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Fauma: "Emotionen lassen uns nicht klar denken"

Oft genügt ein Satz oder ein E-Mail, damit die Emotionen im Büro hochgehen. Chef oder Mitarbeiter führen sich dann unmöglich auf und ernten genervtes Kopfschütteln. Warum wir uns manchmal richtig äffisch benehmen, erklärt der Wiener Verhaltensbiologe, Business-Coach und Kommunikationstrainer Gregor Fauma.

Fauma Verhaltensbiologe
© KK/Gregor Krewenka Menschen sind keine Vernunftlebewesen, sondern verlieren unter dem Einfluss von Emotionen schon mal die Kontrolle, weiß Verhaltensbiologe Gregor Fauma.

Warum haben Unternehmer im Büro manchmal das Gefühl, der Oberaffe in einem Zoo zu sein?

Gregor Fauma: Das kommt daher, weil wir zur Gruppe der Menschenaffen gehören und uns auch dementsprechend verhalten. 15 Millionen Jahre Erfahrung in der Savanne hinterlassen ihre Spuren. Das spüren wir bei allen möglichen Entscheidungen und bei unserer Wahrnehmung.

Zum Beispiel?

Wir erstellen beispielsweise aus Ausnahmen Regeln. Ein Mitarbeiter kommt drei Jahre lang immer pünktlich, aber in diesem Monat kam er zweimal zu spät. Daraus ziehen wir automatisch den Schluss, dass er immer zu spät kommt, obwohl das vielleicht ein Zufall war. Das ist ein evolutionäres Verhalten. Unser Gehirn ist daraufhin ausgerichtet, Ausnahmen zu erkennen, uns vor diesen zu warnen und zu reagieren. Das haben wir für den Kampf mit dem Säbelzahntiger gebraucht, nur heute gibt es den nicht mehr. Aber wenn die Hormone durch das Blut fahren, kommt wieder der Affe raus. Wir surfen auf den Wogen unserer Emotionen und können nicht mehr klar denken.

Wir reagieren emotional und bereuen es danach?

Wenn wir wütend oder verärgert sind, denkt unser Gehirn nicht gut     und trifft schon gar keine klugen Entscheidungen. Das sieht man gut bei einer     E-Mail-Eskalation. Je emotionaler wir sind, desto weniger nehmen wir von unserer Umgebung wahr und glauben, wir sind im Recht.

Sind wir dem Affen in uns komplett ausgeliefert?

Durch Selbsterfahrung kann jeder lernen, das äffische Verhalten im Zaum zu halten und rechtzeitig die Stopp-Taste zu drücken, bevor es zu emotional wird. Wenn Sie ein E-Mail verärgert, lassen Sie sich nicht gleich zu einer Antwort hinreißen. Schreiben Sie zurück, dass Sie den Inhalt zur Kenntnis genommen haben, und fragen Sie, ob es in Ordnung ist, wenn Sie morgen darauf antworten. Sie werden ganz bestimmt ein Ja als Antwort bekommen. Derjenige, der seine Wut rausschreien will, greift sowieso zum Telefon.

Und was dann?

In so einem Fall bringen Argumente überhaupt nichts. Man kann sich nur alles anhören, gegebenenfalls bedauern, dass es geschehen ist, und warten, bis sich das Gegenüber beruhigt. Gehen Sie nicht in den Konflikt rein oder treffen Sie eine Entscheidung. Das bringt nichts. Die Situation wird eskalieren und dann verlieren beide.

Ihr Tipp für Emotionsüberkocher?

Wenn Sie merken, dass bei Ihnen die Emotionen hochkommen und Sie beginnen zu kochen, nehmen Sie Tempo raus. Der erste Impuls ist meist der Affenimpuls und damit der falsche. Zeigen Sie vorerst kein Verhalten – entscheiden Sie und tun Sie nichts. Halten Sie lieber den Mund und schlafen Sie eine Nacht darüber. Denken Sie in Ruhe nach. Danach sieht die Welt ganz anders aus.

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