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„Personality darf nicht verloren gehen“

Georg Lamp, Geschäftsführer der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer, hat den Überblick über die mitgliederstärkste Sparte in Kärnten. Von Konditoren über Personenbetreuer bis hin zu Baumeistern, der gelernte Jurist und Hobbysportler schafft es, den gesamtheitlichen Überblick über seine 17.000  Mitglieder zu behalten. Mit uns spricht er über Qualität und Qualifikation, digitalen Fortschritt und er verrät uns, warum seiner Meinung nach Wissen innerhalb einer kürzeren Zeit sogar verloren gehen kann.

Georg Lamp Geschäftsführer der Sparte Gewerbe und Handwerk
© WKK

Unternehmerpost: Gewerbe und Handwerk im Jahr 2017. Wo steht Ihre Sparte, wie fit sind Ihre Mitgliedbetriebe in Sachen Digitalisierung?

Georg Lamp: Digitalisierung betrifft uns ja alle - sowohl privat als auch beruflich. Davor können sich auch Gewerbe- und Handwerksbetriebe nicht verschließen. In unseren Branchen herrschen aber große Unterschiede. Nehmen wir das Beispiel der Friseure: In einigen Salons kann man schon online einen Termin ausmachen, aber einen feschen Haarschnitt schafft Gott sei Dank noch kein Computer. Hoffentlich bleibt das auch noch lange so. Im verarbeitenden Gewerbe schreitet die Digitalisierung teilweise schneller an als es uns liebt ist. Immerhin sind die neuen Maschinen, bei deren Genauigkeit kein Mensch mithalten kann, sehr teuer. Wenn diese Anschaffung allerdings möglich ist, kann etwa ein Tischler sein Angebot verbessern und erweitern. Aber diese hohen Beträge muss man eben erst einmal investieren können. Als Wirtschaftskammer stehen wir unseren Unternehmern mit Rat und Tat zur Seite, dennoch muss noch mehr ermöglicht werden. Speziell bei der Infrastruktur, wie etwa einem flächendeckenden Glasfasernetz, muss von Seiten der Politik noch mehr getan werden.  

Können Maschinen persönliche Dienstleistungen ersetzen?

Das denke ich nicht. Gerade in unseren Branchen sind wir noch weit weg von vernetzten Maschinen, die gleich komplex Denken können wie wir Menschen. Klar, Maschinen können uns helfen präziser zu arbeiten, können uns diverse Arbeitsschritte abnehmen, um effizienter zu werden, aber eine handwerkliche Leistung mit persönlicher Beratung kann nicht so leicht ersetzt werden. Für einen Handwerksbetrieb ist Persönlichkeit und Kommunikation mit dem Kunden enorm wichtig. Diese Personality, die teilweise mühevoll über Jahre erarbeitet wurde, darf nicht verloren geht. 

Eine Angelegenheit hat sie die letzten Monate bestimmt besonders beschäftigt und ist vielleicht auch schon ein Reizthema – die Gewerbeordnungsreform. Wie stehen Sie zum Beschluss im Nationalrat?

Ich bin froh, dass es vor den Wahlen noch zu einer Einigung gekommen ist. Das Bekenntnis zu Qualifikation und Qualität ist aus meiner Sicht die wichtigste Errungenschaft. Alles andere wäre kontraproduktiv gewesen. Eine Abschaffung von reglementierten Gewerben, hätte unsere Lehrlings- und Meisterausbildung in die Bedeutungslosigkeit gestürzt – vielleicht nicht heute, vielleicht auch nicht morgen, aber die Qualität unserer Betriebe hätte über kurz oder lang massiv gelitten. 

Sie haben die Bedeutung der Lehre bereits angesprochen. Welches Gewicht hat für Sie die Meisterprüfung?

