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Hufnagel: "Hirngerechtes Arbeiten braucht neue Spielregeln"

Wie Unternehmer im Alltag wieder Geschwindigkeit rausnehmen und selbst zum Piloten ihres Lebens werden, verrät Neurobiologe und Managementtrainer Bernd Hufnagl.

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© KK/Aufreiter Bernd Hufnagl sieht einen engen Zusammenhang zwischen Emotion, Gedächtnis und Multitasking.

Wie verändert die Digitalisierung unsere Wahrnehmung?

Bernd Hufnagl: Die Informationsflut ist dabei ein Thema. Wir haben oft das Gefühl, von der Menge
an Daten erschlagen zu werden. Wir werden ungeduldiger, hören schwerer zu und können Wichtiges von Unwichtigem nicht mehr unterscheiden. Alles hat Priorität Nummer eins. Wir sind im Büro ständig im On-Modus und können nur schwer abschalten.

Die Menge an Daten ist zu viel für unser Gehirn?

Für unser Gehirn können Infor­mationen nie zu viel werden, weil es nicht mehr als 750 Megabyte pro Sekunde verarbeiten kann. Aber unser biologischer Filter funktioniert nicht mehr. Das heißt, das  Gehirn filtert vorhersehbare Dinge wie das Gezwitscher der Vögel heraus und ordnet es als gefahrlos, nicht belastend ein. Doch in der digitalisierten Welt passieren ständig unvorhersehbare Dinge, die unsere Aufmerksamkeit erregen. Das Gehirn kann diese nicht mehr filtern und dadurch fühlen wir uns gestresst.

Was wäre eine einfache Lösung für dieses Problem?

Wir müssen in der Arbeitswelt Dinge vorhersehbarer machen und Spielregeln im Selbstmanagement sowie in der Kommunikation aufstellen. In meinem Unternehmen sind wir telefonisch nur mehr zwischen 9 und 13 Uhr erreichbar. Da-durch haben wir Raum, um in Ruhe Sachen aufzuarbeiten. Als Unternehmer lasse ich seit einigen Jahren mein Handy während des Urlaubs im Büro. Das war auch für mich ein schwieriger Pro-zess. Aber ich glaube nicht, dass ich deswegen irgendeinen Auftrag nicht bekommen hätte. 

Lohnt sich Multitasking in der Arbeit?

Beim bewussten Multitasking können wir automatisierte Prozesse parallel zu unserer Tätigkeit ausüben, zum Beispiel spazieren und gleichzeitig telefonieren. Das ist kein Problem. Beim seriellen Tasking hingegen springen wir mit der Aufmerksamkeit von einem Thema zum nächsten und wieder zurück. In diesem Arbeitsmodus befinden sich immer mehr Menschen. Aber in diesem Modus  brauchen wir zu 60 Prozent mehr Zeit für eine Aufgabe und begehen 40 Prozent mehr Fehler.

Wie lässt sich das im Alltag reduzieren?

Einfach einmal die Pop-ups der E-Mails ausschalten oder den Flugmodus beim Handy aktivieren. Sie haben eine Mailbox und werden nichts verpassen. Sie können dadurch wesentlich konzentrierter arbeiten.

Warum ist das so?

Das Unterbewusstsein weiß genau, ob es seinen Radarschirm aufgespannt lassen muss, weil theoretisch das Telefon läuten könnte.

Ein weiterer Tipp?

Ich würde sagen, das Festlegen von Nicht-Zielen ist wichtig.
Ein Nicht-Ziel ist eine Entscheidung gegen etwas, das auf der To-do-Liste steht, und ein Trick, um das Unterbewusstsein zu beruhigen und kein schlechtes Ge­wissen aufkommen zu lassen. Je gestresster wir sind, desto öfter gehen wir geistig unsere Auf­gaben durch. Das ist Multitasking im Kopf und macht uns fertig.


Aufgepasst! Bernd Hufnagl spricht am plannING Day der Ingenieurbüros in Velden am Donnerstag, 8. Juni. Infos dazu finden Sie auf der Homepage der Veranstalter.

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