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Fritz "Weiterwursteln ist besser als der große Knall"

Peter Fritz ist als Leiter des ORF-Büros in Brüssel mittendrin statt nur dabei. Die EU sieht er als Experiment – und die Vereinten Nationen von Europa als derzeit eher nicht in Reichweite. Am Montag, 10. April spricht er bei der Vortragsreihe der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Kärnten in der WK.

© APA/Günther Pichlkostner / First Look Dass die Austrittsverhandlungen mit Großbritannien nur zwei Jahre dauern werden, hält Peter Fritz für eine Illusion: „Es glaubt niemand, dass das möglich ist.“

Was macht die EU zu einem Experiment?

Peter Fritz: Die Ungewissheit. Wir wissen nicht, wie es ausgehen wird. Es ist auch nicht klar, wofür die EU steht. Soll das ein Staatenbund sein? Oder ein Bundesstaat? In der Präambel des EU-Vertrags steht ursprünglich, das Ziel der EU ist die Schaffung einer immer engeren Union der Völker Europas. Jetzt ist die Frage: Wird es eine solche Union wirklich jemals geben? Oder probiert man vielleicht etwas anderes?

Denken Sie, es wird etwas anderes kommen?

Das wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Es ist momentan sehr viel in Bewegung und wir wissen nicht, was dabei herauskommen wird.

Wo sehen Sie die wesentlichen Probleme?

In den unterschiedlichen Interessen. Der Osten wollte immer schon Teil des Westens sein – auch aus militärischer Sicht. Zum Teil sind die Ost-Länder aber gar nicht in der Lage, die wirtschaftlichen Kriterien zu erfüllen. Rumänien und Bulgarien sind weit davon entfernt. Und es gibt Länder im Westen, die keine weiteren Nettoempfänger im Bund haben wollen.

Wie wird es beim Brexit weitergehen?

Auch hier ist vieles ungewiss. Klar ist nur, dass die Austrittsverhandlungen ein langwieriger und schwieriger Prozess werden. Es glaubt auch niemand, dass die Verhandlungen tatsächlich in zwei Jahren abge-schlossen werden ­können. 

Warum dauert der Prozess so lange?

Es geht um viele kleine Detailfragen, alles muss ausformuliert und niedergeschrieben werden. Als Grönland in den 1980er-Jahren wieder aus der EG ausgetreten ist, ging es nur um die Fischereirechte. Und darüber wurde drei Jahre lang verhandelt.

Wie ist die Stimmung in Brüssel?

Das Referendum der Briten war ein richtig großer Dämpfer. Man kann es als Schockzustand beschreiben. Und die Stimmung ist seitdem noch immer gedrückt. Die EU ist eine Institution, die immer nur größer geworden ist – und plötzlich wird sie kleiner. Das ist eine ganz neue Situation für alle Beteiligten.

Gibt es schon konkrete Auswirkungen?

Man merkt es am meisten bei den Briten, die hier in Brüssel arbeiten. Sie wissen nicht, wie es mit ihrer Existenz weitergehen soll. Wie lang können sie noch in Brüssel bleiben? Was kommt danach? Viele von ihnen wollen EU-Bürger bleiben.  Es gibt deshalb auch einen großen Ansturm auf belgische Staatsbürgerschaften. Ich kenne auch Leute, die es über die irische Großmutter versuchen.

Was halten Sie davon, dass Schottland allein der EU beitreten möchte?

Davon sind wir noch weit entfernt. Zuerst muss Großbritannien als Ganzes austreten und erst dann wird das zum Thema. Es ist natürlich die Frage, ob die EU das überhaupt will. Großbritannien als Ganzes war ein Zahler in der EU, die Schotten alleine wären aber ein Empfänger. Und wie bereits gesagt: Es gibt einige Länder, die keine weiteren Nettoempfänger mehr aufnehmen wollen.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie in den nächsten Jahren?

Die Vereinten Staaten von Europa sind eher nicht in Reichweite. Momentan wird Schadensbegrenzung betrieben. Es sieht so aus, als würde uns ein jahrzehntelanges Weiterwursteln erwarten. Das ist nicht ideal, aber auch besser als der große Knall. Der größte Fehler wäre es, Europa wieder zersplittern zu lassen. 

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