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Kärntens Wirtschaft: 100 Jahre der Zukunft entgegen

Gemeinsam würdigten WK-Präsident Mandl und SGZ-Präsident Benjamin Wakounig das Jubiläum der Volksabstimmung: Ein Jahrhundert der Überwindung von Grenzen.

Als eine Geschichte der Herausforderungen und der Bewährung bezeichneten Kärntens Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl und der Präsident des Slowenischen Wirtschaftsverbandes, Benjamin Wakounig, die Entwicklung der Kärntner Wirtschaft seit 1920.
© SGZ/Foto Reichmann (bearbeitet von WKK)

Als eine Geschichte der Herausforderungen und der Bewährung bezeichneten heute Kärntens Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl und der Präsident des Slowenischen Wirtschaftsverbandes (SGZ), Benjamin Wakounig, die Entwicklung der Kärntner Wirtschaft seit 1920 in einer gemeinsamen Stellungnahme. Von den Wirren des Kriegsendes 1918 schwer gezeichnet, von Gebietsverlusten im Zuge der Friedensverträge von St. Germain tief getroffen, vom Ringen um die Volksabstimmung zerrissen, waren die Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts geprägt vom lange vergeblichen Versuch des Wiederaufbaus. Mandl: „Man muss einen Blick in diese Zeit zurückwerfen, um zu erkennen, wie weit es dieses Land, seine Menschen, seine Unternehmer unabhängig von ihrer Muttersprache und trotz nicht immer einfacher Rahmenbedingungen bis heute gebracht haben. Wir können mit Recht stolz auf uns sein.“

Der weite Weg zur grenzüberschreitenden Wirtschaft

Am Beispiel der großen Bleiberger Bergwerksunion wird die Dimension des Umbruchs deutlich: Produzierte die BBU im Spitzenjahr 1916 mehr als 42.800 Tonnen Bleierz und Blei in Bleiberg/Plajberk, Gailitz/Ziljica und Mieß/Mezica, waren es 1922 gerade noch 9.300 Tonnen. Auch die Produktion der „Kärntnerischen Eisen- und Stahlwerks-Gesellschaft“ (KESTAG) mit Standorten in Ferlach/Borovlje und Waidisch/Bajdiše war von über 12.000 auf unter 4.000 Tonnen eingebrochen; nicht zuletzt, weil traditionelle Absatzmärkte wie Krain, das Küstenland oder Slawonien verloren gegangen waren und nun in anderen Staaten lagen. Zudem fiel das Werk bis zur Volksabstimmung in das von SHS-Truppen besetzte zweisprachige Gebiet, die Absatzmöglichkeiten waren somit stark eingeschränkt. Wakounig: „Daran kann man ermessen, wie weit über einen weiteren Weltkrieg und die Unabhängigkeit Sloweniens 1991 bis zum EU-Beitritt 2004 der Weg ist, den auch die grenzüberschreitende Wirtschaft zwischen Kärnten und Slowenien bis heute zurückgelegt hat und welche Hürden auf diesem Weg überwunden werden mussten."

Gelebte Alpen-Adria-Region

Die Geschichte der Kärntner Wirtschaft nach 1920 hat im Auftrag der Wirtschaftskammer der Klagenfurter Historiker Werner Drobesch aufgearbeitet, sein spannender Rückblick ist in der „Kärntner Wirtschaft“ erschienen. Doch sind Jubiläen auch immer Gelegenheiten für Ausblicke, und auch der aktuelle Kampf Kärntens gegen die Folgen der Corona-Pandemie darf nicht den Blick verstellen auf die enormen Fortschritte, die Kärnten – eingebettet in eine nachbarschaftlich intensiv gelebte Alpen-Adria-Region – in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat. „Die ehemalige Grenze ist von einer Trennlinie zu einer Begegnungszone geworden, in der wir seit langem auf unterschiedlichsten Ebenen eng verflochten zusammenarbeiten und die sehr viel zum Wohlstand unseres Lebensraums beigetragen hat“, betonen Mandl und Wakounig unisono.

EU-Region als Ziel

Der nächste gemeinsame Meilenstein ist die Präsidentenkonferenz des New Alpe-Adria Network of Chambers, zu der am 23. Oktober die Spitzen der Wirtschafts-, Handels-, Industrie-, Handwerks- und Landwirtschaftskammern aus Kärnten, der Steiermark, Slowenien, Friaul-Julisch Venetien, dem Veneto, Istrien und Primorje-Gorski Kotar im geschichtsträchtigen Görz/Gorizia/Nova Gorica zusammenkommen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer EU-Region Alpen-Adria nach dem Vorbild der EU-Donauraumstrategie. Mandl: „Man darf nicht übersehen, dass wir auch heute wie vor hundert Jahren vor einer großen wirtschaftlichen Bewährungsprobe stehen. Aber wir sind acht Millionen Menschen mit vier Sprachen und einem Ziel: Aus der Geschichte zu lernen und gemeinsam eine gute Zukunft zu gestalten.“

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