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„Preise sollten ökologische Wahrheit sagen“

Wirtschaftswissenschaftler Fred Luks sieht große Veränderungen auf uns zukommen. Das Motto lautet: mehr Hausverstand und Konzentration auf schöne Dinge.

Angelika Dobernig
„Alles, was uns ausmacht, wird sich fundamental ändern“, sagt Nachhaltigkeitsexperte Fred Luks.
© KK/Nick Albert „Alles, was uns ausmacht, wird sich fundamental ändern“, sagt Nachhaltigkeitsexperte Fred Luks.
„Kärntner Wirtschaft“: Alle reden von Nachhaltigkeit.  Was steckt dahinter?
Fred Luks: Genau da liegt das Problem: Niemand weiß mehr genau, was Nachhaltigkeit eigentlich ist. Fast alles ist heute nachhaltig: Haarshampoo ebenso wie Autos mit Verbrennungsmotoren.

Also keine Nachhaltigkeit mehr?

Doch, aber man sollte das Wort sparsam verwenden. Ich spreche gern von der Balance zwischen Umwelt, Sozialem und Wirtschaft. Das ist es, worum es bei der Nachhaltigkeit eigentlich geht. Wichtig ist auch die Transformation.

Transformation steht wofür?
Für Veränderung. Nachhaltigkeit braucht kleine Schritte, aber am Ende muss die große Transformation herauskommen. Das bedeutet, vieles, was uns normal erscheint, wird sich ändern. Von der Art, wie wir uns fortbewegen, bis zur Ernährung. Ändert es sich nicht fundamental, dann werden wir keine Nachhaltigkeit erzielen.

Was sollten wir ändern?
Man muss zwei Dinge unterscheiden: die erzwungenen und die gestalteten Veränderungen. Natürlich wird sich durch den Klimawandel vieles massiv verändern, da werden wir gar keine andere Wahl haben. Die Frage lautet: Wollen wir das alles auf uns zukommen lassen oder den Wandel aktiv gestalten?

Sind die Menschen für diese Veränderungen bereit?
Momentan ist der Klimawandel ein Hype-Thema, und das finde ich auch gut. In zwei Jahren wird das aber wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein – wie bei allen anderen Hype-Themen zuvor. Ich hoffe, dass es dann nicht in Vergessenheit gerät. Aber uns stehen so oder so große Veränderungen bevor.

Was kann der Einzelne für mehr Nachhaltigkeit tun?

Indem man mehr auf sich achtet, lebt man automatisch nachhaltiger. Dann isst man weniger Fleisch, fährt mehr mit dem Rad als mit dem Auto und achtet beim Einkaufen darauf, woher die Produkte stammen. Das ist eine große Chance für Kärntens Tourismus.

Wie könnte der Tourismus profitieren?

Ich fahre drei bis vier Mal im Jahr nach Kärnten. Nicht wegen der Nachhaltigkeit, sondern weil ich gern hierher komme.  Schönheit ist ein wichtiges Argument. Die Menschen lieben schöne Dinge, das ist auch wesentlich motivierender als ein Katastrophenszenario. Das Positive statt dem Negativen hervorzuheben ist eine gute Strategie für Nachhaltigkeit. Noch dazu ist Kärnten gut ohne Auto erreichbar. Davon wird man auf jeden Fall profitieren.

Inwiefern?
Derzeit zahlt man für einen Flug von Wien nach Barcelona weniger als für eine Zugfahrt nach Velden. Das wird nicht mehr lange funktionieren. Schon der Hausverstand sagt einem, dass da etwas nicht stimmen kann. Die Nähe wird schon bald ein wichtiges Argument für einen Kärnten-Urlaub sein. Denn die Rahmenbedingungen werden sich ändern müssen.

Warum müssen sich die Rahmenbedingungen ändern?
Die Preise sollten die ökologische Wahrheit sagen. Wir brauchen nicht alle möglichen Verbote und Einschränkungen, sondern vernünftige Rahmenbedingungen. Kurz gesagt: Ressourcen sollten teurer, Arbeit billiger werden. Dafür müssen wir uns auch kritisch ansehen, welche Dinge heute gefördert werden. Da gibt es viel Verbesserungspotenzial.

Welches zum Beispiel?

Es fließt viel Geld in Dinge, die keine Zukunft haben. Hier muss

es ein Umdenken geben. Das ist keine Öko-Idee, sondern eine marktwirtschaftliche Notwendigkeit. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, ist es für Unternehmen und den Einzelnen schwierig, das Richtige zu tun.

Dieses Interview erschien in Ausgabe 43 der "Kärntner Wirtschaft."

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