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Kärntens Handel nach Corona: Perspektiven & Herausforderungen

Der Handel zählt zu den am stärksten von der Coronakrise betroffenen Branchen. Die wochenlange Betriebsschließung gefährdet den Fortbestand vieler Betriebe, geändertes Konsumverhalten und der Digitalisierungsschub stellen traditionelle Geschäftsmodelle in Frage. 2020 - Ein „Tag der Arbeitgeber“ unter neuen Vorzeichen.

Mehr als 7.800 Handelsunternehmen sorgen in Kärnten für mehr als 42.000 Arbeitsplätze – vor der Coronakrise war Kärntens Handel hinsichtlich der Zahl der Betriebe und der Beschäftigten eine der stärksten Branchen des Landes.
© Pixabay/Michal Jarmoluk
Mehr als 7.800 Handelsunternehmen sorgen in Kärnten für mehr als 42.000 Arbeitsplätze – vor der Coronakrise war Kärntens Handel hinsichtlich der Zahl der Betriebe und der Beschäftigten eine der stärksten Branchen des Landes. Nach der wochenlangen Schließung weiter Teile des Handels, um die Ausbreitung der Infektion einzudämmen, und Kurzarbeit für tausende MitarbeiterInnen steht nun die Wiedereröffnung bevor. „Viele Händler sehen diese Phase mit durchaus gemischten Gefühlen“, erklärte dazu heute Kärntens Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl bei einem Pressegespräch über Internet: „Klar ist heute schon, dass sich das Einkaufserlebnis und auch das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten in den vergangenen Wochen stark verändert hat – und zum Teil auch verändert bleiben wird. Wir sind weit entfernt von Euphorie, es wird ein weiter Weg zurück, bis der Konsument wieder das Vertrauen findet, einzukaufen, in die Innenstädte zu gehen, zu shoppen.“ 

Neue Zeitrechnung für den Handel

Wie der Beginn einer neuen Zeitrechnung wirkt für Raimund Haberl, Obmann der Sparte Handel, die Coronakrise. Allein der Umsatzentgang des Kärntner Handels in der ersten Woche der Schießung wird auf mehr als 30 Mio. Euro geschätzt. „Verwaiste Innenstädte, leere Einkaufsstraßen – die Betriebe sind von hundert auf null heruntergebremst worden“, schildert Haberl. Ab 2. Mai dürfen zwar wieder alle Geschäfte unabhängig von der Größe und Branche öffnen. Die vergangenen Wochen hätten allerdings gezeigt, dass von Normalität noch lange keine Rede sein werde. „Bilder von Menschenschlangen, wie es sie vereinzelt vor Baumärkten gegeben hat, spiegeln in keiner Weise die Gesamtsituation im Handel wider. In vielen Bereichen fehlt einfach noch die Kundenfrequenz und damit nach wie vor ein großer Teil der üblichen Umsätze“, warnt Haberl.

Sterben die Innenstädte?

Aktuelle Berechnungen diverser Institute zeigen deutlich, dass der Handel massiv von Umsatzeinbrüchen durch die Corona-Krise betroffen ist. In Anbetracht dessen ist die Situation äußerst angespannt, auch wenn ab Samstag alle Geschäfte wieder öffnen dürfen. „Wir sind froh, dass dieser weitere Schritt zum Neustart getan ist. Aber es ist zu befürchten, dass viele Handelsunternehmen dennoch dem Corona-Virus zum Opfer fallen und damit auch ganze Innenstädte mitsterben werden“, zeichnet Haberl ein drastisches Bild.

Eigenkapital sinkt

Das Wirtschaftsforschungsinstitut Economica habe für den österreichischen Modehandel anhand eines Beispiels die Folgen errechnet: Ein Unternehmen mit drei Millionen Euro Jahresumsatz habe durch die Coronakrise auch nach den staatlichen Hilfsmaßnahmen einen Verlust von 325.000 Euro, das bedeute am Schluss der Saison Ende August einen Rückgang des Eigenkapitals um 22 Prozentpunkte auf etwa zehn Prozent. Haberl: „Die Studie warnt ausdrücklich vor mehreren Insolvenzwellen, der ersten im Herbst 2020, der nächsten im Frühjahr 2021.“

