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"Nicht die Zahlen zählen, sondern die Qualität"

Die Vielfalt der Optionen und das enorme Tempo können von der Welt und sich selbst entfremden. Welche Strategien dagegen helfen, verrät Philosoph und Markenstratege Martin Liebmann.

Anita Arneitz
Martin Liebmann sieht den Schlüssel zur Zukunft und neuen Denkmustern im reflektierten Umgang mit der Zeit.
© KK/Sabine Fritz Martin Liebmann sieht den Schlüssel zur Zukunft und neuen Denkmustern im reflektierten Umgang mit der Zeit.
„Kärntner Wirtschaft“: Das Leben scheint immer schneller zu werden. Warum?
Martin Liebmann: Dafür gibt es vier Gründe: Erstens ist unser Leben endlich. Irgendwann sterben wir und deshalb haben wir tendenziell das Gefühl, dass wir viel versäumen. Zweitens ermöglichen uns die technischen Innovationen mehr. Wir können mehr reisen, produzieren, konsumieren und kommunizieren. Und wenn wir das nicht tun, haben wir wieder das Gefühl, wir verpassen etwas. Wir haben so viele Möglichkeiten und machen uns selbst vor, dass uns die Wahrnehmung dieser glücklich machen würde. Tut es aber nicht. Nicht die Zahl zählt, sondern die Qualität.

Die anderen Gründe sind?

Drittens ist es der Wettbewerb, der in alle Lebensbereiche eingedrungen ist. Der vierte Grund ist, dass wir uns immer weniger auf die Erfahrungen, die wir gemacht haben, verlassen können. Die Zeiträume, in denen wir unsere Erwartungen auf unser Leben beziehen können, werden auch immer kürzer. All das lässt uns die Gegenwart schneller empfinden. Diese Kerngründe verstärken sich gegenseitig und wirken wie ein Zeitstrudel.

War es denn früher besser?

Früher war nicht alles besser. Wir leben in der Gegenwart. Jetzt und hier sollte es darum gehen, eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. Das Leben ist vielfältig und widersprüchlich. Um herauszufinden, wo wir hin wollen, müssen wir uns
Zeit nehmen. Der Blick zurück kann helfen, wenn wir ihn für Analysen nützen, aber sich nur auf die Vergangenheit zu beziehen, ist ein Irrweg. Das Leben geht weiter.

Wo liegt der Unterschied zwischen einem gefüllten und erfüllten Leben?
Wenn ich auf mein Leben blicke, habe ich vieles erlebt. Aber das heißt noch lange nicht, dass mich diese Sachen erfüllt haben. Aber es kann mich glücklich machen, wenn ich mich auf einige wenige Dinge im Leben fokussiere, die mir wirklich wichtig sind. Es macht eben einen riesigen Unterschied, ob ich mein Leben erfüllt lebe oder ob ich es nur mit irgendetwas auffülle.


Wie entkommen Sie in Ihrem Business der Beschleunigung der Zeit?

Indem ich mit meinen Kunden über Ressourcen spreche. Dabei fallen Fragen wie: Was ist wichtig für das Geschäft? Wo fokussieren wir unsere Investitionen und wo bringen sie den größtmöglichen Nutzen? Werden wir damit das Vertrauen in unsere Marke stärken oder machen wir nur das, was gerade alle machen? Über diese banalen betriebswirtschaftlichen Fragen ist eine Entschleunigung sofort da.


Ihr Tipp an Selbstständige?
Nehmen Sie sich Zeit für das Innehalten und stellen Sie sich immer wieder Fragen wie: Ist das noch das Richtige, was ich mache, und mache ich es richtig?. Mittlerweile nehmen sich einige Manager sogar schon einen Tag in der Woche komplett raus, um eine Reflexionsschleife einzulegen –  also um nicht nur Feuerwehr zu spielen, sondern auch einen langfristigen Aspekt ins Denken hineinzunehmen. Das bremst Tempo und bringt Kraft.

Ihr neues Buch dreht sich um das Faulsein?

In diesem Buch beschreibe ich die vielen Gründe für Beschleunigung und räume auf humorvolle Art mit vielen Vorurteilen auf. Gerade als Unternehmer muss man auch mal faul sein, weil viele sehr wertvolle Ideen aus der Muse heraus entstehen. Kreativität auf Knopfdruck ist machbar, aber nur in einem bestimmten Rahmen.


Dieses Interview erschien in Ausgabe 38 der "Kärntner Wirtschaft".

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