Der Meister ist das Qualitätsmerkmal für unsere duale Ausbildung. Nicht selten wird die Meisterausbildung auch nach einer HTL-Matura angehängt. Das zeigt vor allem eines: Ohne Praxis geht es nicht! Während der dualen Ausbildung ist der Berufsanwärter dauerhaft in der Praxis – meiner Ansicht nach, kann man diese Erfahrungen in keinem Unterricht lehren. Und die steigende Zahl der jungen Menschen, die nach der Schule oder dem Studium noch eine duale Ausbildung anhängen, gibt uns Recht. Die Zeit, in der nur Studien angesehen sind, ist vorbei. Gerade in der boomenden Start-up-Szene, die stark im technischen Bereich verankert ist, sind gut ausgebildete Fachkräfte mit viel Praxiserfahrung gefragt. Eine solide Ausbildung von der Pike auf hat noch niemanden geschadet. Dürfte jeder alles machen – auch ohne Wissen oder ohne Erfahrung – hätten wir einen undurchsichtigen und leider auch unqualifizierten Haufen. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch und unterstütze Gedanken, die festgefahrene Systeme aufschnüren, aber wenn Qualität und Profession darunter leiden, kann das nicht die Zukunftsmusik sein. 

Was hätte eine grundlegende Liberalisierung der Gewerbescheine aus Ihrer Sicht verursacht? 

Wissensverlust. In unseren Betrieben findet die Ausbildung statt. Dort wird gelehrt und gelernt und eben Wissen vermittelt, welches in keinem Buch steht. Wenn es keine Meisterausbildung mehr gibt, dann können wir auch die Ausbildung unserer Jugend vergessen. Ich bin davon überzeugt, dass ohne Berufsausbildung das umfassende Wissen in einem Beruf innerhalb einer Generation weg ist. 

In den Gewerbe- und Handwerksbetrieben werden die meisten Lehrlinge ausgebildet. Ist es schwer Berufsnachwuchs zu finden, wie ist die Rückmeldung der Unternehmer? 

Bei den Modeberufen haben wir keine Probleme, aber insgesamt werden in Österreich 150 verschiedene Lehrberufe angeboten, da sind dann doch schon sehr viele dabei, die auszusterben drohen. Dabei sind genau diese Berufe zum Teil äußerst lukrativ und vielversprechend. Beispielsweise hat man als Zimmerer oder Maurer sehr gute Berufsaussichten und wird hervorragend bezahlt. Die Arbeit ist zwar körperlich anstrengend, aber gerade in jungen Jahren sollte das kein Hindernis darstellen. Generell ist zu sagen, dass je weniger Lehrlingskandidaten sich für einen Job interessieren, desto besser sind die Aussichten. Speziell in den reglementierten Gewerben hat man wirklich gute Chancen. Trauriger zeichnet sich das Bild in den freien Gewerben. Beispielsweise bei den Fotografen. Ein äußerst interessanter Beruf, den derzeit sehr viele Jugendliche ausüben möchten, aber uns fehlen seit der Öffnung die Ausbildungsbetriebe. Aktuell Es gibt es in Kärnten insgesamt nur vier Fotografenlehrlinge. Das ist erschreckend. Es herrscht ein enormer Preiskampf und damit auch starke Verunsicherung in der Qualität. Man muss sich auf einen Fotografen verlassen können und auch auf seine Qualifikation vertrauen können. Immerhin lässt sich ein feierlicher Hochzeitstag nicht einfach nachstellen, wenn die Fotos nicht passen. Und da kommt genau das vorhin erwähnte Wissen zum Tragen. Wenn das Wissen über den richtigen Umgang mit Mensch und Kamera fehlt, dann kann man einfach nicht mithalten.  

In Ihrer Sparte werden etwa 17.000 Unternehmer betreut. Wie behält man da den Durchblick? 

Für mich persönlich ist vernetztes Denken das Um und Auf. Die Aufgaben und Probleme der Mitglieder wiederholen sich in den einzelnen Fachgruppen natürlich. Öffentlichkeitsarbeit, Lehrlinge, Ausbildung, Normen, Qualitätsmerkmale und politische Anliegen sind dabei die Kernthemen. Wir sind in der Sparte Gewerbe und Handwerk ein starkes Team mit hoher Expertise, aber ohne unsere Kollegen in den entsprechenden Fachabteilung ist eine umfassende Betreuung unserer Mitglieder nicht möglich. Immerhin hat ein Bäcker andere Punkte auf seiner Agenda als ein Baumeister – und inhaltlich ist das durchaus sehr fordernd. Daher ist es für mich wichtig, dass bei die Zahnräder ineinandergreifen und wir alle uns auch immer den Blick über den Tellerrand bewahren.

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