Zielgerichtete Unterstützung notwendig

Diese Situation werde in den Hilfspaketen des Staates trotz umfangreicher Hilfsmaßnahmen noch nicht ausreichend berücksichtigt. Haberl: „Es wurde - auch seitens der WK - viel unternommen, um Betrieben zu helfen. Aber es wird noch viel mehr notwendig sein, damit halbwegs Normalität einkehren kann. Wir brauchen dringend Maßnahmen, die speziell auf die Anforderungen im Handel zugeschnitten sind. Nur so können unsere Unternehmen liquide bleiben. Andernfalls droht vielen Händlern und damit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein jähes Aus.“ 

Sicherheits- und Hygienemaßnahmen werden eingehalten

Die ersten Wochen nach dem kompletten Shutdown haben laut Spartenobmann Haberl aber auch positive Aspekte aufgezeigt, zum Beispiel die Tatsache, dass die vorgeschriebenen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen weitestgehend eingehalten werden. „Die Rückmeldungen, die wir bekommen, zeigen, dass sowohl Kunden als auch Mitarbeiter diesbezüglich sehr diszipliniert sind. Diese Disziplin ist auch dringend notwendig, weil wir nur so Corona rasch besiegen und die Krise hinter uns lassen werden können.“

Appell für ein “Ja zu Kärnten”

Bis dahin ist es noch ein langer, steiniger Weg, den der Kärntner Handel aber jedenfalls zu gehen bereit ist. „Es liegt in der Natur des Unternehmertums, sich Herausforderungen zu stellen und Lösungen für Probleme zu finden. Viele Kärntner Händlerinnen und Händler bauen gerade jetzt ihr Service aus, bieten neue Lieferdienste an und erweitern ihr Online-Angebot. Immer mehr nutzen auch die Möglichkeit, sich auf der Plattform www.daspackma.at zu präsentieren“, unterstreicht Haberl und appelliert abschließend an die Kärntnerinnen und Kärntner, auch „Ja zu Kärnten“ zu sagen: „Bestellen und kaufen Sie im Kärntner Fachhandel – egal ob direkt im Geschäft, telefonisch oder via Internet. Das hält die Wertschöpfung in unserem Land und sichert Arbeitsplätze!“

Enormer Digitalisierungsschub

Eine der grundlegendsten Veränderungen ist zweifelsohne der enorme Digitalisierungsschub, der den Handel erfasst hat. „Der Wandel der vergangenen Wochen ist dramatischer und geht tiefer als alle Entwicklungen der vergangenen Jahre“, schildert Martin Zandonella, Obmann der Sparte Information und Consulting. Das bedeute einerseits, dass viele Unternehmen die Einschränkungen durch die Maßnahmen der Bundesregierung zum Anlass genommen hätten, sich mit der Entwicklung von Onlineshops zu beschäftigen. Andererseits hätten die Ausgangsbeschränkungen auch einen wahren Boom bei Videokonferenzsystemen ausgelöst. Zandonella: „Was wir von Seiten der Unternehmens- und IT-Beratung seit langem vorschlagen, ist nun binnen kürzester Zeit zum neuen Standard geworden. Ab Mitte März haben wir gemerkt: Wenn es sein muss, reagieren die Betriebe durchaus agil, haben rasch umgestellt auf Online-Angebote, Homeoffice, Videokonferenzen.“ Gewinner gebe es aber auch in seiner Branche nicht, unterstrich Zandonella: „Auch bei den Kärntner IT-Unternehmen haben 60 Prozent der Mitglieder Kurzarbeit angemeldet. Wenn der Handel, der Tourismus geschlossen sind und andere Wirtschaftsbereiche herunterfahren, wirkt sich das selbstverständlich auch auf das Projektgeschäft aus.“ 

KWF in der Pflicht

Handlungsbedarf sieht Zandonella auch bei den Förderungen: „Eine Unterstützung durch den KWF zur Einrichtung bzw. Verbesserung von Internetauftritten inklusive Webshops von Kleinunternehmen könnte den Wirtschaftsstandort entscheidend voranbringen.“ Ziel der Unternehmensberater und IT-Spezialisten sei es allerdings nicht, Kärnten zum Land der Onlinehändler zu machen, stellte Zandonella klar: „Aber wir raten definitiv zu hybriden Handelsformen, bei denen Unternehmen auf mehreren Standbeinen stehen. Es gibt schließlich unterschiedliche Bedrohungen: Der nächste Virus könnte Onlinenetze befallen, daher ist die Kombination aus stationärem und Onlinehandel am sichersten, um gegen viele Krisen und Disruptionen gewappnet zu sein. Damit lässt sich das Schlagwort der Glokalisierung am besten abdecken.“ 

