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"Es muss erlaubt sein, über neue Wege zu diskutieren"

Krankenstand und Entgeltfortzahlung – ein Thema, das in den vergangenen Tagen die Wogen hochgehen ließ. Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten, spricht sich für eine differenzierte Betrachtung aus.

Mandl Krankenstand Entgeltfortzahlung Interview
© WKK/Peroutka

„Kärntner Wirtschaft“: Überrascht von den heftigen Reaktionen auf Ihre Vorschläge zur Entgeltfortzahlung im Krankenstand?

Jürgen Mandl: Eines vorweg – wer krank ist, soll zu Hause bleiben und sich auskurieren. Die Kärntner Wirtschaft anerkennt die Gesundheit als unersetzbares Gut und ist sich der Bedeutung ihrer Mitarbeiter bewusst. Niemand fordert daher erkrankte Dienstnehmer zur Arbeit auf.

In manchen Kommentaren wurde vorgeworfen, dass sich die Wirtschaft aus der Verantwortung stehlen will.

Keineswegs. In Kärnten gab es im vergangenen Jahr über zwei Millionen Krankenstandstage, die zu einem erheblichen Teil von den Kärntner Arbeitgebern bezahlt worden sind. Die Kärntner Betriebe stehen zu ihren Mitarbeitern und leisten die vorgeschriebene Entgeltfortzahlung. Dazu bekennen wir uns. Aber eine Diskussion darüber, wie man zu zeitgemäßeren Modellen kommt, muss erlaubt sein.

Das wird in Kommentaren und in der Diskussion nicht so gesehen …

Das zeigt fehlendes Bewusstsein und die geringe Wertschätzung gegenüber der enormen sozialen Leistung der Unternehmen, die während des Krankenstandes die Löhne und Gehälter weiter zahlen. Offenbar ist sie selbstverständlich wie eine staatliche Leistung. Diesen Umstand wollen wir aufzeigen.

Worum geht es dann wirklich?

Derzeit trägt der Unternehmer das Risiko der Entgeltfortzahlung, wenn ein Dienstnehmer erkrankt, nahezu alleine. Obwohl auch er nichts für die Erkrankung kann. Deshalb stelle ich die Frage, ob es nicht wie in Schweden denkbar wäre, dass sich Dienstnehmer zumindest zu einem Teil an diesem Risiko beteiligen. Es sollte doch möglich sein, andere Wege durchzudenken und diese sachlich zu diskutieren.

Bei so viel Gegenwind aus Medien und sozialen Netzwerken wird das nur schwer umsetzbar sein.

Das glaube ich nicht! Ich glaube vielmehr, dass zumindest bei Krankenständen nach Freizeitunfällen, die überhaupt nichts mit dem Unternehmen zu tun haben, eine gewisse Beteiligung der Dienstnehmer auch von ihnen nicht abwegig gesehen wird.
Immerhin müssen Ausfälle durch Krankenstände durch Mehrleis­tungen der Kollegen ausgeglichen werden und verursachen nicht unerhebliche Kosten.

Wie könnte diese Lösung aussehen?

Bei einem Unfall in der Freizeit mit einem Krankenstand ab zwei Wochen könnte der Dienstnehmer nur mehr einen eingeschränkten Anspruch auf Entgeltfortzahlung haben. Vielleicht wäre dieses
Risiko für den Dienstnehmer sogar mit einer Versicherung und Prämie abdeckbar. Aber es inter­essiert mich nach diesem Auf­schrei, was meine Unternehmerkollegen und auch Mitarbeiter
zu konkreten Vorschlägen sagen. Deshalb lade ich alle ein, bei unserer Online-Umfrage mitzumachen.

Was sagen Ihre eigenen Mitarbeiter zu diesen Argumenten?

Für die ist das nicht belastend, weil sich für sie nichts ändern würde. Als kleiner und international agierender Familienbetrieb habe ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei denen sich jeder einzelne mit überdurchschnittlichem Einsatz und Loyalität zum Betrieb engagiert. Nur so können wir erfolgreich auf den Weltmärkten bestehen. Deshalb würde ich auch bei einem gesetzlichen Selbstbehalt meinen Mitarbeitern so wie bisher das Gehalt im Krankenstand dann als freiwillige Leis­tung weiterzahlen. Wahrscheinlich würden das viele tun.

Und an noch etwas will ich in dieser Diskussion erinnern: Der Unternehmer hat niemanden, der ihm sein Einkommen im Krankenstand weiterzahlt. Dieser ist lei-der oft gezwungen, zur Einkommenssicherung trotz körperlicher Schwächung seine Aufträge ab-zuarbeiten. Und auch die Prämie für eine etwaige Betriebsunterbrechungsversicherung zahlt der Unternehmer selbst.

