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Kärntner Gewerbe und Handwerk steht vor herausforderndem Herbst

Die Corona-Krise hinterlässt im Kärntner Gewerbe und Handwerk tiefe Spuren. Nach dem Lockdown im Frühjahr und der leichten Erholung im Sommer folgt nun eine gedämpfte Erwartung für den Herbst und Winter.

WK-Spartenobmann Klaus Kronlechner und seine Stellevertreter Irene Mitterbacher und Rudolf Bredschneider fordern Impulse für das Kärntner Gewerbe und Handwerk.
© WKK/Studiohorst
„Keiner von uns weiß, wie sich der Winter entwickeln wird. Und diese Unsicherheit macht sich auch bei unseren Betrieben bemerkbar“, berichtete Klaus Kronlechner, Spartenobmann des Kärntner Gewerbe und Handwerks, beim heutigen Pressegespräch. Gemeinsam mit seinen beiden Stellvertretern, Rudolf Bredschneider und Irene Mitterbacher, gab er Auskunft über die derzeitige Situation in den unterschiedlichen Branchen.  

Das Minus bei den Umsätzen des Kärntner Gewerbes betrug im 1. Halbjahr 2020 11,7 Prozent (gegenüber dem 1. Halbjahr 2019) und war damit geringer als im Österreichvergleich (minus 13,8 Prozent). Der Auftragsstand bzw. die Umsatzentwicklung im 3. Quartal ist je nach Branche unterschiedlich. Der Bereich Kunststoff und Holz kann sich über 38 Prozent höhere Auftragsstände freuen. Auch im Kfz-Bereich sieht die überwiegende Anzahl der befragten Betriebe die Umsatzentwicklung im 3. Quartal besser als im Vorjahresquartal. Die Baubranche befindet sich beim Auftragsstand in etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Eintrübung gibt es bei den Gesundheits- und Wellnessunternehmen. Diese weisen per Saldo etwas schlechtere Umsatzzahlen als im Quartalsvergleich auf. Dramatisch sieht es bei den Kunsthandwerkern sowie der Mode- und Bekleidungstechnikunternehmen aus. Hier gibt es im 3. Quartal bei 90 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge. Vergleichsweise starke Rückgänge verzeichnet auch der Lebensmittelbereich. „Tägliche Meldungen über steigende Fallzahlen und das Risiko, rasch von gering auf hohes Risiko eingestuft zu werden, trüben die. Dazu kommt die begründete Sorge, dass gestundete Zahlungen bei Finanzamt, Sozialkassen und Banken eine Insolvenzwelle auslösen könnten. Firmenpleiten und eine höhere Zahl an Arbeitslosen in den nächsten Monaten sind ein durchaus realistisches Szenario“, zeigte sich Kronlechner besorgt.

Wintersaison bereitet sorgen

Große Sorge bereitet den Betrieben auch die kommende Wintersaison im Kärntner Tourismus. Dieser gilt nämlich durch Bau- und Sanierungsaufträge als wichtiger Kunde. Ein weiterer besonders wichtiger Auftraggeber für das Kärntner Gewerbe und Handwerk ist die Industrie, die selbstverständlich auch mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen hat. Trotz der Schwierigkeiten und Unsicherheiten, zeigt sich eine hohe Stabilität bei der Beschäftigung von Mitarbeitern. Der Bedarf der Unternehmen in Bezug auf Personal ist im 4. Quartal – entgegen der rückläufigen Auftragseingänge – nach wie vor hoch.  Die über 16.000 aktiven Betriebe in Kärntens Gewerbe und Handwerk sorgen für über 63.000 Arbeitsplätze und sind damit die stabile Säule der Kärntner Wirtschaft in Bezug auf Wertschöpfung und Beschäftigung – vor allem in den Regionen! Der Spartenobmann führte aus: „Es geht sogar so weit, dass wir nach wie vor mit einem Fachkräftemangel konfrontiert sind. Eine kürzlich veröffentliche Studie bestätigt, dass Jobs im Gewerbe und Handwerk als sicher und krisenfest gelten.“

