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Braun: "Gemütlichkeit ist kein Mehrwert"

Es ist wichtig, dass sich der Tourismus innerhalb der unterschiedlichsten Branchen vernetzt und ressortübergreifend arbeitet. Andreas Braun, Visionär und Querdenker, zeigt auf, welche Prioritäten er dabei setzen würde

Zangerle, Andreas Braun, Tourismus, Marke, Kärnten Werbung
© KK/Kärnten Werbung/Zangerle „In der Wahrnehmung des Gastes ist Kärnten immer noch ein gemütliches Land“, sagt Andreas Braun, ehemaliger Kommunikationsmanager der Swarovski-Gruppe.

Kärnten, ein Zukunftslabor für das gute Leben. Welche Ingredienzen braucht man für ein gutes Leben? 

Andreas Braun: Die Kärntner haben ja jetzt schon ein gutes Leben, sie haben alle Eigenschaften, die sympathisch sind. Aber wenn man künftig möchte, dass das gute Leben und auch die Verhältnisse so gut bleiben wie bisher, dann muss man alle Verhältnisse ändern.

Und wo beginnt man?

Vor dem Hintergrund der sich verändernden Verhältnisse – kärntenweit, österreichweit und weltweit – wird man vieles neu erfinden müssen. Ich meine damit Erfinden im Sinne von neuen attraktiven Verbindungen zu bereits Bestehendem schaffen, um sich so künftig besser zu präsentieren.

Alles neu erfinden, warum gibt es dann den Weg „Zurück zum Ursprung“?

Das ist eine gute Frage. Das ­Neuere, hat einmal ein Philosoph gesagt, ist eine intensivere und phantasievolle Verbindung zum Bestehenden.

Haben Sie da ein Beispiel?

Ich war einmal in der Jury von der EXPO in Mailand und habe dort für ein sehr erfolgreiches Projekt plädiert, das wir auf dem Österreich-Stand vorgestellt haben. Wir haben eine typische Assoziation zu Österreich, nämlich das Thema „Gute Luft“, neu verbunden. Dazu wurde eine gelernte mit einer überraschenden Assoziation verbunden: Wie kann man mit Hightech in Sachen Umwelt und Filtrierung Sauerstoffzellen in Städten implantieren. Das Interesse war enorm. Auch in der Tourismuswerbung sollte man gelernte Assoziation mit einer überraschenden Assoziation verbinden. 

Also gute Geschichten über Kärnten mitverpacken?

Wie erfinde ich spannende Botschaften und Geschichten neu über das Land? Selbstverständlich unter Benützung der Ingredienzien, die man schon hat. Man muss ressortübergreifend arbeiten. Viele Mountainbiker, die mit ihrem Rad Kärnten erkunden, nutzen ihr Mobiltelefon als Navigationsgerät. Dass in den Handys Chips eingebaut sind, die in Kärnten produziert wurden, das wissen aber nicht viele von ihnen.

Stichwort Slow Food – auch Kärnten ist aufgesprungen.

Ich glaube, wenn ich mich in Kärnten inhaltlich dem Slow Food anhänge und es auch so benenne, dann bin ich nicht besonders originell. Wenn ich den Inhalt von Slow Food auf Kärnten übertragen möchte, dann sollte man schon im Vokabular origineller sein.

Wie kann man heutzutage mit Tourismuswerbung beim Gast noch punkten?

Die Tourismuswerbung in Kärnten ist identisch einer Gesamtwerbung für Kärnten. Viele touristische Klischees finden sich im Konzept wieder, die sich anderswo auch finden. In der Wahrnehmung des Gastes ist Kärnten immer noch ein gemütliches und lebenswertes Land. Als Alleinstellungsmerkmal ist dies jedoch nicht ausreichend. Gemütlichkeit ist kein Mehrwert.

Vernetzung und ressortübergreifendes Handeln – Schlagwörter der Zukunft?

Es ist wichtig, dass sich der Tourismus innerhalb der unterschiedlichen Branchen vernetzt. Er sollte nicht isoliert handeln, sondern sich mit etwa der Wissenschaft, Forschung, Landwirtschaft, Indus­trie oder dem Handwerk vernetzen. Ein ständiger Wissensaustausch ist wichtig. Was wird an den umliegenden Wissenschaftsinstituten geforscht, welche Start-ups gibt es? Nur so kann man Synergien schaffen. Wer im Tourismus nicht ressortübergreifend arbeitet, verschenkt viel zu viel Energie. 

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