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„Menschen brauchen Sinn im Wandel“

„Der Sinn hinter jeder Veränderung muss klar sein“, dafür plädiert die Change-Expertin Susanne Nickel.

Susanne Barbisch
	Autorin, Beraterin und Vortragende Susanne  Nickel ist Change-Expertin. Sie sagt, der Sinn hinter jeder Veränderung muss allen klar sein.
© KK/Jurga Graf Autorin, Beraterin und Vortragende Susanne Nickel ist Change-Expertin. Sie sagt, der Sinn hinter jeder Veränderung muss allen klar sein.

„Kärntner Wirtschaft“: Change-Management und Innovative Leadership sind Ihre Steckenpferde – was fasziniert Sie an diesen Themen? 

Susanne Nickel: Mein ganzes Leben ist gelebter Wandel und ich habe früh den Spagat zwischen Kreativität und Struktur gelernt, zwischen Emotion und Kogni­tion. So fing es als neunjähriges Mädchen aus der BASF-Stadt Ludwigshafen an, dass ich Tänzerin werden wollte. Eine gewaltige Veränderung, da ich aus einer Arbeiterfamilie komme und dort niemand getanzt hat. Als Jugendliche habe ich bei Pina Bausch Tanz studiert und mir meinen Kindheitstraum verwirklicht. Was braucht es dafür? Leidenschaft, Begeisterung und eine große Vision, jeden Tag als Challenge zu sehen, Zielorientierung und Disziplin. Mutig sein und durchhalten, auch wenn es mal nicht so läuft. Das ist das Wichtigste bei persönlichen Veränderungen und auch in Organisationen. Mit 19 Jahren kam dann die erste Disruption – ich wurde Mama, das größte Glück auf Erden und die größte Herausforderung zugleich. 


Was hat das für Sie bedeutet?

Alles wieder auf Neustart: Ich habe dann Jura studiert, wieder ein Wandel von der Kreativität zur Struktur. Alleinerziehend mit Kind jobbte ich als Fotomodell, um den Unterhalt zu verdienen. Ich habe jahrelang als Rechtsanwältin praktiziert, war Pressesprecherin im TV und bin seit 15 Jahren
in der Management-Beratung mit diverse Führungspositionen. Weitere Studiengänge und viele Fortbildungen folgten, denn für mich heißt Leben
lebenslanges Lernen und lebenslange Veränderungen! Ich kann Menschen durch meine persönliche Geschichte motivieren und liebe es, mit innovativen Methoden zu arbeiten.


Was sind die Voraussetzungen für eine gelungene Transformation im Sinne
der Führungskräfte und Mitarbeiter in der neuen Unternehmenswelt?

Ich unterscheide drei Bereiche, die bei einer Transformation einbezogen werden müssen, damit diese gelingt: Das Mindset, die Betroffenen benötigen die richtige Einstellung zum Change. Das Toolset – die richtigen Werkzeuge – müssen zur Verfügung stehen, die den Change unterstützen. Und letztlich werden spezielle Kompetenzen benötigt, das Skillset der Führungskräfte und der Mitarbeiter muss angereichert werden. Alle drei Bereiche werden bei Veränderungen tangiert. Der Change im Mindset ist der schwierigste und hierauf sollte entsprechend Energie verwendet werden.  


Welche Rolle spielt Emotion und Begeisterung dabei?

Oft gehen wir Veränderungen zu rational auf der rein operativen und Prozessebene an. Eine Veränderung im Mindset passiert nur mit einem emotionalen Schub. Ratio alleine reicht eben nicht. Transformation geschieht, wenn Ratio und Emotio im Einklang sind. Menschen brauchen Sinn im Change, eine emotionale Vision, starke Führungskräfte, die transformational führen und eben nicht nur Zahlen, Daten und Fakten bedienen können. Es geht darum, den „Schatz der 1 Million Dollar“ im Unternehmen, nämlich den der Mitarbeiter, zu heben und sie zu fordern und zu fördern, dass sie kreativ und motiviert dabei sind.

Und wie gelingt es, die Mitarbeiter „mitzunehmen“, so dass Change Spaß macht?


Co-Creation ist für mich der neue Weg. Ich möchte ein Beispiel machen: HR brütet über einer neuen Recruiting-Strategie. Was ist das? Inzucht. Ja, das klingt hart, doch: Wer weiß besser, was neue Bewerber brauchen und wo diese zu finden sind, als Mitarbeiter und Führungskräfte aus den Fachabteilungen, New Hires, die gerade ein paar Monate da sind, oder auch Bachelorstudenten und Azubis, die nochmals mit einer anderen Brille auf die Strategie sehen. Diese einzubinden ergibt einen multiperspektivischen Blick auf das Thema Recruiting, und zwar abteilungsübergreifend. Eine kreative Methode kann Lego Serious Play sein, die sich wunderbar für neue Strategien eignet und dabei werden Kopf, Herz und Hand mit einbezogen und Kreativität freigesetzt. Das macht Spaß, ist jedoch auch anstrengend.

Dieses Interview erschien in der Ausgabe 44/45 der "Kärntner Wirtschaft".

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