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Jeder ist für uns wichtig und zählt

Als Marketingstrategin und PR-Expertin startet Carmen Goby mit neuen Visionen für die Zukunft Kärntens in ihrer neuen Position als Vize-Präsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten. Die 34-Jährige aus Klagenfurt möchte die Kammer wieder mit einem Hautnah-Gefühl ausstatten und um den Blickwinkel und die Herangehensweisen der jungen Unternehmergeneration erweitern. Zeitgleich übernimmt Goby den Vorsitz von Frau in der Wirtschaft und hat schon wenige Tage nach ihrem Amtsantritt konkrete Ansätze für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel.

Vizepräsidentin Carmen Goby
© WKK/Helge Bauer

Am Ende kam die Berufung zur Vize-Präsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten überraschend für Carmen Goby. Zwar ist die 34-Jährige, die eine Agentur für Marketing und Public Relations in Klagenfurt führt und zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt, schon länger bei Frau in der Wirtschaft und auch in der Fachgruppe Ubit engagiert, mit einem Sprung an die Kammerspitze hatte sie jedoch nicht gerechnet. Nachdem die eigene Firma und vor allem die Familie grünes Licht gegeben haben, beginnt die erfahrene Beraterin bereits nach wenigen Tagen, ihrem Amt den eigenen Stempel aufzudrücken und selbstbewusst Position zu beziehen. Goby, die auf Facebook gerne den Hashtag #youmatter – du bist wichtig – verwendet und sich damit auf ihren Umgang mit anderen Menschen bezieht, möchte die Worte hinter dem Gitter-Symbol mit Leben füllen und Brücken bauen. 

Seit wenigen Tagen sind Sie Vize-Präsidentin der Wirtschaftskammer. Wie überraschend war die Wahl für Sie?

 Im Moment fühlt es sich noch ein wenig unecht an und ich wachse jeden Tag weiter in die neue Rolle hinein. Ich bin schon länger in der Kammer aktiv und es hat in der Vergangenheit Gespräche gegeben, ob ich mir ein weiteres Engagement vorstellen kann. Die Nominierung kam trotzdem überraschend und plötzlich. Nach einer Bedenkzeit und intensiven Gesprächen mit meiner Familie, stehe ich jetzt voller Vorfreude an der Startlinie und blicke voller Spannung auf die neue Aufgabe. 

Sie kommen aus der Agenturszene Klagenfurts und haben sich Marketing, Beratung und Kommunikation auf die Fahnen geschrieben. Warum haben Sie sich gerade für diesen Bereich entschieden?

Die Idee, in diese Richtung zu gehen, kam mir schon recht früh. In meiner Jugend bin ich auf das Buch „Die Marke ich“ gestoßen, in dem es darum geht, etwas aus sich zu machen. Dieses Buch hat mich darin bestärkt, aus eigener Kraft erfolgreich sein kann und dass viel über glaubwürdige Eigenpräsentation funktioniert. Außerdem war ich davon fasziniert, was die Kraft der Worte bewirken kann und was mit Sprache alles möglich ist. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, in den Kommunikations- und Marketingbereich zu gehen. Unsere Gesellschaft ändert sich stetig und mit dem Werkzeug Sprache wird sehr viel davon sichtbar.  Dieser Faszination erliege ich bis heute. 

Familie und Beruf sind bereits eine Herausforderung. Sie sind Mutter zweier Kinder. Wie wird es mit Familie, Beruf und Vizepräsidentschaft klappen?

Mein Mann und ich sind beide Unternehmer, daher haben wir uns unser Leben in der Vergangenheit bereits so umgebaut, dass die Familie nicht zu knapp kommt. Das hat bisher sehr gut funktioniert und unsere Erfahrung ist eine solide Basis für die neue Herausforderung. In der Einarbeitungszeit geht es logischerweise etwas turbulenter zu, das kennt jeder, der einen neuen Job annimmt oder als Unternehmern plötzlich einen Großauftrag bekommt. Wir legen großen Wert auf ungestörte Zeiten mit den Kindern und ich komme über Sport sehr schnell wieder ins Gleichgewicht.  

