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Ein Ladenbauer, der die Welt eroberte

Die Tischlerei Hauptmann mit Sitz in Wolfsberg ist die Nummer eins im internationalen Ladenbau. Sie gibt Cremes, Lippenstiften und Parfums eine einzigartige „Verkaufsbühne“ und verleiht Kunden damit ein emotionales Einkaufserlebnis.

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© Tischlerei Hauptmann/Helmuth Weixelbraun Sie sind ein eingespieltes Team: Geschäftsführer Bernd Hauptmann mit Gattin Helga und Sohn Martin (von rechts).

Seit mehr als zwanzig Jahren verbindet die Tischlerei Hauptmann aus Wolfsberg zu Chanel, Estée Lauder, Hermes oder Breitling eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung. „Auf Vermittlung vom Unternehmer Walter Megymorecz kam ich mit den beiden Kosmetikkonzernen in Kontakt“, erzählt Bernd Hauptmann, der das 1897 gegründete Unternehmen im Jahr 1995 übernahm und es von einem kleinen Tischlereibetrieb zu einem international angesehenen „Ladenbauer“ entwickelte. „Vor der Tischlerei wurde von meinen Vorfahren, die alle Handwerker waren, das Gewerbe der Schuh­macherei ausgeübt. Die Weiterführung des Betriebes war sozusagen genetisch vorgegeben“, schmunzelt Hauptmann.

Das Familienunternehmen, das 40 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz gibt und aktuell zehn Lehrlinge ausbildet, hat schon immer über den Tellerrand hinausgeschaut. „Der Markt in der Region ist sehr klein, lediglich drei bis fünf Prozent unserer Produktionen bleiben in Kärnten.“ Neben dem Tischlermeister, der ein Kolleg für Innenausbau und Möbelbau absolvierte, arbeiten auch noch seine Frau Helga und sein jüngerer Sohn Martin, der die Firma einmal übernehmen soll, mit. Bereits unter der Leitung seines Großvaters war der Betrieb bekannt für gehobenere Einrichtung. „Mein ursprünglicher Gedanke war es, im medizinischen Bereich tätig zu sein“, so der 57-jährige Unternehmer, dessen Berufswünsche als Kind zwischen Tennisprofi, Offizier oder Biologie-Professor hin- und herpendelten.

Flexibles Fachwissen

Ehe in der Wolfsberger Tischlerei ein Ladenbau via Spedition in das gewünschte Zielland transportiert und dort von den Mitarbeitern aufgestellt wird, bedarf es einer detaillierten Vorbereitung. Aktuell liegen auf dem Schreibtisch Pläne für einen Ladenbau in Genf. „Die Designer haben Vorstellungen und kommunizieren diese. Wir liefern dazu die maßgeschneiderten Konzepte und sind auch immer Problemlöser. Mit seinem kleinen Unternehmen sieht sich Bernd Hauptmann sehr flexibel und kann auf Änderungswünsche rasch reagieren. „Das macht den Erfolg unseres Unternehmens aus. Eine in­dus­trielle Großfertigung wäre hier nicht möglich.“ Der Ladenbau eines jeden Artikels verlangt nach einer entsprechenden individuellen Präsentation. „Das emotionale Einkaufserlebnis ist bei Produkten ein Muss, das Verkaufsumfeld soll sich dem Artikel anpassen. Das ist eine Herausforderung.“

Da die Firma Hauptmann aber nicht über jedes Fachwissen, das die Planung und Durchführung erfordert, hausintern verfügt, ­werden viele Leistungen regional von anderen Firmen zugekauft. „Egal ob Elektriker, Metallbauer, Druckerei oder Grafiker, ich schaue, dass ich immer im Tal einkaufe und gebe so vielen anderen Menschen auch einen sicheren Arbeitsplatz“, sagt Hauptmann, der auch Obmann der ­Lavanttaler Tischlergemeinschaft ist. Der Vorteil einer kleinen Firma liege auf der Hand. „Der persön­liche Kontakt zu den einzelnen Konzernen und deren Firmenchefs ist sehr wichtig, es ist das Um und Auf in der Kosmetikbranche. Ich kenne keine andere Branche, in der derart viel Dynamik und Kurzlebigkeit in der Geschäftseinrichtung vorherrscht.“

Vom Erstentwurf bis hin zur Realisierung werden ausschließlich hochwertige Materialien und Techniken eingesetzt. „Wir gewährleisten mit unserer Arbeit eine Symbiose der verwendeten Werkstoffe, die vom heimischen Holz über Kunststoff bis hin zu modernster Oberflächentechnologie reichen.“


Interview mit Bernd Hauptmann, Inhaber der Tischlerei Hauptmann

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© Tischlerei Hauptmann/Helmuth Weixelbraun Bernd Hauptmann führt die Geschicke der 120-jährigen Tischlerei in Wolfsberg.

Was macht erfolgreich gelebtes Unternehmertum aus?

Bernd Hauptmann: Selbstständig zu sein heißt selbst und ständig. Ich muss Freude zur Arbeit haben und wissen, was ich will. Ich muss es nicht tun, weil ich es muss, sondern weil ich es will und weil es mir Freude bereitet.

Wie pflegt man internationale Geschäftsbeziehungen?

Die internationalen Geschäftsbeziehungen sind Konzernentscheidungen. Vieles wird aus dem Bauchgefühl heraus entschieden. Wir arbeiten mit vielen Designern zusammen, die die beste Qualität haben wollen. Dann gibt es aber noch die Commercials, die aufs Geld schauen und den besten Preis haben wollen. Ich kann aber nicht beste Qualität zu einem niedrigen Preis liefern. Diesen Spagat zu finden ist für beide Seiten immer eine sehr große Herausforderung. 

Welchen Stellenwert haben Lehrlinge in Ihrem Unternehmen?

Lehrlinge sind unsere zukünftigen Facharbeiter, auf ihnen baut die Zukunft unseres Unternehmens auf. In unserer Unternehmensgeschichte haben wir über 250 Lehrlinge zu hochqualifizierten Facharbeitern ausgebildet, zwölf von ihnen sind selbstständige Tischlermeister geworden. Jeder Lehrling durchläuft eine Persönlichkeitsausbildung, denn er muss auch wissen, wie man mit Kunden richtig umgeht. Denn der Umgang mit den Kunden ist von mir aus ganz klar definiert: respektvoll.

Was bedeutet Neid für Sie?

Neid ist für mich ein Gradmesser, wie erfolgreich jemand mit seinem Unternehmen ist. Ich brauche keinen Neid, ich bin auch keinem neidig und schaue zu Menschen, die erfolgreich sind, hinauf und schätze sie.

Im nächsten Leben …

… möchte ich wieder mit meiner Frau leben.

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