens, ist die geopolitische Situation unsicher – das macht den Urlaub im „ruhigen und sicheren Kärnten“ attraktiver. Zweitens ist der Inlandsurlaub an sich wieder schick. Drittens nimmt die Flexibilisierung der Arbeitswelt zu. Man plant seinen Urlaub, der nebenbei immer mehr zu mehreren Kurzurlauben wird, nicht mehr so lange voraus. Vielmehr wird oft flexibel und schnell entschlossen, ein Wochenende wegzufahren oder vielleicht einmal kurz aus der Stadt raus zu kommen. Der Haupturlaub wird gesplittet, deswegen auch die eher näheren Reiseziele. Schnelle und gute Erreichbarkeit sind zentrale Faktoren für die Entscheidung für eine Destination. Als vierten Punkt kann man Sehnsucht nennen. Die Städte werden immer voller und heißer – da punktet Kärnten mit der Kombination aus See und Berg.

Wichtig ist, dass wir all diese Vorteile nutzen und gute Stimmung verbreiten. Nur wenn wir als Touristiker Freude an unserem Produkt, also unserem Land haben, können wir es auch gut an den Gast bringen und vermarkten. Unsere Aufgabe ist es jetzt, unsere Spezialthemen herauszupicken und diese richtig zu verkaufen. Die Konkurrenz schläft immerhin nicht. Ich denke, es gibt kaum eine bessere Zeit, um im Kärntner Tourismus tätig zu sein.

 

Klopeinersee Kärnten See Klopein
© KK/Nachbar Der Klopeiner See, das Aushängeschild der Region, ist Europas wärmster Badesee.


Wie sieht es in der Region „Klopeiner See – Südkärnten“ in Zukunft aus?

Hier gibt es eine spürbare Aufbruchsstimmung. Viele junge Unternehmer bemühen sich um die Region – und das war auch eine meiner Bedingungen, als ich als Geschäftsführer in die Region gewechselt bin – ich wollte die Jungen mit ins Boot holen! Gemeinsam mit ihren Ideen kann etwas bewegt werden.

170.000 Gäste brachten 2016 über eine Million Nächtigungen für Kärnten – die Nachfrage in der Region „Klopeiner See - Südkärnten“ konzentriert sich auf die Sommermonate. Fast 60 Prozent unserer Gäste kommen im Juli oder August. Die meisten kommen aus der Steiermark, Niederösterreich, Wien, Kärnten und Oberösterreich. Deutschland hat seit 2004 stark nachgelassen.

Aktuell arbeiten wir mit Volldampf an der Umsetzung unserer Tourismus-Strategie 2022: Die Region „Klopeiner See – Südkärnten“ wird zum schönsten Fitness-Studio im Freien.

Dazu arbeiten wir nicht nur an uns, sondern auch mit Partnern zusammen.

 

Welche Partner sind das?

Es gibt eine Marketingkooperation mit Injoy. Die Fitness-Studio-Kette hat 38 Standorte und wir in Zukunft außerhalb der Region Werbung für uns machen. In Form von Online- und Offline-Kooperationen wird es Verlosungen, Gutscheine und vieles mehr geben.

Unsere Bike-Trails wird wieder der deutsche Trail-Experte Diddie Schneider bauen, der auch den Flow Country Trail auf der Petzen geplant hat.

Außerdem werden die vorhandenen Partner weiterhin unterstützt. Wir haben so viele Besonderheiten in der Region, die viel zu wenig in der Öffentlichkeit stehen. Das Peršman-Museum in Lepen oder das Werner-Berg-Museum mit der diesjährigen Gottfried Helnwein Ausstellung in Bleiburg sind nur einige Beispiele.

 

Was sind also die USPs der Region?

Rational trennen sich die Gäste zwar ungern von ihrem Geld, aber im Grunde entscheiden Gäste emotional. Wie sich gezeigt hat, schätzen unsere Gäste den Badeurlaub, und fahren Rad, um sich zu erholen. Faktoren, wie die Familienfreundlichkeit und Gastfreundlichkeit sind ihnen wichtig.

Vier Themen stehen im Vordergrund: Rennrad, Mountain-Bike, Familie und Kultur. Damit können wir überzeugen.

