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Offener Brief an die Kleine Zeitung Kärnten

Offener Brief an die Kleine Zeitung Kärnten
© WKK/Pexels

Sehr geehrte Frau Chefredakteurin Gössinger,

in unschöner Regelmäßigkeit und in erstaunlichem Umfang berichtet die Kleine Zeitung Kärnten ihren Lesern von Gesetzesverstößen und anderen Gemeinheiten, die Unternehmen angeblich im Umgang mit ihren Mitarbeitern begehen. Beliebt sind dabei nicht nur Artikel über menschliche Abgründe wie etwa über Kündigungen im Krankenstand, sondern auch die periodischen Jubelmeldungen der Arbeiterkammer darüber, wie viele Millionen sie wieder vor dem Arbeitsgericht für ihre Schutzbefohlenen erkämpft hat. 3,7 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr, entnehmen wir heute der aktuellen Arbeitsweltreportage „Für Stubenmädchen 3400 Euro erstritten“. Regelmäßig entsteht dabei der Eindruck, die Kärntner Unternehmer wären eine Bande von Ausbeutern, die jeden Kniff nutzen, um ihre Mitarbeiter um den ihnen zustehenden Lohn zu prellen.

Ein Blick in die Aufstellung „Brutto- und Nettojahreseinkommen der unselbständig Erwerbstätigen nach Bundesländern“ der Statistik Austria zeigt, dass im Jahr 2016 252.706 unselbstständig Erwerbstätige in Kärnten durchschnittlich 31.462 Euro brutto verdient haben. Zieht man davon etwa 50.000 öffentlich Bedienstete (lt. WIBIS Kärnten) ab, gibt es in Kärnten ca. 200.000 Beschäftigte in der gewerblichen Wirtschaft. Das ergibt eine jährliche Lohn- und Gehaltssumme von etwa 6,3 Milliarden Euro, die Kärntens Betriebe auszahlen. Die von der AK angeführten 3,7 Millionen machen also rund 0,06 Prozent aller in Kärnten von Unternehmen gezahlten Löhne und Gehälter aus.

Vielleicht wäre es daher angebracht, über die restlichen, völlig korrekt abgerechneten 99,94 Prozent zumindest im selben Umfang zu berichten. Mein Vorschlag: „Für Kärntens Beschäftigte 6,296 Milliarden Euro ausbezahlt“.

Freundliche Grüße

Peter Schöndorfer
Pressesprecher der 
Wirtschaftskammer Kärnten

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