Immense Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die gesamte Dienstleistungsbranche. Irene Mitterbacher, Obfrau der Fachgruppe Personenberatung und-betreuung, weiß: „Betroffen ist vordergründig der Mensch in Zeiten der sozialen Distanzierung. Die Lebensberater kennen die wissenschaftlichen erforschten Verhaltensweisen, die helfen Krisen zu überstehen. Damit es dann gar nicht erst zu Konflikten kommt, empfehlen wir maßgeschneiderte Bewältigungsstrategien, die jeder leicht im Alltag umsetzen kann.“ Derzeit gibt es in Kärnten 602 Lebens- und Sozialberater, die im psychologischen Bereich, im sportwissenschaftlichen Bereich und im ernährungswissenschaftlichen Bereich mit Beratung präventive Hilfestellung zu den drei Säulen der Gesundheit geben.

Kreativwirtschaft sucht neue Lösungen

Auch der Bereich der „persönliche Dienstleister“, wie z.B. 1400 Kärntner Human-, Tier- und Raumenergetiker und 50 Astrologen, zählen Privatpersonen zu ihren Hauptkunden und arbeiten in der individuellen Beratung. „Diese werden unter Einhaltung aller erforderlichen Maßnahmen durchgeführt und gut angenommen. Desinfektionsmittel, Abstände und wenn nötig Masken gelten als selbstverständlich. Die Prognosen für den Herbst sind aber nicht absehbar“, sagte die Berufsgruppensprecherin.  

Schwierig ist die Situation jedoch für die über 4.000 Kärntner Unternehmer aus der Kreativwirtschaft, die als Dienstleister bzw. Zulieferer fungieren, überwiegend regional verankert und stark mit anderen Branchen vernetzt sind. Das betrifft insbesondere die Berufsfotografen, Film- und Musikwirtschaft und die gesamte Veranstaltungsbranche. Die kleinstrukturierten Betriebe haben mit sehr vielen besorgten Anrufern und Absagen zu tun. Nebenher müssen sie Klarheit in ihre eigene Situation schaffen, denn für die meisten steht die finanzielle Existenz auf dem Spiel. Auch die Fachgruppe der Kunsthandwerke, im Besonderen die Erzeuger kunstgewerblicher Gegenstände, musste in der Krise auf digitale Plattformen zurückgreifen und neue innovative Lösungen finden. Hauptabsatzquelle für viele Kunsthandwerker sind jedoch die stattfindenden Märkte und Ausstellungen – hier gibt es derzeit ein gutes Einvernehmen mit den Behörden, dass diese unter Einhaltung aller auferlegter Maßnahmen weiterhin durchgeführt werden dürfen.

Zweiten Lockdown unbedingt vermeiden

Kärntens Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure sowie auch die Friseurbranche wurden durch den ersten Lockdown sehr stark getroffen. Circa zwei Monate Betriebsschließung, verbunden mit keiner Möglichkeit Umsätze zu generieren, haben diesen Berufen stark zugesetzt. „Ein weiterer Lockdown wäre für diese Branchen nur schwer verkraftbar. Hervorzuheben ist, dass in diesen Bereichen extrem hohe Hygiene- und Gesundheitsstandards – auch schon vor Corona - als Standard gelten und daher ein mögliches Infektionsrisiko für den Kunden bestmöglich gesenkt wird. Die Schönheitsdienstleister tragen nicht nur zum körperlichen, sondern auch zum seelischen Wohlbefinden bei“, fasste Mitterbacher zusammen.

