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Mit Holz aus Kärnten wird weltweit gebaut

Gestern klassisches Sägewerk, heute Spezialist für fertige Holzbauprodukte: Hasslacher Norica Timber aus Sachsenburg entwickelte sich innerhalb vier Generationen vom bäuerlichen Familienunternehmen zum Big Player am internationalen Holzmarkt.

© Patrick Sommeregger-Baurecht Christoph Kulterer, Eigentümer der Hasslacher Norica Timber Gruppe, sieht im Rohstoff Holz noch viel Potenzial für die Zukunft.

Holzstämme soweit das Auge reicht: In Kärnten werden bei Hasslacher Norica Timber pro Tag um die 800.000 Festmeter Holz geschnitten. Die erzeugten Bretter werden gleich an Ort und Stelle zu gehobelten, verleimten oder teilgezinkten Bauelementen weiterverarbeitet. Zum einen werden die daraus entstehenden Leimholzträger für Hallen und Dachstühle verwendet, zum anderen werden die großformatigen Brettsperrholzelemente für den effizienten Häuserbau eingesetzt.  Gearbeitet wird in Sachsenburg rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Täglich werden Zugwaggons und Lkw voll mit Holzstämmen angeliefert.

Allein in Kärnten beschäftigt das Unternehmen über 420 Mitarbeiter und bildet Lehrlinge in unterschiedlichen Berufen aus. Zu den Exportmärkten zählen Italien, Deutschland, die Balkanländer, aber auch Asien, China, Japan oder Südkorea. International arbeiten in der Unternehmensgruppe rund 1200 Mitarbeiter. Anfang 2017 kommen Mehrheitsanteile des deutschen Sonderbauspezialisten Hess Timber hinzu. „Holz erlebt eine Renaissance. Die neuen Technologien brauchen mehr Ingenieur-Know-how und diese Kompetenz verstärken wir jetzt“, sagt Christoph Kulterer. Er führt den Familienbetrieb, den sein Urgroßvater als Sägewerk und Holzschleiferei gründete.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich der Familienbetrieb sehr stark weg vom Sägewerk hin zum Anbieter von fertigen Holzbauprodukten entwickelt. „Aber trotz unserer Größe sind wir noch immer ein Familienunternehmen“, sagt Kulterer. Nicht nur weil die Familie hinter dem Unternehmen steht, sondern vor allem auch weil betriebsintern ein familiärer Umgang gepflegt wird und gegenseitiges Vertrauen eine große Rolle spielt. „Ein wesentlicher Beitrag zum Erfolg des Unternehmens sind die Mitarbeiter“, hält Kulterer fest. Lehrlingsausbildungsprogramme, interne Aus- und Weiterbildung, Trainee-Programm und Managementakademie sollen helfen, junge Menschen in den Betrieb zu holen und zu binden. Um gute Ideen abzuholen und gemeinsam umzusetzen, setzt Kulterer auf einen Innovationsmanager. „Innovation passiert nicht im stillen Kämmerlein, sondern im Netzwerk.“ Der Holzbau sei sehr innovativ und habe noch enormes Potenzial. „Wir sehen uns als europäisches Unternehmen und wollen aktiv als Zulieferer zur Entwicklung des Baustoffes Holz beitragen“, verrät Kulterer über die künftige Ausrichtung des Betriebes. 

Doch um für die Zukunft gerüs­tet zu sein, müssen Unternehmer  rechtzeitig die Weichen stellen und Entscheidungen treffen, selbst wenn diese schwer fallen. „In Kärnten hatten wir in Sachsenburg und Liebenfels veraltete Anlagen. Größere Investitionen in Sägekapazitäten haben aber nur Sinn, wenn sie effizient genutzt werden können“, berichtet Kulterer. Deswegen will sich Hasslacher Norica Timber auf einen Standort konzentrieren und Sachsenburg weiter ausbauen.

„Entscheidungen treffen ist sicher eine der wichtigsten Eigenschaften, die sich ein Unternehmer aneignen muss“, sagt Kulterer. Investieren bedeutet für Unternehmen Risiko eingehen und erfordert mutige Entscheidungen. „Worauf ich bei so einem Fall immer achte, ist den Menschen, die betroffen sind, eine Perspektive mitzugeben.“ Trotz Schließung des Standortes in Liebensfels haben die Mitarbeiter daher die Möglichkeit, weiter im Betrieb beschäftigt zu bleiben. „Wir brauchen gute Mitarbeiter und unterstützen sie bei der Mobilität“, sagt Kulterer. Mitarbeiter aus dem Mölltal fahren zum Beispiel gemeinsam mit firmeneigenen Bussen zur Arbeit. „Es gibt eine Reihe von Lösungen, wenn man darüber nachdenkt“, ist der Firmenchef überzeugt.


Interview mit dem Geschäftsführer Christoph Kulterer

Christoph Kulterer führt den Betrieb in vierter Generation.
© Patrick Sommeregger-Baurecht Christoph Kulterer führt den Betrieb in vierter Generation.

Wie stehen die Chancen am Holzmarkt?

Christoph Kulterer: Der Holzbau hängt von der Baukonjunktur ab und diese ist wieder etwas besser geworden. Der Zuzug nach Europa hat im sozialen Wohnbau einiges ausgelöst, zusätzlich gelingt es Holz aufgrund seiner ökologischen Vorteile, Erdbebensicherheit und Baugeschwindigkeit Marktanteile von anderen Baumaterialien zu holen. In den nächsten Jahren wird Holz ein Wachstumsmarkt sein

Vor welchen Herausforderungen steht die Holzindustrie?

Die Holzindustrie ist sehr innovativ, aber auch abhängig vom verfügbaren Rohstoff. Daher ist es wesentlich, dass in Österreich die Wälder weiterhin auch als nachhaltige Wirtschaftswälder genutzt werden.

Welchen Wunsch haben Sie an politische Entscheidungsträger?

Durch immer mehr Bürokratie und Regeln verlieren Unternehmer die Lust am Unternehmersein. Das ist sehr gefährlich. Wenn der Unternehmergeist im Land verloren geht, weil die Hürden zu groß sind, verlieren wir an Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätzen und Steueraufkommen. Jetzt muss etwas unternommen werden, um nicht weiter zurückzufallen.

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