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Kneissl: "Wir sind fragmentierte Gesellschaften"

Seit Karin Kneissl ein Kind war, lässt sie der Nahe Osten nicht mehr los. Die renommierte Nahost-Expertin und ehemalige Diplomatin hat dort gelebt und miterlebt, welche Probleme Menschen im Alltag haben.

Kneissl
© KK/Thomas Raggam Nahost-Expertin Karin Kneissl fürchtet, dass es große wirtschaftliche Verwerfungen geben wird.

Sie haben jahrelang im Nahen Osten gelebt und sind mit dieser Region eng verbunden. Gibt es etwas, das Sie strikt ablehnen?

Karin Kneissl: Der Nahe Osten ist uns sehr nahe, sowohl geografisch, historisch als auch menschlich. Was ich mit großer Sorge betrachte, ist der starke Einfluss des politischen Islams, das war vor dreißig Jahren noch anders. Damals hat man mehr in nationalen Kategorien gedacht.

Inwieweit hat sich die Situation seither verändert?

Seit den 1980er Jahren hat es sich massiv gedreht. Leute, mit denen man damals auf Augenhöhe kommunizieren konnte, sind zu überzeugten Islamisten mutiert. Wenn alle politischen Ideen versagen und ein Ideenvakuum entsteht, dann rückt in dieses Vakuum eine religiöse Mobilisierung ein. Dies beobachte ich mit großer Sorge in Ägypten, in besetzten palästinensischen Gebieten, genauso wie im Irak oder in Syrien.

Sie sprechen akzentfrei Arabisch. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht

Arabisch hat mir immer sehr geholfen. Mit jeder Sprache entdeckt man nicht nur eine andere Welt außerhalb, sondern auch in sich selbst eine neue Welt. Dank der Arabisch-Kenntnisse habe ich mich auch immer sicher gefühlt. Ich bin nur ganz selten misstrauisch ange-schaut worden, als ich arabisch sprach und die Menschen meinten, dass es Spionage sein könnte. Mir sind eher Sympathien entge-gengeschlagen als Argwohn.

Nicht alle Menschen, die zu uns aus den Krisengebieten gekommen sind, wollen auch unsere Sprache erlernen.

Man muss selber wollen und man muss pauken. Ich glaube, dass es gegenwärtig mit all dem Engagement seitens der Behörden und der Gesellschaft den Ankömmlingen sehr leicht gemacht wird. Entscheidend ist das Wollen. Wenn ich wo ankomme und den Alltag meis­tern möchte, bin ich gezwungen, die Sprache zu lernen und über den Sprachunterricht hinaus zu lernen.

War das immer schon so?

Der Spracherwerb ist heute etwa unter den türkisch-stämmigen geringer als noch in den 1980er Jahren. Das hängt auch damit zusammen, dass es damals nur zwei TV-Sender gab. Wer damals fernschauen wollte, musste sich mit unserer Sprache auseinandersetzen. Heute schauen sie sich ihre Heimat-TV-Programme an. Die jüngere Generation ist konservativer als die ältere, sie finden ihr Glück und ihre Identität oft in einer religiösen Heilversprechung. Liberaleres Leben wird durch rigidere Gesellschaftsmoral abgelöst. Das konnte man unter den muslimischen Gemeinden in Europa klar nachvollziehen.

Angesichts der aktuellen Entwicklung befürchten viele einen offenen Bürgerkrieg in Europa. Sollte man diese Prognosen aktuell ernst nehmen?

Ich nehme das sehr ernst. Ich mache mir mehr Sorge um unsere Gesellschaft als um die im Nahen Osten. Wir sind verwundbarer, wir sind nicht so widerstandsfähig. Wir sind fragmentierte Einzel­gesellschaften und viele von uns leben in einem Mini-Haushalt. Wenn es zu einer wirtschafts­politisch angespannten Situation kommen sollte, ist es schwierig, sich zu organisieren.

Ist die Sicherheitslage in Österreich in Gefahr?

Ich würde sagen, es ist die gesellschaftliche Situation am Kippen, und wenn der gesellschaftliche Kitt nicht mehr funktioniert, wenn man sich nicht insgesamt als Teil einer gemeinsamen gesellschaftlichen Ordnung betrachtet, dann wird es kompliziert.


Übrigens: Die Volkswirtschaftliche Gesellschaft Kärnten lädt am Donnerstag, 27. April, zu einem Vortrag von Karin Kneissl in den Festsaal der Wirtschaftskammer Kärnten in Klagenfurt. Beginn ist um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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