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Auch ein Holzweg kann zum Erfolg führen

Dass ein Holzweg zum Erfolg führen kann, beweist die  Geschichte von Klaus Reiter aus Bad Lainach im Mölltal. Er ging fort, die Welt zu entdecken und kam wieder, um seine Ideen in einem Sägewerk zu verwirklichen.

Claudia Blasi
Schnelles und präzises Arbeiten stehen im Familienbetrieb Timberra Holzsysteme an oberster Stelle –  Geschäftsführer Klaus Reiter lebt es vor, auch in seiner Freizeit als Berg- und Canyoningretter.
© Timberra Schnelles und präzises Arbeiten stehen im Familienbetrieb Timberra Holzsysteme an oberster Stelle – Geschäftsführer Klaus Reiter lebt es vor, auch in seiner Freizeit als Berg- und Canyoningretter.
Was ist extrem belastbar, beständig, aber flexibel, weich und hart zugleich? All diese Eigenschaften vereint der Rohstoff Holz in sich. Und wenn man den Firmensitz von Timberra Holzsysteme in Bad Lainach betritt, steigt einem nicht nur der unverkennbare Holzduft in die Nase, sondern man ist auch umgeben von 2000 Meter Rundholz und durchschnittlich 1000 Kubikmeter Schnittholz, die nur darauf warten, veredelt zu werden. 


Für die Umsetzung vom Rohstoff hin zum innovativen Produkt ist Klaus Reiter verantwortlich. Er führt das Unternehmen seit 1996 in vierter Generation. Der Weg, den der gelernte Tischler davor einschlug, war ein anderer. Ein Studium zum Exportkaufmann und Auslandsaufenthalte von Amerika bis Australien sollten für ihn richtungsweisend sein. Als sein Bruder, der den Betrieb leitete, 1996 bei einem Unfall tödlich verunglückte, stand die Frage im Raum, wie es mit dem Sägewerk weitergehen sollte. Reiter stellte sich der Aufgabe, formte aus dem Familienbetrieb ein Sägewerk mit Alleinstellungsmerkmal. Lange bevor es zum Trend wurde, setzte er auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Fortan wurde ausschließlich Holz aus der Umgebung verarbeitet und nur zu speziellen Mondphasen gefällt. 

„Die reine Holzverarbeitung war mir aber zu wenig, ich wollte etwas gestalten“, erzählt der Firmenchef rückblickend. Daraus erwuchs 2009 Timberra Holzsysteme, ein Tochterunternehmen mit einer vielfältigen Produktpalette, von Hochbeeten über Terrassenböden bis hin zu Naturpools. Die Naturpools haben sich mittlerweile als das Zugpferd des Betriebes herauskristallisiert. Das Vollholz der heimischen Weißtanne kommt dabei im patentierten Schwalbenschwanz-Verbundsystem zum Einsatz – ganz ohne Schrauben und Leim. Im Wasser quillt das Holz auf und wird somit in sich stabil. Dank eines ausgeklügelten und ebenfalls patentierten Filtersystems ist das Wasser frei von Chemie. Von der Planung, Umsetzung über die Montage bis hin zur Fertigstellung wird alles aus einer Hand abgewickelt. Und das Besondere: „Obwohl jeder Pool wie bei einem Baukastensystem aus den gleichen Teilen besteht, die im eigenen Sägewerk industriell erzeugt werden, ist jedes Projekt vollkommen individuell.“ 
Der Preis für das naturnahe Erlebnis startet bei rund 50.000 Euro. Die Zielgruppe kommt dementsprechend aus der oberen Einkommensschicht – der Exportanteil beträgt über 50 Prozent.

Als prominente Kunden dürfen etwa Corinna und Michael Schumacher genannt werden, die sich auf ihrem Anwesen in Genf einen Pool aus dem Hause Reiter bauen ließen. Generell steigt die Nachfrage nach Naturpools, auch aufgrund der Corona-Pandemie. Der eigene Garten wurde zur Urlaubsdestination Nummer eins. Vom Angebot bis zum Sprung ins kühle Nass sind normalerweise zwei Monate einzuplanen. Aktuell hält der Zeitplan jedoch nicht. „Unsere Auftragsbücher sind voll“, ist der Holzliebhaber erfreut. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sind dank der regionalen Verwurzelung kaum spürbar. „Die Preise bei Pumpen, Folie und Kies sind gestiegen, aber wir vertrauen auf unsere langjährigen Lieferanten und es kam nie zu Engpässen.“ 

Demgegenüber stehen mangelnde Fachkräfte. Um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, wird viel getüftelt: „Wir sind gerade auf der Suche nach einem passenden Arbeitszeitmodell. Wenn die Qualität passt, ist eine kurze und eine lange Woche oder für die Monteure eine Vier-Tage-Woche möglich.“ Für Reiter selbst ist die 80-Stunden-Plus-Woche der Normalfall. Man müsse viel Herzblut investieren, um einen gesunden Betrieb zu übergeben. Dem 18-jährigen Sohn Jonas steht die Entscheidung dann offen, ob er auch den bewährten Holzweg beschreiten möchte.


Dieser Artikel erschien in Ausgabe 9 der "Kärntner Wirtschaft". 

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