Wir haben sieben Badeseen und mit dem Klopeiner See den wärmsten Badesee Europas, sind eine bekannte und beliebte Familien-Destination und punkten mit einem breiten Angebot an Bewegungsmöglichkeiten: Radfahren, Reiten, Schwimmen, Wandern, Schifahren usw. Dazu gehören auch Europas längster und Österreichs erster Flow Country Trail auf der Petzen, der Golfpark und der Fünf-Sterne-Drauradweg. Außerdem begeistern wir mit unserem Genussangebot: Jauntaler Hadn, Sittersdorfer Wein, Kaviar aus Tainach und noch vieles mehr ist über die Grenzen hinaus bekannt.

 

Flow Country Trail Petzen Südkärnten Klopeinersee
© Kärnten Werbung Tables, Anleger und Steilkurven warten auf dieser Rad-Strecke: Der Flow Country Trail auf der Petzen ist mit 10,8 km Länge nicht nur der längste Flow Trail Europas sondern seit einerAuszeichnung durch die IMBA 2014 auch der beste weltweit.


Wie wird sich die Region in Bezug auf das Strategie-Ziel verändern?

Geplant sind fünf Trails auf der Petzen und weitere drei in der Region. Außerdem wird es Wie-schnell-bin-ich-Zeitmess-Strecken für Rennradfahrer und Schwimmer geben. Die Profi-Rennrad-Camps werden weiter ausgebaut, ein professioneller Rennrad- und Bike-Shop soll entstehen. Entlang der Promenade und an Sehnsuchtsplätzen in der Region sollen Fitnessgeräte und Programme im Freien zur Verfügung stehen.

Unser beliebtes Seen-Fitness-Angebot, das jeder Gast gratis nutzen kann, ist österreichweit einzigartig. Und es wird weiter ausgebaut. Heuer wird es das erste Mal Frühmorgens Body-Attack-Einheiten geben. Gemeinsam mit Partnern planen wir außerdem weitere Sport und Aktiv-Events.

Nach dem Sport könnte eine Therme am Klopeiner See, ein Badehaus oder See- und Freiluftsaunen am Programm stehen.

Familien werden mit weiteren Familienangeboten und einem Kinder-Spielhaus in die Region gelockt.

 

Wie lassen sich diese Ideen umsetzen?

Eins ist klar: Wir brauchen die Einheimischen! Ohne die Kärntner bei allen Projekten auch mit im Boot zu haben, wird das nichts. Es braucht gerade in einer Tourismus-Region nicht nur Akzeptanz gegenüber Besuchern – wir müssen sie einladen, ihnen zeigen, dass sie bei uns willkommen sind.

Die Nebensaisonen müssen eindeutig belebt und etabliert werden – dazu eignen sich die Nischenmärkte Radfahren oder Fischen gut, wie schon einige Unternehmen erkannt haben.

Ebenso sollte bei allen Entscheidungen und Projekten Einigkeit und Geschlossenheit vermittelt werden. 


Sprechen Sie da das Thermenprojekt in St. Kanzian an?

Auch. Wenn Investorengruppen an den Klopeiner See kommen, müssen wir uns erst einmal im Klaren sein, was wir wollen. Denn, internationale Investoren kommen nicht fünf-, sechsmal und diskutieren erst einmal. 


Wie stehen Sie zu anderen Großprojekten in der Region?

Die Investitionsdynamik um und auf der Petzen freut uns alle besonders – hier wird viel Geld in die Hand genommen, um die eher schwache Wintersaison zu stärken und im Sommer tolle Angebote für unsere Regionsgäste zu schaffen. Gut gefällt mir beispielsweise die Idee rund um „Fishery Stefan“. Hier wird ein Nischenmarkt optimal bedient. Hier wird niemandem ein Gast „weggenommen“, sondern vielmehr eine neue Gästegruppe nach Kärnten geholt. Und genau diese spezialisierten Märkte sind die Zukunft im Tourismus. 


Wandern Südkärnten Klopeinersee
© Kärnten Werbung Die Region "Klopeiner See - Südkärnten" lockt Gäste mit Kultur- und Genusswanderungen durch das Seengebiet. Viele Angebote gehen über die Kärntner Grenzen hinaus.


