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Das Smartphone zerstört die Aufmerksamkeit

Der Berliner Medienexperte Thomas Feibel weiß, wie sich Smartphones und neue Medien auf Jugendliche auswirken, warum ein Handyverbot keine Lösung ist und wie man sich aus der „digitalen Sucht“ befreien kann. 

Sabine Barbisch
Medienexperte Thomas Feibel beobachtet, dass Jugendliche meist keine großen Datenschutzbedenken haben. Das stellt auch Ausbildungsbetriebe vor Herausforderungen.
© KK/Hoffotografen Medienexperte Thomas Feibel beobachtet, dass Jugendliche meist keine großen Datenschutzbedenken haben. Das stellt auch Ausbildungsbetriebe vor Herausforderungen.

„Kärntner Wirtschaft“: Wie wirken sich neue Medien auf den Alltag von Jugendlichen aus?

Thomas Feibel: Zwischen Erwachsenen und Jugendlichen gibt es dabei keinen großen Unterschied, allerdings erwarten Erwachsene von Jugendlichen, was sie selbst nicht können: zu widerstehen. Ein Beispiel aus England: Bevor ein junger Mensch eine Ausbildung beginnt, hat er schon sieben Jahre Erfahrung mit Facebook, WhatsApp, Snapchat, Instagram und Co. Da ist schon viel passiert, dem muss man begegnen – und zwar nicht mit Verboten. Problematisch ist aber, dass die Jugendlichen durch die langjährige Nutzung neuer Medien keine Hemmungen und keine großen Datenschutzbedenken haben. Weder zu Hause noch in der Schule findet Bildung in dieser Sache statt.  

Das ist auch für die Ausbildungsbetriebe eine Herausforderung ...

Wenn das Feingefühl für Fragen fehlt, was bei Fotos in Ordnung geht, was ein Geheimnis ist, und wenn nicht klar ist, was privat ist und was nicht, ist es für die jungen Menschen auch schwierig einzuschätzen, ob das Selfie am Arbeitsplatz nun beruflich oder privat ist. Zumal es ja innerbetriebliche Details gibt, die nicht nach außen dringen dürfen. 

Hilft ein Handyverbot?

Um die Jugendlichen für diese Themen zu sensibilisieren, braucht man Regelungen und Abmachungen. Diese werden am besten gemeinsam und auf Augen-höhe vereinbart. Für die Umsetzung kann man durchaus digitale Instrumente nutzen. Jugendliche halten sich eher an Dinge, die sie mitentwickelt haben, als an solche, die von oben nach unten aufgetragen werden. 

Welche weiteren Empfehlungen haben Sie für Ausbildungsbetriebe?

Wir sollten die jungen Menschen nicht nur dabei unterstützen, besser mit Smartphones umzugehen, sondern ihnen vermitteln, dass sie auch im Sinne ihres Arbeitgebers mitdenken sollten. Positiv ist, wenn man die Jugendlichen in ihrem Verhalten mit dem Smartphone ernst nimmt: Holt man sie ins Boot, fühlen sie sich verstanden und man kann voneinander profitieren.  

Wie kann man das gegenseitige Verständnis im Betrieb noch unterstützen?

Da hilft vielleicht dieser Gedanke: Jugendliche, die eine Ausbildung machen, haben davor noch nie gearbeitet – das ist eine ganz schöne Umstellung von der Schule ins Berufsleben. Wir sehen Dinge oft mit den ­Augen von ­Erwachsenen, als ­wären wir schon im Alter von 30 Jahren auf die Welt gekommen, als hätten wir die Pubertät selbst nie erlebt. Diese alten Gefühle wieder zu erwecken, ist gut für ein besseres gegenseitiges Verständnis.  

Was hilft nun gegen die „digitale Sucht“?

Es gibt in dieser Sache kein Patentrezept: Das Smartphone ist seit elf Jahren da und hat alles verändert, auch die Arbeitswelt. Es gibt viele Vorteile dieser Entwicklung; was wir uns aber zurückerobern müssen, ist unsere Autonomie. Denn was macht das Smartphone am meisten kaputt: die „Qualitytime“.

Was meinen Sie damit?

Das Smartphone zerstört die ungeteilte Aufmerksamkeit. Das müssen wir uns wieder zurückerobern und uns bewusst machen, dass es so etwas wie Privatsphäre nur zu Hause gibt, im Internet gibt es das nicht. Das sind gesellschaftliche Herausforderungen, die uns alle, nicht nur die Jugendlichen, betreffen.


Der Artikel erschien in der Kärntner Wirtschaft, Ausgabe 49.

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