Sehen Sie mit der derzeitigen Diskussion die Sozialpartnerschaft gefährdet?

Nein, überhaupt nicht. Die Sozialpartnerschaft gibt uns geradezu den Rahmen, solche polarisierenden Themen inhaltlich auszutauschen. Es ist mir klar, dass die Dienstnehmervertretungen hier reflexartig eine andere Position einnehmen. Aber sogar im sozialen Schweden ist der erste Krankenstandstag unbezahlt und es gibt dort auch den Teilkrankenstand.

Wie soll es mit dem Thema weitergehen und was erwarten Sie sich von der Umfrage?

Ich hoffe auf eine von allen Seiten sachlich geführte Diskussion, mit der neue Ideen gesammelt und gefunden werden. Ich möchte, dass wir uns neuen, anderen Lösungen gegenüber offen zeigen und einen Weg finden, der für uns alle, Unternehmer wie Dienstnehmer, gleichermaßen sozial gerecht und akzeptabel ist.

Auf den Punkt

Krankenstände wirken sich von Betrieb zu Betrieb naturgemäß verschieden aus, insgesamt kann man aber von einem durchschnittlich sechs- bis siebenprozentigen Anteil an den Lohnnebenkosten ausgehen.

Die Entgeltfortzahlung durch Unternehmen in Österreich zählt zu den dienstnehmer­freundlichs­ten Europas, wie auch die nebenstehende Tabelle zeigt. Sechs Wochen volles und vier Wochen halbes Engelt sind das Minimum, mit zunehmender Dienstzeit steigt auch die Dauer der Entgeltfortzahlung.

Einer Erkrankung gleichgestellt sind Kur- und
Erholungsaufenthalte, Aufenthalte in Heil- und Pflegeanstalten oder
Rehabilitationszentren, die von einem Sozialver­sicherungsträger bewilligt oder angeordnet wurden. Das heißt, auch in diesen Fällen zahlen die Unternehmen weiter.

Besonders betroffen sind viele kleine Unternehmen – bei ihnen wiegen der Ausfall eines Mitarbeiters und die damit verbundenen Kosten besonders schwer. Zur Entgeltfortzahlung kommen noch die Suche nach einer
Ersatzkraft, eventuell ein Produktionsausfall oder gar der Verlust eines Auftrages.

Auf einen Blick: Gesetzliche Entgeltfortzahlungen in Europa

  • Deutschland  
    100 % in den ersten 6 Wochen durch AG, danach SV 70 % des Bruttoeinkommens (max. 90 % vom Nettoeinkommen)
  • Schweiz
    100 % in den ersten 3 Wochen  durch AG, danach 80 % von SV, wenn AN freiwillig SV-Beiträge entrichtet hat
  • Italien
    100 % bis zum 3. Tag durch AG, danach zahlt SV 50 % bis zum 20. Tag, danach zahlt SV 66 %
  • Norwegen
    100 % bis zum 16. Tag durch AG, ab 17. Tag zahlt SV 100 % für 1 Jahr
  • Frankreich
    90 % bis zum 30. Tag, 66 % für weitere 30 Tage durch AG
  • Spanien
    80–85 % bis zum 16. Tag durch AG, danach zahlt SV
  • Schweden
    75 % ab dem 2. Tag bis zum 14. Tag durch AG, danach SV-Rehabilitationskette
  • Lettland
    75 % ab dem 2. Tag, ab dem 4. Tag 80 % durch AG
  • Niederlande
    70 %, zumindest aber der gesetzliche Mindestlohn in den ersten 104 Wochen durch AG
  • Tschechien
    60 % ab dem 4. Tag bis zum 21. Tag durch AG, danach zahlt SV
  • Griechenland
    50 % bis zum 3. Tag durch AG; 4.–15. Tag: SV zahlt, aber AG zahlt Differenz bis 100 %; ab 16. Tag zahlt nur mehr SV       
  • Großbritannien
    85,85 £ (106,45 €) / Woche ab dem 4. Tag bis inkl. der 28. Woche durch AG; danach zahlt SV Einkommensabhängiges Krankengeld für mind. 13 Wochen
  • Österreich
    100 % in den ersten 6 Wochen durch AG, danach 50 % durch AG für 4 Wochen. Leistung der AG steigt mit den Dienstjahren auf bis zu 16 Wochen!

Wie stehen Sie zur Entgeltfortzahlung im Krankenstand? Sagen Sie uns Ihre Meinung!






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