Glasfaserausbau eine „Lehre aus der Krise“

Die Wirtschaftskammer wird diesem Trend durch neue oder verstärkte Beratungsangebote Rechnung tragen. Bestätigt sieht sich Zandonella auch in seiner Kritik am schleppenden Breitbandausbau in Kärnten: „Unsere Internet-Umfrage bei rund 1000 Unternehmen um den Jahreswechsel hat gezeigt, dass fast die Hälfte der Befragten mit der Internetanbindung unzufrieden ist.“ Das Ergebnis ist abseits des Zentralraums mit guten Datenhighways sogar noch deutlich schlechter: Schusslicht ist Feldkirchen, wo fast 65 Prozent der Befragten angeben, gar nicht oder wenig zufrieden sein. Hauptursachen für die Unzufriedenheit seien zu langsame Verbindungsgeschwindigkeiten (70 Prozent) und technische Störungen (23 Prozent). Zandonella: „Jetzt sehen wir nicht nur bei Unternehmen die technischen Grenzen der aktuellen Netzwerke, sondern auch bei den Familien: Mit Homeoffice und Homeschooling sind die Bandbreiten bei vielen Haushalten rasch am Ende. Der beschleunigte Glasfaserausbau ist ein Gebot der Stunde und eine Lehre aus der Krise.“

Neue Botschaft zum „Tag der Arbeitgeber“

In den vergangenen Jahren hat die Wirtschaftskammer – ausgehend von einer Kärntner Initiative – österreichweit den „Tag der Arbeitgeber“ am 30. April, dem Tag vor dem „Tag der Arbeit am 1. Mai, gefeiert. Aufgrund der umfassenden Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt und die gemeinsamen Sorgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern um die wirtschaftliche Entwicklung geht die WK Kärnten daher neue Wege: „Was wäre der Tag der Arbeit ohne Zusammenarbeit?“ lautet heuer der Slogan. Präsident Mandl: „Diese verbindende Botschaft richtet sich an Unternehmer und Mitarbeiter gleichermaßen. Wir wollen darauf hinweisen, dass wir das Comeback der heimischen Wirtschaft nur gemeinsam schaffen werden.“

Schutzschirm ausgeweitet

Neuerlich unterstrich Mandl die Bedeutung der jüngsten Nachbesserungen beim Härtefallfonds und der Vereinfachungen in der Kreditvergabe. Er sei stolz darauf, dass die Wirtschaftskammer durch ihr konsequentes Auftreten gegenüber der Bundesregierung diese gravierenden Verbesserungen für Klein- und Kleinstunternehmen sowie andere Selbstständige durchgesetzt habe. Mandl erwähnte nochmals die Einführung einer Mindestunterstützung von 500 Euro pro Monat, die Verlängerung des Betrachtungszeitraums und die Ausweitung der Unterstützung für Jungunternehmer auch bei Gründung seit 2018. Darüber hinaus sei es endlich gelungen, die schleppende Kreditvergabe in Fahrt zu bringen. Nach wochenlangem Tauziehen hätten die Experten des Finanzministeriums endlich dem Drängen der WKÖ nachgegeben und einer Lösung zugestimmt, die sich in ähnlicher Form bereits jahrzehntelang im Bereich der österreichischen Exportfinanzierung bewährt hat. Mandl: „Wie ich schon seit Wochen sage: Die Hilfsinstrumente in dieser außergewöhnlichen Situation müssen zur Vielfalt unserer Wirtschaft passen, nicht die Betriebe in das Schema F der Bürokratie.“

Rückkehr der Normalität

Wie notwendig die öffentliche Unterstützung ist, zeigen aktuelle Arbeitsmarktdaten aus Kärnten: 56.000 Menschen sind in Kurzarbeit, 30.000 beim AMS. Mandl: „Das bedeutet, dass fast 90.000 Personen oder fast die Hälfte aller Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft in Kärnten betroffen ist. Das ist nicht nur beunruhigend, sondern hat auch Auswirkungen auf den Konsum, den Handel, die Gastronomie. Je besser wir wirtschaftlich wieder Fuß fassen, umso schneller können wir an frühere Zeiten anschließen. Auch der Konsument kann mit seinem regionalen Einkaufsverhalten dazu beitragen, dass ein Stück Normalität einkehrt.“

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