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Lesevergnügen aus der Tauschbox

Um Kinder von den Bildschirmen weg zu Büchern zu bringen, hat Nancy Wang das Unternehmen Swircle gegründet. Ihre Bücherboxen bringen monatlich Lesestoff, der dann wieder getauscht wird.

Ines Tebenszky
Firmengründerin Nancy Wang beliefert monatlich rund 500 Familien in Österreich mit Swircle-Bücherboxen, auch in Deutschland will sie mit ihrem „Tausch­kreis“-Konzept durchstarten.
© Swircle Firmengründerin Nancy Wang beliefert monatlich rund 500 Familien in Österreich mit Swircle-Bücherboxen, auch in Deutschland will sie mit ihrem „Tausch­kreis“-Konzept durchstarten.

Chinesisch, Englisch, Deutsch – mit diesen drei Sprachen sollen Nancy Wangs Kinder aufwachsen. Doch geeignete Kinderbücher in diesen Sprachen zu bekommen, ist nicht einfach, und wenn, dann mit hohen Versandkosten verbunden. Deshalb hat sich die gebürtige Taiwanesin, die in Kanada aufgewachsen ist und seit 2011 in Villach lebt, schon 2019 intensiv damit auseinandergesetzt, wie man hier Abhilfe schaffen könnte.

Das Resultat heißt „Swircle“ – eine Wortkreation aus den englischen Wörtern „swap“ für tauschen und „circle“ für Kreis, was soviel wie Tauschkreis bedeutet. Die Computerwissenschaftlerin programmierte eine Webapplikation, die Kinderbücher gezielt gefiltert nach Alter und Interessen in einer wiederverwendbaren Box auf die Reise schickt – von Familie zu Familie. „Unsere Boxen werden nicht von uns zur Familie und wieder zurück zu uns geschickt, sondern gehen von einer zur nächs­ten Familie – damit sparen wir etwa die Hälfte der Transportwege und so auch Kosten“, erklärt Wang die Logistik hinter Swircle. „Wichtig ist mir, dass die Bücher auf der Reise bleiben.“

Bücher rausnehmen, Box weiterschicken

Das Prinzip der Bücherboxen ist einfach erklärt: Jedes Monat erhalten Familien eine Box mit zehn bis zwanzig neuen oder gebrauchten Büchern, nehmen sich heraus, was sie lesen möchten und schicken sie an die nächste Familie weiter. „Welche Bücher das sind und an welche Familie sie weitergehen, wird beeinflusst vom dahinterliegenden Algorithmus.“ Deshalb könne man über die Webapp spezielle Interessensgebiete fest- oder eine Wunschliste anlegen. 
Damit das Lesevergnügen groß ist, legt Wang Wert auf qualitätsvolle Bücher – sowohl vom Inhalt, als auch vom Zustand. „Wir haben aktuell rund 4400 Bücher zur Auswahl, die – abgesehen von einigen Klassikern – nicht älter als fünf Jahre sind. Jedes Jahr erscheinen rund 7000 Kinderbücher, wir wählen daraus aber nur die Top-10-Bücher.“ Als Konkurrenz zu Büchereien oder zum Buchhandel sieht sie Swircle nicht. „Wir sind etwas dazwischen und haben sowohl zum Buchhandel als auch zu Büchereien ein gutes Verhältnis“, unterstreicht Wang. Ihr ist es wichtig, die Kinder nicht nur für die Welt der Bücher zu begeistern, sondern ihnen auch den Wert des Teilens zu vermitteln. 

Tausch-Start mit „Quarantäne-Plan“

Gestartet ist Swircle im Juli 2020 – mitten in der Pandemie und in einer Zeit, in der man dem Teilen eher vorsichtig gegenüber stand. „Wir haben deshalb rasch einen ‚Quarantäne-Plan‘ entwi­ckelt – für einen kleinen Aufpreis wurden die Bücher für 30 Minuten bei 70 Grad keimfrei gemacht und nicht von Familie zu Familie, sondern aus der Zentrale an die Familien versendet“, erzählt die Einsteigerin. „Ich habe mich also von Corona nicht von meiner Unternehmensidee abbringen lassen.“ 

Rund 500 Familien in Österreich haben sich vom Swircle-Konzept bereits begeistern lassen, als nächstes möchte Wang deutsche Familien zum Büchertausch und vermehrten Lesen bringen. „Sobald wir rund 200 Familien in Deutschland haben, die mitmachen wollen, starten wir.“ Darüber hinaus möchte Wang mit Büchern für Erwachsene auch die Zielgruppe in Österreich vergrößern.  


Damit das alles gelingt, ist sie auf etliche helfende Hände angewiesen. Viereinhalb Vollzeitäquivalente beschäftigt sie. „Viele Mitarbeiter haben andere Jobs, arbeiten aber auch bei Swircle mit, weil sie einfach von der Idee überzeugt sind“, ist Wang stolz.


Dieser Artikel erschien in Ausgabe 16 der "Kärntner Wirtschaft". 

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