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Die Karfreitagsfrage lässt die Wogen hochgehen

Der steirische Soziologe Manfred Prisching steht der Kärntner Wirtschaft Rede und Antwort zum „persönlichen Feiertag“, Gleichmacherei und die Rolle der Religion.

Karin Sattler

Soziologe Manfred Prisching ist überzeugt: „Reiche Gesellschaften müssen es sich leisten können, Menschen nicht an den Rand des Burnouts zu treiben.“
© Georg Hochmuth/APA/picturedesk.com Soziologe Manfred Prisching ist überzeugt: „Reiche Gesellschaften müssen es sich leisten können, Menschen nicht an den Rand des Burnouts zu treiben."

„Kärntner Wirtschaft“: Mit der Fastenzeit beginnt die Vorbereitung für Ostern. Wie haben Sie die Debatte rund um den Karfreitag erlebt?

Manfred Prisching: Ich glaube, die Karfreitagsfrage hat den Anstoß gegeben zu einer breiten Debatte über die Gleichheit der Konfessionen, aber auch über die Folgen der Säkularisierung. Die religiöse Bedeutung der Feiertage schwindet ja, die freien Tage werden eher für Freizeitaktivitäten genutzt – auch sehr zur Freude der Tourismuswirtschaft. 

Welche Rolle spielt die Religion noch? Oder heißt im säkulären Staat die eigentliche Religion „Freizeit“?

Weihnachten und Ostern sind für viele eher folkloristische Events, die mit Fleischweihe und Christbaum gefeiert werden. Es sind zwar gute 60 Prozent der Bevölkerung Christen, aber praktizierende Christen sind es weniger als zehn Prozent. Der Wert von Freizeit hat indes massiv zugenommen. Doch auch wenn die religiöse Sinnstiftung schwindet, machen Feiertage Sinn für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Reiche Gesellschaften müssen es sich leisten können, Menschen nicht an den Rand des Burnouts zu treiben. 

Ist der „persönliche Feiertag“ ein gangbarer Weg in einem modernen säkularen Staat?

Ich halte diese Lösung für zukunftsorientiert, vor allem im Hinblick auf den Wandel in der Gesellschaft durch die Migration. Wenn der Anteil der Muslime einmal 20 oder 30 Prozent ausmacht, werden auch deren Festtage ein Thema. Daher halte ich die Idee für brauchbar, einzelne Tage als „persönliche Feiertage“ frei wählen zu können – unabhängig davon, ob man Christ, Buddhist, Moslem, Jude oder Atheist ist. Für die Betriebe ist es freilich eine organisatorische Herausforderung. Man hat damit jedoch ein Problem gelöst, das erst auf uns zukommt. 

Die Wirtschaft argumentiert auch mit Zusatzkosten durch zusätzliche Feiertage. Wie viele Feiertage sind denn gerecht?

Bei den Urlaubstagen liegt Österreich mit 13 großteils religiösen Feiertagen im oberen Mittelfeld, in Europa sind zehn bis 14 Tage üblich. Allerdings muss man auch sagen, dass die Jahresarbeitszeit in Österreich mit 1738 Stunden über dem EU-Durchschnitt liegt. Man hätte im Vergleich mit den Nachbarn auch einen weiteren Feiertag verkraftet. Aber mit dem „persönlichen Feiertag“ ist ein guter Kompromiss gelungen. 

Oberste Prämisse in der Debatte war aber immer die Gleichheit der Konfessionen. Geht nicht die Gleichheit auf Kosten einer Minderheit, nämlich der evangelischen?

Sie haben freie Zeit eingebüßt, deshalb haben sie auch ihre anfängliche Zustimmung wieder zurückgezogen. 

Muss nicht eine bunte Gesellschaft Ungleichbehandlung aushalten können, wenn sie gerechtfertigt ist?

Der EuGH hat in seiner Entscheidung „säkulär“ entschieden: Es darf nicht mehr oder weniger freie Zeit geben. Er hat ignoriert, ob nicht religiöse Gründe eine Ungleichbehandlung rechtfertigen könnten. In historischer Perspektive könnte bei Juden und Protestanten eine Besserstellung auch als Gutmachung für erlittenes Leid verstanden ­werden.

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