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„Wir sind keine Wertschöpfungsmaschinen“

Digitalisierung bringt viele Chancen. Gleichzeitig werden diese aber auch begleitet von mächtigen Interessen, die neue Technologien für andere Zwecke nutzen wollen. Globalisierungsexperte und Informatik-Professor Franz Josef Radermacher spricht Herausforderungen aktueller Entwicklungen an und weist auf gesellschaftliche Fragen hin.

Anita Arneitz

Franz Josef Radermacher gilt als einer der renommiertesten Experten für Globalisierung und nachhaltige Entwicklung.
© Anita Arneitz Franz Josef Radermacher gilt als einer der renommiertesten Experten für Globalisierung und nachhaltige Entwicklung.

„Kärntner Wirtschaft“: Die Zukunft ist von digitalen Maschinen geprägt. Was kommt da noch auf uns zu?

Franz Josef Radermacher: Die Dinge entwickeln sich in einer enormen Klarheit und Einfachheit. Im Raum steht zum Beispiel die Frage, ob es eine künstliche Intelligenz geben wird. Diese Frage ist nach wie vor nicht beantwortet. Denn alles, was wir heute haben, ist keine Intelligenz in dem Sinne, wie wir menschliche Intelligenz kennen. Da ist die Maschine noch immer sehr weit davon entfernt.

Dennoch fühlen sich viele durch die Digitalisierung überfordert ... 

Digitalisierung ist eigentlich nichts Neues. Der Prozess läuft seit Jahrzehnten. Letztlich geht es darum, dass wir in immer mehr Kontexten auf Rechner zurückgreifen und mehr Aufgaben auf Maschinen verlagern können. Dafür ist in der Regel keine hohe Intelligenz nötig. Das heißt, das sind überschaubare Prozeduren. Aber das Wichtigste ist, dass man überhaupt die Daten hat – und zwar die richtigen Informationen zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Wenn man das gut organisiert, kann man daraus wirtschaftliche Vorteile erschließen. Und wenn man das nicht tut und andere das tun, dann hat man eben Nachteile. Damit müssen sich Unternehmen heute auseinandersetzen.

Arbeitsplätze verändern sich oder fallen weg ...

Viele Arbeitsplätze sind intellektuell nicht übermäßig anspruchsvoll. Selbst in der Beratung oder Medizin kann eine Maschine Standardprozesse übernehmen. Und wenn die Maschine das übernimmt, dann ist ein Mensch seinen Arbeitsplatz los. Das war immer so. Die Frage ist, ob das jetzt mehr wird als früher, ob es neue Abeitsplätze geben wird oder nicht und wie es letztendlich mit dem Steuer­aufkommen und dem Aufkommen für die Sozialkassen aussehen wird. Wenn es weniger Arbeit für die Menschen gibt oder die Lohnquote der Gesellschaft sinkt, dann muss man überlegen, ob man die Einnahmen von woanders her bekommt, zum Beispiel indem man die entsprechenden technischen Systeme besteuert. Das sind die gesellschaftlichen Fragen, die im Raum stehen. 

Wo sehen Sie noch Herausforderungen?

Die jetzigen Systeme erlauben zum Beispiel den Chinesen, sich in Richtung eines Ameisenstaates zu entwickeln. Mit ihrem Social-Credit-Point-System wird alles überwacht, alles bewertet. Das heißt, man diszipliniert ein ganzes Volk und steigert dadurch möglicherweise die ökonomische Leis­tungsfähigkeit enorm. Früher wäre das nicht gegangen, weil es viel zu teuer gewesen wäre, alle Leute zu überwachen. Heute sind die Möglichkeiten anders und das verändert die Welt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Mir ist besonders wichtig, dass wir alles tun, um unsere Gesellschaft zu verteidigen. Wir leben in Europa an der besten Stelle der Welt. Wir haben ökologisch sozial regulierte Marktwirtschaften. Wir versuchen, den Menschen nach wie vor sehr viel Freiheit zu ermöglichen. Und wir erlauben auch sehr viel Unsinn, weil Unsinn das Leben schön machen kann. Wir wollen nicht um jeden Preis nur effizient sein. Wir sind nicht als Wertschöpfungsmaschinen auf die Welt gekommen. Und ich möchte, dass wir versuchen, so viel wie möglich von Europa und seinen Werten sowie Prinzipien zu erhalten.

Die gesamte Geschichte lesen Sie in Ausgabe 14 der "Kärntner Wirtschaft".

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