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„Transporteure sind Nahversorger Nummer eins“

Bei Gerhard Eschig, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr läuft, fährt, fliegt und schwimmt alles zusammen, was sich in Kärnten bewegt. Mit uns spricht der studierte Wirtschaftswissenschaftler und Hundebesitzer über fragwürdige Geschwindigkeitsbegrenzungen, das Nahversorgernetzwerk und die Vorfreude auf den Wanderherbst.

Gerhard Eschig Geschäftsführer Transport Verkehr
© WKK

Unternehmerpost: Die Sparte Transport und Verkehr ist ständig in Bewegung – wortwörtlich und auch im übertragenen Sinn. Wie kommen Ihre Mitgliedsbetriebe voran? 

Gerhard Eschig: In unserer Sparte fassen wir Autobus-, Luftfahrt- und Schifffahrtunternehmungen, Beförderungsgewerbe, Fahrschulen, Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen, Güterbeförderer, Schienenbahnen, Seilbahnen sowie Spediteure und Logistiker zusammen. Unsere Unternehmer sind sehr umtriebig und entwickeln sich stets weiter. Größte Gruppe in der Sparte sind die Taxi-Mietwagenunternehmer und Güterbeförderer. Gerade in dieser Branche tut sich extrem viel. Erst kürzlich hatten wir mit politischen Vorstößen, wie etwa dem Rückbau der B70 oder dem 60er für Lkw auf der A2 zu kämpfen. 

Sie haben die Transporteure bereits angesprochen. Sie sind wichtiges Bindeglied der Wirtschaft. Mit welchen Themen haben es die Betriebe zu tun? 

In ganz Österreich haben wir eine große Problematik – das sind die Fahrzeuge aus dem Ausland. Zahlreiche Verlader vergeben ihre Aufträge an billigere Transporteure, um einige Euros zu sparen. Hierbei handelt es sich um Kabotage und in diesem Fall müssen die ausländischen Betriebe sich an unsere Gesetze halten. Viel zu oft passiert aber gerade das nicht. Dann befinden wir uns wieder bei der Thematik Lohndumping. Der zweite große Problembereich für Transporteure sind die Fahrverbote. Gerade im ländlichen Raum bereiten diese Verbote enorme Schwierigkeiten. Hier sind wir bereits mit der Kärntner Landesregierung in der Evaluierungsphase, um die Sinnhaftigkeit dieser Sperren zu überprüfen. Immerhin ist der Transporteur der Nahversorger Nummer eins. Unsere Unternehmer bringen in abgelegene Täler Lebensmittel oder Medikamente. Ohne Lkw würden Gastronomiebetriebe, Händler und die Industrie ebenfalls nicht versorgt werden. 

In den letzten Wochen hat der Vorstoß, dass ein Streckenabschnitt auf der A2 von Tempo 130 auf Tempo 100 für Pkw und für Lkw sogar auf Tempo 60 reduziert werden soll, für Diskussion gesorgt. Gerade in Ihrer Sparte erhitzte dieser Vorschlag die Gemüter. Wo sehen Sie die Probleme? 

Den Vorwand, den Lärm durch die verringerte Geschwindigkeit zu reduzieren, lasse ich nicht gelten. Der Wert ist marginal und außerdem verlängert sich durch mehr Fahrminuten der Lärm. 95 Prozent der Kärntner Transporteure fahren mit Euro6-Fahrzeugen. Diese befinden sich am neuesten Stand der Technik und sind sehr sauber. Als weiteren Punkt möchte ich noch das Gefahrenpotenzial nennen. Diese „Schnecken-Lkw“ gefährden sich nicht nur gegenseitig, sondern auch Pkw-Fahrer. Ein Lkw, der auf Tempo 60 runterbremst, und das muss nicht einmal abrupt geschehen, ist für einen Pkw, der mit Tempo 100, 130 oder gar mehr daherkommt wie eine Wand. Da bleibt nicht viel über. 

Wie sieht es mit dem Berufsnachwuchs in Ihrer Sparte aus? 

Die Spediteure bilden die meisten Lehrlinge aus. In Mitterndorf gibt es für Spediteure eine eigene Berufsfachschule und auch die Lehrlingswettbewerbe finden immer mehr Anklang in der Branche. Einige junge Menschen entscheiden sich erst nach der Matura für den Spediteursberuf - dabei profitieren sie von einer kürzeren Lehrzeit. In diesem Berufsfeld ist das Thema Digitalisierung enorm wichtig, daher sind in unseren Betriebe junge Digital-Natives sehr beliebt und die Jobchancen sind ausgezeichnet. Nicht ganz so stark nachgefragt, aber mit Sicherheit nicht minder interessant ist der Beruf des Seilbahntechnikers. Die Lehrlinge besuchen eine Schule in Salzburg, die sogar mit einer eigenen Seilbahnanlage aufwarten kann.  

Bis zum Winter dauert es noch ein bisschen. Die Kärntner Seilbahnwirtschaft steht dennoch nicht still. Welche Rolle spielen Wanderer für die Branche?

Mittlerweile eine sehr große. Unsere Betriebe freuen sich auf einen schönen Wanderherbst. Aber auch der Bergsommer ist für die Seilbahnen wichtig. Wir liegen hier bereits bei zweistelligen Zuwachsraten und es wird immer mehr. Dennoch ist der Winter das Hauptgeschäft und da entwickelt sich Kärnten weiter. Zwischen den Schigebieten herrscht ein faires Miteinander. Gerade die kleinen Hänge sind für Familien ideal, um die ersten Schwünge im Schnee zu machen. Die Seilbahnwirtschaft forciert den Wintersport und bringt tausende Kinder zu günstigen Kosten bei Schulschikursen und dem „Erlebnistag im Schnee“ auf die Pisten. Für die Wertschöpfung sind Seilbahnbetriebe übrigens sehr bedeutend. Jeder von Seilbahnen erwirtschaftete Euro vervielfältigt sich in der Region durch Einkäufe, Essen und Übernachtungen. 

Kommen wir zum Abschluss noch zu dem spannenden Bereich Luft- und Schifffahrt. Kärnten liegt weder am Meer oder der Donau, noch verfügen wir über große Flughäfen. Wie macht sich diese Branche bei uns? 

Es mag für manche überraschend sein, aber sie macht sich überaus gut. Die Seeschifffahrt ist im Sommer für Touristen nicht wegzudenken. An jedem großen See gibt es Linien- und Bedarfsschiffe und auch der Fun-Faktor, etwa durch Wasserschibooten, kommt nicht zu kurz. Der Klagenfurter Flughafen steht zwar ständig in der Kritik, doch in der Luft sind wir stark aufgestellt. Wir haben etwa einen österreichweit tätigen Unternehmer, der mit seinen Flugzeugen bei Gewitter Hagelwolken abfängt. Auch Bedarfsflug- und Rettungsflugunternehmen sind in  Kärnten beheimatet und für die Wirtschaft von großer Bedeutung.

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