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Familientradition mit starker Vorbildwirkung

Handwerksqualität, familiärer Zusammenhalt und faire Partnerschaft mit regionalen Unternehmen werden in der Weitensfelder Bäckerei Stocklauser groß geschrieben – und das seit 110 Jahren.

Ines Tebenszky
Hannes Stocklauser mit seiner Frau Andrea, die als Architektin den Umbau geleitet hat, Martin Stocklauser sowie Schwester und Marketingverantwortliche Michaela Stocklauser mit Tochter Anna.
© Schusser Hannes Stocklauser mit seiner Frau Andrea, die als Architektin den Umbau geleitet hat, Martin Stocklauser sowie Schwester und Marketingverantwortliche Michaela Stocklauser mit Tochter Anna.

Es war ein großer Schock für die Familie, aber letztendlich ein Glücksfall für den Betrieb, erinnert sich Hannes Stocklauser. Ausgelöst von einer Mehlallergie erlitt der Bäcker vor einigen Jahren einen Lungeninfarkt, der ihn vier Monate in die Knie zwang. In dieser Zeit verzweifelte er aber nicht, sondern begann zu rechnen und schaffte damit eine wesentliche betriebswirtschaftliche Basis für die Weitensfelder Bäckerei Stocklauser, die er mit seinem Bruder Martin in vierter Generation führt. Mittlerweile ist Hannes Stocklauser längst wieder fit. In der Backstube kann er zwar nur mehr in seltenen Ausnahmefällen aktiv werden, aber sie ist ohnehin das Revier seines Bruders Martin. Er selbst betreut 515 Großkunden und kümmert sich um die Produktionseinteilung.

Im vergangenen Jahr haben die Brüder 400.000 Euro in den Umbau des Weitensfelder Stammhauses investiert. Hannes’ Frau Andrea, eine Architektin, war für die Neugestaltung verantwortlich. Die Nähe zur Familie und die Liebe zum Detail werden etwa in Lampenschirmen aus Brotbackkörben, den sogenannten Simperln, sichtbar, aber auch in freigelegtem Mauerwerk, das an das ursprüngliche Haus erinnert. Ausgeführt wurde der Umbau zum überwiegenden Teil von Partnern aus der Region. Nun ist das Stammhaus nicht nur lichtdurchflutet, sondern überall rauch- sowie barrierefrei. So kann die 93-jährige Großmutter Helene, die mittlerweile im Rollstuhl sitzt, noch jeden Tag im Café nach dem Rechten sehen, erzählt Martin Stocklauser. Auch Vater Michael ist im Betrieb präsent, nicht nur, weil er sich um seine Mutter kümmert. „Er ist ein großes Vorbild für uns“, betonen die Brüder. Davon zeugt auch ein gemeinsames Foto im Café, das mit einem Leitspruch der Familie versehen ist: „Erziehung ist Vorbild und Liebe – sonst nichts.“ 

Slow Food wird von Stocklauser gelebt

Die Reduktion auf das Wesentliche spiegelt sich auch in den Produkten der Bäckerei wider. „Wir merken einen deutlichen Trend zurück zur Handwerksqualität. Alte Brotsorten, die ohne Hefe auskommen, werden wieder stärker geschätzt“, sagt Martin Stocklauser. Slow Food sei ein allgemeiner Trend, werde in der Bäckerei aber seit langem gelebt. So könne die Familie nie gemeinsam wegfahren, weil alle zwölf Stunden jemand zum Sauerteig muss, erzählt Hannes Stocklauser.

Gearbeitet werde grundsätzlich viel tagsüber. „Wir sind ein Schichtbetrieb, haben in der Nacht aber nur einen Bäcker in der Backstube“, sagt Martin Stocklauser. Das sehen die Brüder als Chance, auch für Lehrlinge ein attraktiver Ausbildungsbetrieb zu sein. „Wir nehmen jedes Jahr einen Bäckerlehrling auf und alle drei Jahre einen Konditorlehrling“, informiert Hannes Stocklauser.

Das Sortiment des Weitensfelder Betriebs haben die Brüder unlängst über Brot und Gebäck hinaus erweitert. „Seit einem Jahr haben wir Baumzuckerln im Angebot – ein regionales Produkt, das wir aber weiter über die Region hinaus vertreiben können als Brot“, ist Hannes Stocklauser stolz. Stolz ist er auch darauf, dass sein Bruder und er auch den eigenen Kindern ein Vorbild sind – zwei von ihnen möchten den Betrieb in Zukunft weiterführen.


Dieser Artikel erschien in der Kärntner Wirtschaft, Ausgabe 1/2.

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