Nahezu in allen Bereichen des Kärntner Gewerbe und Handwerks wurde die Lehrlingsausbildung weitergeführt und kaum Dienstnehmer freigesetzt. „Das zeigt den hohen Verantwortungsgrad unserer Unternehmen“, meinte Rudolf Bredschneider, Innungsmeister der Maler und Tapezierer, und ging speziell auf die Lehrlingssituation weiter ein: „Infolge der Corona-Krise und des Lockdowns in den Pflichtschulen hat die Sparte Gewerbe die Initiative ergriffen und hat die Kampagne ‚Lehre.jetzt‘ kurz vor Ferienbeginn ins Leben gerufen. Dadurch konnten deutlich mehr Lehrverträge, als man aufgrund der Umstände erwarten hätte können, abgeschlossen."

Zahl der Lehrlinge sinkt

Österreichweit ging die Zahl der neuen Lehrlinge um 9,5 Prozent zum Stichtag 30.9.2020 zurück. Wirtschaftsforscher haben mit einem Minus von 30 Prozent gerechnet. Kärnten sticht, neben Oberösterreich, mit einem Minus von lediglich 6,4 Prozent positiv heraus! Im Kärntner Gewerbe gab es in den letzten zwei Jahren eine erfreuliche Steigerung bei den Lehrlingszahlen. Dies bewirkt, dass die Zahl der Lehrlinge über alle Lehrjahre gerechnet, per 30.9.2020 um 1,1 Prozent höher liegt als per 30.9.2019. „Für die Jugendlichen ist vor allem das Ausprobieren und Mitarbeiten wichtig. Leider ist es derzeit noch offen, ob die Kärntner Lehrlingsmesse im Jänner 2021 stattfinden kann. Eine virtuelle Lösung wäre natürlich eine Option, aber wir wissen, dass viele Berufsentscheidungen durch ein aktives Erleben fallen“, gibt Bredschneider zu bedenken.

Abschließend sprach Spartenobmann Kronlechner noch die nötigen Konjunkturimpulse an: Österreichweit würden dem Gewerbe und Handwerk auf Grund der Corona- Umstände im Jahr 2020 11 Milliarden Euro fehlen, das sind für Kärnten rund 660 Millionen Euro Umsatz, verglichen mit dem Vorjahresumsatz. Dabei sei ein Einbruch infolge einer möglichen zweiten Welle noch nicht eingerechnet. „Damit das Gewerbe und Handwerk seine Rolle als stabile Kraft – insbesondere in den Regionen - halten kann und dort den Wirtschaftskreislauf stützen kann, bedarf es flankierender Maßnahmen“, forderte Kronlechner.

Handwerkerbonus als Ausweg

Aus der Sicht der Sparte Gewerbe und Handwerk sollte für die investitionsgüternahen Branchen der Handwerkerbonus „neu“ rasch beschlossen werden, um rechtzeitig seine Wirkung zu entfalten. Förderbar mit einem Fördersatz von 25 Prozent sollten Arbeitsleistungen für Erhaltung, Reparatur und Modernisierung von maximal 20.000 Euro pro Wohneinheit sein, wobei sowohl der Innen- wie auch der Außenbereich erfasst sein sollte. Das wäre eine sinnvolle Ergänzung zur Förderung Energie sparender Maßnahmen. Gleichermaßen sollte es Anreize für Reparaturen geben. Die EU gestattet bis dato einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von zehn Prozent nur auf Bekleidungs- und Schuhreparaturen sowie Fahrradreparaturen. Für Elektro- und Elektronikgeräte gibt es in Kärnten bereits eine herzeigbare Förderung der Landesregierung. Neben dem Handwerkerbonus ist dem Spartenobmann auch die öffentliche Auftragsvergabe ein Anliegen: „Die Bauwirtschaft braucht Kontinuität, um ihren für Kärnten so wichtigen Anteil an der Wertschöpfung und Beschäftigung aufrecht erhalten zu können. Das heißt: Jetzt Projekte ausschreiben und so Betriebe schon für das Frühjahr absichern!“

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Kärnten
Sparte Gewerbe und Handwerk
Mag. Manfred Zechner
T 05 90 90 4-100
E manfred.zechner@wkk.or.at

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