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Neues Leben für altes Plastik

Kunststoff und Nachhaltigkeit – diese Krux ver­suchen zwei Villacher ­Einsteiger aufzulösen. Und das gelingt mit ihrem Unternehmen „Trastic“ mehr als gut.

Erwin Figge
Gründer mit Vision: Wolfgang Rauter und Arno Trinkl haben das Villacher Unternehmen „Trastic“ gegründet.
© Daniel Waschnig Gründer mit Vision: Wolfgang Rauter und Arno Trinkl haben das Villacher Unternehmen „Trastic“ gegründet.
Arno Trinkl und Wolfgang Rauter sind beste Freunde seit mehr als 20 Jahren. Nach vielfältigen unterschiedlichen Stationen im Ausbildungs- und Berufsleben intensivierte der Umbau zweier Häuser den Kontakt der beiden 35-jährigen Familienväter noch zusätzlich. Sie haben einander gegenseitig geholfen und sind oft nach getaner Arbeit am Ende eines ­Tages ins Sinnieren gekommen. Wie sich heute zeigt: Die Geburtsstunde eines der spannendsten Start-ups Kärntens, denn die beiden Villacher produzieren Möbel, Accessoires und Platten aus 
100 Prozent wiederverwertetem Kunststoff.

Ein gepresster Kunststoffchip inspirierte die beiden, „etwas mit Kunststoff zu machen“. Weil ihnen auch die Nachhaltigkeit ein Anliegen war, reifte die Idee zu den Produkten aus recycelten Kunststoffen. Kinderspielzeug, Joghurtbecher, Lebensmittelverpackungen oder Industrieabfälle erhalten so ein zweites Leben. Auch aus Drehverschlüssen eines Mineralwasserherstellers oder Ausschussware von Klebestift-Halterungen fertigen sie Neues. ­Designmöbel, ganze Raumgestaltungen, Accessoires wie Weinständer oder Wanduhren oder die Platten zur Weiterverarbeitung.

Der Anfang des Unternehmens fiel mit jenem der Pandemie zusammen – kein guter Zeitpunkt, wie sich das Duo erinnert. Die Lieferung der ersten Hitzepresse ließ statt prognostizierter zwei Monate ein Dreivierteljahr auf sich warten. Zeit, die Trinkl und Rauter für Forschung und Experimente nutzten – immer mit dem Blick auf ein optisch unver­wechselbares Produkt aus dem wiederverwerteten Kunststoff. Während teilweise mit universitärer Unterstützung das Produkt perfektioniert wurde, ging es in Marktforschung und Vertrieb. 500 potenzielle Kunden wurden zur Produktidee befragt – mit großem Echo, wie Arno Trinkl berichtet. „Der Rücklauf war großartig, 30 hätten das Produkt auf der Stelle gekauft.“

Die im jungen Villacher Unternehmen hergestellten Möbel haben vor allem einen Zweck: Sie sollen Architekten, Tischlern oder Raumausstattern die vielfältigen Möglichkeiten, den praktischen Wert, aufzeigen. Etwas an die Abnehmer zu bringen, das es vorher nicht gab, von etwas zu erzählen, ohne dass es ein haptisches Erlebnis gibt, ist naturgemäß schwierig. So entwirft das „Trastic“-Duo Design-Elemente und Raumlösungen, langfristig wollen sie sich aber auf die Herstellung von Platten konzentrieren, die gewerbliche Abnehmer weiterverarbeiten.

In einer Stärke von zwölf oder 20 Millimetern wird jede Platte als Unikat gesehen – Farben und Mus­ter variieren je nach Zusammensetzung des Recyclingmate­rials. Die Optik sei wichtig, die Stabilität von Platten und Produkten kein Problem. Damit mehr Platten hergestellt werden können, wurde eben eine 20 Meter lange Anlage angekauft, die in den nächsten Monaten umgebaut wird. Klingt wenig spektakulär, ist aber ein interdisziplinäres Unterfangen. Von der Presse über die Heizung und Steuerung bis hin zur Robotik reicht die Umbauarbeit. „Bis zum Jahresende soll das Werkl so laufen, wie wir uns das vorstellen“, ist sich Trinkl sicher. Mit der gestiegenen Kapazität soll es auch vorerst bis zu fünf Arbeitsplätze in Produktion und Vertrieb geben.

Die besten Freunde sind froh, dass sie den Schritt gewagt haben, gerade in der Coronazeit. „Wir wollten das jetzt gleich machen und nicht auf bessere Zeiten warten. Oder uns hinterher zu ärgern, dass wir es nicht getan haben.“ Viele Unterstützer aus den Familien der beiden und von jungen Unternehmen in Nachbarschaft und Region begleiten die Mission, springen ein und sprühen vor Ideen. Diese Kraft und Hilfe aus dem Hintergrund schätzen die beiden Einsteiger besonders.


Dieser Artikel erschien in Ausgabe 4 der "Kärntner Wirtschaft".

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