Die Region „Klopeiner See – Südkärnten“ liegt mitten im Alpen-Adria-Gebiet. Wie sehen die Angebote in diese Richtung aus?

Die Region bietet sehr viele zwei- bzw. mehrsprachige Angebote. Wir arbeiten daran, das Sprachenangebot noch auszubauen. Unsere neue Homepage ist im Moment deutsch und englisch – wird aber bald auch slowenisch sein. Das war uns besonders wichtig.

Es wird auch weiterhin grenzüberschreitende Kulturprojekte geben und auch das Rad-Angebot geht bis nach Slowenien, dort bieten wir geführte Stollen-Bike-Touren an.  


Online tritt die Region stark auf – über die Sommersaison wir auf einen Social Media Praktikant gesetzt.

Junge Leute haben andere Kommunikationsrituale – Facebook ist da schon bald wieder zu alt. Heute geht es um Instagram, Snapchat und ähnliches. Man muss die Dinge mit den Jungen anpacken – und die Erfahrung der Alten nutzen.

Wir hoffen mit unserem Social Media Praktikanten ehrlichen, jungen und frischen Content für unsere Sozialen Netzwerke zu bekommen. Ich war von mutigen und unkonventionellen Ideen schon immer begeistert. Die schnellen und innovativen überholen die langsamen einfach. Wir wollen uns aber auch nicht übernehmen – lieber mache ich 80 Prozent richtig gut, als 100 Prozent halbherzig!

 

Stichwort Digitalisierung. Was steht dem Tourismus bevor?

Wenn wir ehrlich sind: Wir alle suchen unseren Urlaub mittlerweile im Internet. Wenn ich „Urlaub Österreich“ google, finde ich 37.000.000 Treffer, bei „Urlaub Kärnten“ sind es immerhin noch 502.000 Treffer. Als Anbieter, aber vorher auch als Region, muss ich mich hervorheben. Ich brauche etwas, was die anderen nicht haben, etwas, was mich besser und besonderer als 501.999 andere Urlaubsziele in Kärnten macht.

Alles spricht von Tourismus 4.0, einem Trendbegriff, der im Endeffekt nichts Konkretes bedeutet. Ich bin der Meinung, es geht um Mikrosegmentierung! Ein erster Schritt für uns ist eine hochprofessionelle Gästekartei. Damit sammeln wir Daten zu jedem Gast und kommunizieren so immer personalisierter mit ihm. Für jeden Gast finden wir damit seinen Zugang zum Urlaub in der Region und können ihn genau bei der Leidenschaft abholen, bei der er steht.

 

Wie weit sind die Südkärntner Betriebe?

Die Betriebe in der Region haben dabei definitiv noch Aufholbedarf. Es gibt einige, die es besonders gut machen, und einige, die noch ihre Schwierigkeiten mit dem „digitalen Denken“ haben. Diese „Gast-Sicht“ ist aber wichtig, denn: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!

Werbung muss also dann gemacht werden, wenn es für den Gast stimmt. Touristiker wissen, dass die Hauptentscheidungszeit für den Sommerurlaub im Dezember ist. Meine Werbemaßnahmen müssen also dann ansetzen, und nicht dann, wenn ich gerade Zeit habe. Geplant sind etwa auch Werbeeinschaltungen auf den Info-Screens der Wiener Linien. Wenn es im Sommer heiß wird, sehnen sich die Stadt-Bewohner nach dem „wärmsten Badesee Europas“ und den haben wir mit dem Klopeiner See – Werben wo es sinnvoll ist, ist die Devise.

 

In Kärnten, besonders rund um den Klopeiner See, wird viel über Mobilität gesprochen. Wie stehen Sie zu Schließungen der Bahnhöfe in der Region?

Der Bahnhof in Kühnsdorf muss der Region unbedingt erhalten bleiben. Mittlerweile hat die junge Generation in sehr vielen Städten keinen Führerschein mehr. Auch hier muss man als Touristiker aus Sicht des Gastes denken: Ich muss erst einmal in die Region kommen, um hier Urlaub zu machen. Aber auch innerhalb der Region muss ich mobil bleiben können.

 

Die neue Website der Region finden Sie unter www.klopeinersee.at

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