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„Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben“

Trendforscher Franz Kühmayer fordert einen Perspektivenwechsel ein: In schwierigen Zeiten soll man die zukünftigen Chancen sehen – und sich von den Sorgen der Gegenwart nicht bremsen lassen.

Angelika Dobernig
„Zögern verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Klein- und Mittelunternehmen“, warnt Trendforscher Franz Kühmayer.
© KK „Zögern verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Klein- und Mittelunternehmen“, warnt Trendforscher Franz Kühmayer.
„Kärntner Wirtschaft“: Sie wollen Unternehmen Mut machen. Wofür brauchen ­
sie denn Mut?

Franz Kühmayer: Ich übersetze das Wort Mut gern mit dem „Zug nach vorne“. Ich meine damit Tatkraft, die gerade in Zeiten wie diesen gefragt ist.

In welchen Zeiten leben wir?

Es sind herausfordernde Zeiten. Momentan gibt es keinen Mangel an Krisen: Es gibt die Digitalisierungskrise, die Migrationskrise, die Umwelt- und Energiekrise. Wir haben also jede Menge schwierige Situationen zu meis-tern. Dieses Außenbild trübt die Stimmung, und das hat leider auch negative Auswirkungen auf die Unternehmensführung.

Welche negativen Auswirkungen sind das?

Die Stimmung ist gedämpft, viele Betriebe warten ab. Aber in schwierigen Zeiten zeigt sich der Unternehmersinn. Die Betriebe, die sich jetzt den Herausforderungen der Zukunft stellen, werden
zu den Gewinnern zählen. Wer es nicht tut, eben nicht. Denn wie sagt man: Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.

Was genau sollten Unternehmer jetzt tun?

Sie sollten sich hinsetzen und fragen: Was bedeutet die Digitalisierung für mein Unternehmen? Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch für mich? Natürlich können Betriebe die Zukunft auch auf sich zukommen lassen, aber so verpasst man vielleicht auch seine Chancen. For-dernde Zeiten sind auch ­immer ein fruchtbarer Boden für neue Ideen. Dafür braucht man aber Mut.

Warum mangelt es an Mut?

Wir wissen momentan nicht, was auf uns zukommt. Deshalb sind Unsicherheiten auch nachvollziehbar. Wir spüren, dass wir in Zeiten des starken Wandels sind. Doch wir wissen noch nicht so recht, was sich ändern wird. Viele fragen sich: Werden uns Roboter künftig die Arbeit wegnehmen? Ich sage: Das kann sein. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht.


Was könnte daran gut sein?
Man kann diese Entwicklung positiv sehen: Wenn Roboter einfache Tätigkeiten für uns übernehmen, haben wir mehr Zeit für anderes. Es geht darum, die Perspektive zu wechseln.

Vor allem, wenn es um die Digitalisierung geht?
Genau. Hier gibt es großen Aufholbedarf, denn es klafft eine große digitale Schere auf: Da sind einerseits Konzerne, die sich mit dem Thema beschäftigen. Andererseits sieht man viele kleine Start-ups, die in dem Bereich unterwegs sind. Die Klein- und Mittelunternehmen bleiben über. Das ist eine gefährliche Sache.

Was ist daran gefährlich?
Der Mittelstand ist die tragende  Säule der österreichischen Wirtschaft. Dieses Zögern verschlechtert ihre Wettbewerbsfähigkeit. Hier müsste es dringend ein Umdenken geben. Es gibt meiner Meinung nach auch keinen Grund für zögerliches Verhalten. Unsere Klein- und Mittelunternehmen können durch die Digitalisierung noch viel stärker profitieren als Konzerne.

Wo liegen die Chancen für Klein- und Mittelunternehmen?

Die Karten werden durch die Digitalisierung neu gemischt. Früher war das Spielfeld schräg: Die Großen haben von oben nach unten gespielt. Die Digitalisierung hat das Feld jetzt gerade gemacht. Die Kleinen können heute dort mitspielen, wo vorher nur die Großen waren. Diese Chance sollten die Betriebe nutzen.

Dieses Interview erschien in Ausgabe 39, der "Kärntner Wirtschaft".

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