Sie führen eine erfolgreiche Marketing- und Kommunikationsagentur. Wie geht es mit der eigenen Firma weiter?

Wir planen aktuell keine gröberen Veränderungen. Ich habe zwei sehr engagierte Mitarbeiterinnen, denen ich voll und ganz vertraue und auch zutraue, mehr Verantwortung zu übernehmen. Um meine Ressourcen zu schonen, werde ich mich etwas aus der Umsetzung zurückziehen und noch stärker auf den strategischen Bereich konzentrieren. Bei Bedarf werde ich auf drei Mitarbeiter aufstocken und mein Netzwerk an Kooperationspartnern ausweiten. Da es im Sommer bei uns traditionell etwas ruhiger ist, habe ich jetzt die Zeit, mich gut in meine neue Funktion einzuarbeiten.

Kammerfunktionen sind größtenteils eher männlich besetzt. Wie wollen Sie sich gegen die Männerwelt behaupten?

Eine Behauptung gegenüber den männlichen Kollegen ist meiner Meinung nach gar nicht notwendig. Viel wichtiger ist, die weiblichen Aspekte in die gemeinsame Arbeit mit einzubringen. Dadurch entstehen ganz bewusst verschiedene Sicht- und Herangehensweisen, neue Zugänge und innovative Lösungen. Wirklich erfolgreich geht es meiner Meinung nach nur zusammen. 

Sie haben die Einarbeitung erwähnt. Wie bereitet man sich auf die Arbeit als Vizepräsidentin vor?

Wirklich vorbereiten kann man sich auf diesen Job nicht. Durch meine Firma bringe ich Erfahrungen im „Changemanagement“, im Kommunikationsbereich und eine strategische Herangehensweise mit. Dazu lebe ich meinen Beruf als Unternehmerin und habe ein Feeling dafür, was Unternehmerinnen und Unternehmer wollen, wo der Schuh drückt und womit die Wirtschaftskammer ihre Mitglieder abholen könnte. Durch meine Tätigkeit in einem Großkonzern habe ich außerdem eine Vorstellung davon erhalten, wie große Firmen denken. Dieses Know-how wird sicherlich hilfreich sein. Neu war nur das neue öffentliche Interesse an meiner Person. An diesem Umstand muss ich mich noch gewöhnen obwohl ich beileibe kein unkommunikativer oder gar scheuer Mensch bin.

Mit welcher Vision sind Sie als Kammer-Vize-Präsidentin angetreten?

In meiner Vision ist die Wirtschaftskammer ein wichtiges wirtschaftliches Bindeglied. Die erste Anlaufstelle, wenn es um meine unternehmerischen Anliegen geht. Zudem liegen mir die Bereiche Bildung und die aktive Integration der nachfolgenden Generationen sehr am Herzen. Ich bin mir sicher, dass wir nur gemeinsam einen starken Wirtschafts- und Lebensraum in Kärnten sichern können. Das ist ein ganzes Stück Arbeit. Uns als Wirtschaftskammer würde ein Hautnah-Gefühl gut stehen. Das würde eine gewisse Entfremdung abbauen und uns als Organisation nahbarer machen. Wir werden häufig als „staubiges“ Amt gesehen, dabei ist die Wirtschaftskammer stark auf Service ausgerichtet und hat ein überragendes Know-how in vielen Bereichen. Das möchte ich den Unternehmen gerne näherbringen und zeigen, dass sie bei uns gut aufgehoben sind. Essenziell ist für mich auch, eine Brücke zwischen dem etablierten Wissen der traditionellen Unternehmen und dem frischen Know-how der jungen Unternehmen zu bauen. Dazu zählt auch, den Ein-Personen-Unternehmen das unbedingte Gefühl zu geben, dazu zu gehören. Ohne die vielen kleinen Unternehmen würde unser Wirtschaftsgefüge nicht funktionieren. Und gerade kleine Firmen halten oft Ortschaften zusammen, die ohne sie bereits brach liegen würden. Wichtig ist deshalb zu begreifen, dass, was kleine Firmen zum Wachsen und Gedeihen brauchen und genau an dieser Stelle Support zu liefern. Auf Facebook verwende ich oft den Hashtag #youmatter, Du bist wichtig. Jeder ist für mich wichtig und jeder zählt. Dazu gehören neben den Unternehmern natürlich auch die Familien und Mitarbeiter. Wenn wir es schaffen, diese Haltung in der Realität zu leben, dann gehören Diskussionen über den Sinn der Wirtschaftskammer, die immer wieder aufkochen, auch der Vergangenheit an.

