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„Menschen sind verlässlicher als Maschinen“

Die Wirtschaftsforscherin Sarah Spiekermann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit ethischen Themen rund um den digitalen Fortschritt. Ihre Empfehlung: Digitalisierung sollte immer nüchtern betrachtet werden. 

Birgit Sacherer
Sarah Spiekermann forscht auf dem Gebiet der digitalen Ethik.
© KK/David Peyr Sarah Spiekermann forscht auf dem Gebiet der digitalen Ethik.
„Kärntner Wirtschaft“: Ihr neues Buch „Digitale Ethik, ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert“ ist kürzlich erschienen. Was ist die Kernaussage dieses Buches?
Sarah Spiekermann: Die wesent­liche Kernaussage ist, dass man manchmal richtig lesen muss, um Kernaussagen zu erfassen. Es gibt Bücher, die kann man nicht auf einen Satz herunterbrechen. Und genau das macht das Buch auch aus. Es geht darum, wie wir wieder dorthin kommen, um ein gutes Leben zu führen. Und zwar sowohl als private Individuen als auch 
im Unternehmen. 

Was meinen Sie konkret mit dem Begriff „Digitale Ethik“? 
Digitale Ethik bedeutet, dass man sich zunächst die Fragen stellen muss, welche Werte man mit digitaler Technik fördern und was man damit erreichen möchte – und das jenseits von Kostenersparnis oder um Effizienz zu gewinnen. Kostenersparnis und Effizienz sind die beiden Werte, die bei betrieblicher Digitalisierung im Vordergrund stehen. Davon muss man wegkommen. Man muss sich die Frage stellen, welche menschlichen und sozialen Werte man schaffen möchte. Und welche Werte zerstöre oder untergrabe ich möglicherweise, wenn ich digitalisiere.  

Sollte es eine digitale Hausordnung in einem Unternehmen geben?
Ich denke, wenn der Unternehmer gemeinsam mit seinen Mitarbeitern darüber spricht, ob man eine digitale Hausordnung einführt und wie diese aussehen soll, dann halte ich das für gut. Ein fortschrittlicher Umgang mit dem Digitalen bedeutet auch, dass man genau weiß, warum man etwas tut. Stehen nur Kostenersparnis und Effizienz im Fokus, dann macht man es nicht richtig. Denn die Welt besteht auch aus anderen Werten. 

Sie sind Vorstand am Institut für Wirtschaftsinformatik und Gesellschaft. Als das Institut vor mehr als 30 Jahren gegründet wurde, entstand gerade die IT-Welt. Damals glaubte man fast bedingungslos daran, dass Innovationen die Welt verbessern würden. Und heute? 
Ich glaube, dass man das nicht pauschal sagen kann. Mit der Digitalisierung gibt es soviel mehr Innovationspotenziale, dass eben der größte Teil nicht pauschal gut ist. Innovationen hängen auch davon ab, wie man sie nutzt. Man muss die kritische Frage stellen: Was bringt es mir? Man darf aber auch nicht unterschätzen, wie fehleranfällig die Digitalisierung ist. Wir sagen oft, der Mensch macht Fehler und die Maschine macht auch Fehler. Nur beide machen Fehler unterschiedlicher Art. Die Frage ist: Welcher Fehler ist schlimmer für das Unternehmen, auf welche Fehler ist ein Unternehmen besser vorbereitet? 

Welche Fehler verzeiht man eher: die menschlichen oder die digitalen?
Man erwartet ja gar nicht, dass eine Maschine Fehler macht, diese Fehler schiebt man dann meistens den Mitarbeitern zu. Und das ist nicht fair. In vielen Fällen machen die Maschinen und nicht die Mitarbeiter die Fehler. Hier müssen wir lernen zu verstehen, dass uns die Maschine nicht die Wahrheit sagt. Menschen sind verlässlicher als Maschinen. Die Wertschätzung für den Mitarbeiter muss im Mittelpunkt stehen und nicht die für einen Computer.

Wird die Digitalisierung weiter voranschreiten?

Die Digitalisierung ist eine sehr starke Kraft, die von sehr mächtigen IT-Konzernen, die daran viel Geld verdienen, getrieben wird. Sie haben auch die Politik weitestgehend im Griff. Wir werden in den nächsten Jahrzehnten noch stärker vom Digitalisierungsprozess betroffen sein. Wenn es denn schon so sein soll, dann soll man den Prozess der Digitalisierung zumindest bewusst machen und zum Guten nutzen.


Dieser Artikel erschien in Ausgabe 20/21 der "Kärntner Wirtschaft".

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