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Arbeiter=Angestellte: Gewerbe warnt vor Husch-Pfusch

Diskussion trifft die Branche in einer Phase „leichter Zuversicht“, vermelden Spartenobmann Kronlechner und KMU-Forscher Bornett. Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse.

© WKK/STUDIOHORST Baumeister Karl Glanznig, WK-Spartenobmann Klaus Kronlechner und Walter Bornett von der KMU Forschung Austria zeigten sich über das leichte Stimmungshoch erfreut, sind aber ob des Fachkräftemangels besorgt

Keine grundsätzliche Ablehnung, aber eine eindringliche Warnung vor einer „Husch-Pfusch-Aktion“: Das ist die Botschaft der Sparte Gewerbe und Handwerk in Kärnten zu den Plänen, noch vor der Nationalratswahl eine Angleichung von Arbeitern und Angestellten im Nationalrat durchzupeitschen. „Das würde vor allem im Bau- und Baunebengewerbe, aber auch im Tourismus dramatische Folgen haben“, warnte heute Spartenobmann Klaus Kronlechner in einem Pressegespräch.  

„Größte Besorgnis“ gibt es in der Baubranche: „Wir arbeiten im Freien und können doch nicht im Mai unsere Mitarbeiter kündigen, damit wir sie vielleicht im Oktober freisetzen können“, erklärte Baumeister Karl Glanznig. Österreichweit würde das zusätzliche Kosten von etwa 150 Millionen Euro bedeuten: „Die Baufirmen können das sicher nicht tragen und müssen das über die Stundenkosten an ihre Kunden weitergeben. Wir stehen zu einer mittelfristigen Angleichung, aber das ist völlig unausgegoren.“ 

Das sieht auch Kronlechner so: „Im 21. Jahrhundert hat die bestehende Differenzierung ausgedient, aber die Anpassung muss sozialpartnerschaftlich entsprechend vorbereitet werden. Nur weil die Damen und Herren, die noch nie Löhne gezahlt haben, kurz vor der Wahl in Geberlaune sind, soll eine ganze Branche in kaum vorhersehbarem Maß belastet werden?“

Leichtes Stimmungshoch

Diese Debatte trifft das Kärntner Gewerbe mitten in einem leichten konjunkturellen Aufschwung. Die Stimmungslage verbessert sich - immerhin meldeten 22 Prozent der Betriebe eine gute Geschäftslage. Generell ist die Stimmung gut und das Kärntner Gewerbe nähert sich wieder dem ebenfalls positiven Österreichschnitt an. Für den Zeitraum von Juni bis September 2017 meldeten nur mehr 10% (im Vorjahr waren es 30%) eine schlechte Beurteilung der Geschäftslage. Erfreulich ist der Zuwachs in den investitionsnahen Branchen um 5,8%, auch die konsumnahen Branchen melden leichte Umsatzzuwächse und dürften den Rückgang des Vorjahres überwunden haben. Professor Walter Bornett von der KMU Forschung Austria: „Als Optimist sehe ich das Glas halbvoll, beim Saldo der Erwartungshaltung für das vierte Quartal – 17 Prozent schlechter, neun Prozent besser – bin ich schon nicht mehr ganz so zuversichtlich.“ 

Nach eigenen Eindrücken geht Spartenobmann Kronlechner von 25 bis 30 Prozent der Unternehmen aus, die derzeit volle Auftragsbücher hätten; der Mittelstand habe noch Kapazitäten, ein Drittel laviere sich immer noch durch. Konkret nannte Kronlechner, der ein Kältetechnikunternehmen leitet, den Exportschub der Industrie und den Tourismus als Konjunkturmotoren: Hier sei viel in Qualität investiert worden. Der private Sektor sei hingegen rückläufig, wofür Kronlechner auch das Auslaufen des Handwerkerbonus verantwortlich macht: „Davon haben vor allem die Bereiche Sanierung und Raumausstattung profitiert. Ich hoffe darauf, dass die nächste Bundesregierung eine Fortsetzung beschließt.“ Auch Bornett unterstrich, dass es zwar Fördermöglichkeiten für größere Unternehmen, wie etwa die Investitionszuwachsprämie, geben müsse; der Schlüssel für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort liege allerdings im Zusammenspiel von Groß-, Mittel- und Kleinbetrieben: „Eine Forschungsprämie ist für die Großen sinnvoll, aber es braucht parallel dazu auch Anreize für die Kleinen wie den Handwerkerbonus oder die vorzeitige Abschreibung. Das hat früher der Steuerberater mitgemacht.“ 

Fachkräfte werden gesucht

Als Wachstumsbremse der Zukunft bezeichnete Kronlechner den zunehmenden Fachkräftemangel. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass mehr als die Hälfte der mit 18.000 Mitgliedern bei weitem stärksten Sparte der Kärntner Wirtschaft bereits Ein-Personen-Unternehmen seien: „Uns gehen die Dienstgeber- und damit die Ausbildungsbetriebe ab.“


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