Wo sehen Sie Potenziale der Kammer? Was muss sich ändern?

Vor allem in der Außenwirkung müssen wir etwas tun und uns öffnen. Transparenz, Nahbarkeit und eine Kommunikation auf Augenhöhe werden ausschlaggebend für unsere Erfolge sein. Wichtig sind für mich auch der persönliche Kontakt zu den Unternehmen und ein offener Austausch zwischen Funktionären und Mitarbeitern der Kammer. Nur so können wir unseren Service richtig an die Frau oder den Mann bringen und wissen, was unsere Mitglieder wollen.  

Sie haben auch Vorsitz von Frau in der Wirtschaft übernommen. Welche Herausforderungen bestehen gerade für Unternehmerinnen in Kärnten?

Im vergangenen Jahr haben wir einiges bewegt. Hervorzuheben ist vor allem die innerbetriebliche Betreuung von Kindern, bei der wir Verbesserungen durchsetzen konnten. Das ist allerdings noch lange nicht genug. Die Kinderbetreuung ist für Unternehmerinnen gerade in den Ferien ein sehr großes Problem, an dem wir dringend weiterarbeiten müssen. Zwar haben wir in Kärnten ein umfangreiches Kinderbetreuungsprogramm im Sommer, die Politik ist trotzdem gefragt, hier allgemeine Verbesserung zu beschließen und umzusetzen.

Auch eine andere Forderung der Wirtschaftskammer wurde umgesetzt: Die fallweise Anhebung der täglichen Arbeitszeit auf 12 Stunden ist beschlossene Sache und tritt im September in Kraft. Ein wichtiges Anliegen der Wirtschaft und noch wichtiger für weibliche Unternehmer, oder?

Im meiner Firma ist es für mich und meine Mitarbeiter essenziell wichtig, unsere Arbeitszeit flexibel einteilen zu können. So kann man schnell und unkompliziert auf Schwankungen reagieren. Kommt ein Großauftrag rein, können wir der Kreativität freien Lauf lassen. Wenn auf der anderen Seite etwa das Kind krank ist, gibt es jetzt viel mehr Möglichkeiten, darauf zu reagieren. An einen Missbrauch der neuen Regelung glaube ich nicht. Der Großteil der Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird sich einvernehmlich auf eine Regelung einigen und auf die andere Seite achtgeben. 

Wenn Sie im Namen Ihrer Unternehmer-Kollegen und Unternehmer-Kolleginnen drei Wünsche an die Bundesregierung frei hätten, welche wären das?

Mir ist es ein großes Anliegen, dass die Bürokratie weiter abgebaut wird und damit zahlreiche sinnlose Behinderungen für Unternehmen in Österreich. Die Politik sollte sich ein offenes Ohr für unsere Wünsche bewahren und nicht der Gefahr erliegen zum Selbsterhalt zu regieren. Wichtig ist mir auch, dass die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft so gesetzt sind, dass kleine Unternehmen und Familienbetriebe abgesichert sind.

Carmen Goby persönlich

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