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"Menschen sollten immer wählen können"

Jeder ist schon einmal im Alltag mit künstlicher Intelligenz in Berührung gekommen. Richtig eingesetzt, kann sie die Gesellschaft nachhaltig verändern, findet Wissenschaftler Clemens Mader.

Anita Arneitz
Clemens Mader beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz.
© KK Clemens Mader beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz.

Kärntner Wirtschaft“: Künstliche Intelligenz ist ein sehr abstrakter Begriff ...
Clemens Mader: Im Wesentlichen geht es darum, dass es durch statistische Berechnungen von Daten zu Trends und Voraussagen kommt. Jeder von uns wendet künstliche Intelligenz bereits im Alltag an, zum Beispiel mit Sprachassistenten am Smartphone oder mit Navigationsgeräten im Auto. Dahinter steckt immer eine Ansammlung von Daten, die benutzerspezifisch angepasst und aufbereitet wird.

Welche Vorteile kann das Betrieben bringen?
Es können sich neue Lösungen ergeben. Mein Schwerpunkt liegt auf Forschung und Bildung. Aber an meiner Forschungsstätte wird zum Beispiel künstliche Intelligenz auch genutzt, um Lötverfahren zu optimieren. Erst durch die heutigen Prozessorleistungen können Datenmengen entsprechend live ausgewertet und durch künstliche Intelligenz an Prozesse angepasst werden. Das war früher nicht möglich. Material kann dadurch ganz anders verarbeitet, Prozesse oder Verfahren können komplett neu, auch ressourcen­effizienter, gestaltet werden.
 
Wie passen künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit zusammen?
Wenn man künstliche Intelligenz bewusst anwendet, um eine nachhaltige Entwicklung anzustreben, kann das sehr positive Effekte haben. Eine große Rolle spielt dabei der Umgang mit Daten – welche Daten werden wie genutzt und von wem gespeichert. Diese Fragen mögen bei einem Laser-Lötverfahren nicht so relevant sein, doch in der Bildung umso mehr.

Haben Sie ein Beispiel, wie künstliche Intelligenz in der Bildung eingesetzt werden kann?
Es gibt bereits Pilotversuche in Belgien mit personalisierten Lernprogrammen. Schüler verwenden dabei 20 bis 40 Minuten pro Tag den Computer, um zu reflektieren, was sie über den Tag gelernt haben. Das Programm wertet dann die Stärken und Schwächen des Schülers aus und übermittelt dem Lehrer ein entsprechendes Chart. Die Lehrer ersparen sich dadurch bis zu sechs Stunden pro Woche für das Überprüfen der Hausaufgaben und können diese Zeit den Schülern widmen. So kann es zur individuelleren Betreuung und breiteren, bedürfnisgerechten Kompetenzentwicklung kommen.

Was ist wichtig, damit so ein System funktioniert?

Wichtig ist, dass den Menschen die Wahlfreiheit bleibt und der Computer Empfehlungen abgibt.

Ihr Tipp für Unternehmen?
Künstliche Intelligenz ist enorm vielfältig und bringt viele Chancen, die auch kleinere Unternehmen als Möglichkeit für die Weiterentwicklung sehen sollten. Durch Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter können Potenziale von künstlicher Intelligenz erkannt, Stolpersteine umgangen und Weichen für eine nachhaltige Entwicklung gestellt werden.


Dieses Interview erschien in Ausgabe 36/37 der "Kärntner Wirtschaft".

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