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"Klimapolitik fördert das Wachstum"

Der Klimawandel ist für Wirtschaftswissenschaftler Christian Reiner die neue Wachstumspolitik. Er verrät, mit welchen Maßnahmen Umwelt und Wirtschaft profitieren würden.

Anita Arneitz
Christian Reiner sieht durch den Klimawandel neue Marktchancen für die Wirtschaft und fordert die Politik zum Handeln auf.
© KK/AA Christian Reiner sieht durch den Klimawandel neue Marktchancen für die Wirtschaft und fordert die Politik zum Handeln auf.
„Kärntner Wirtschaft“: Wie nehmen Sie die aktuelle Klimadiskussion wahr?
Christian Reiner: Generell wirkt die Diskussion um das Klima polarisierend und ist aus meiner Sicht in Österreich deutlich emotionaler als in anderen Ländern. In Österreich sind auch ziemlich starke Widerstände – aus verschiedenen Gründen – aufgebaut worden, die uns jetzt im Weg stehen.

Woher kommt dieser ­Widerstand gegen die Klimapolitik?

Das Thema ist sehr komplex, aber dieses Problem haben andere Länder auch. Es hat eine starke internationale Dimension und bedarf natürlich auch internationaler Kooperation, weil es viele Bereiche der Wirtschaft betrifft. Zum anderen haben wir uns jahrzehntelang auf das System der fossilen Energie eingestellt. Das kann nicht rasch umgelernt werden. Und auch die Politik spielt eine wesentliche Rolle.

Aber Österreich war bis in die 1990er-Jahre umwelt­politisch Vorreiter?  
Diese Rolle haben wir verloren. Womit das zu tun hat, ist schwer zu sagen. Keiner von den Sozialpartnern hatte einen Anreiz, auf dieses Thema zu setzen, weil die Gewerkschaft um Arbeitsplätze und Unternehmen um Gewinne fürchteten. Das hat die Weiterentwicklung etwas gebremst. Dazu kommt der Aufstieg der rechtspopulistischen Parteien, die Anti-Klimapolitik-Parteien sind.
 
Klimapolitik und Wirtschaft müssen Hand in Hand gehen?
In jedem Fall. Oft heißt es, Klimapolitik kostet viel Geld, das können wir nicht machen. Ich bin da anderer Meinung. Wir müssen Klimapolitik und ihre Wirkungen langfristig sehen: Was würde passieren, würden wir es nicht machen? Die teuerste Option ist, keine Klimapolitik zu machen. Denn Klimapolitik fordert und fördert massiv Innovationen und eine moderne Wachstumspolitik muss innovationsgetrieben sein. Der Klimawandel ist die neue Wachs­tumspolitik. Wir müssen massiv in neue Infrastruktur investieren und brauchen neue Technologien an allen Ecken und Enden.

Wo muss konkret angesetzt werden?
Ohne den Umbau von Energiesystemen geht gar nichts. Danach geht es um Verkehr, Wohnen, Industrie und Landwirtschaft. Das sind die großen Sektoren, in denen sich etwas ändern muss. Aus ökonomischer Sicht wäre es gut, endlich eine CO2-Steuer einzuführen – möglichst weltweit, einheitlich für alle Branchen. Zumindest aber in Europa, weil dadurch Anreize zur Umsetzung von Effizienzmaßnahmen gesetzt werden. Weiters muss in neue Techno­logien und Einsparungspotenziale investiert werden. Dabei ist die Politik gefordert – sie
muss die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen.

Was geben Sie Unternehmen mit auf den Weg?
Klimawandel kann viele Markt-chancen öffnen. Nicht nur in Österreich, sondern vor allem auch in den vielen Exportmärkten. Abgesehen davon gibt es eine Reihe von Lebensstiländerungen, die jeder ganz einfach für sich umsetzen kann. Das ist gut für das Klima und die Gesundheit, zum Beispiel öfter mal mit dem Rad in die Arbeit fahren oder weniger Fleisch essen.

Sehen Sie den Klimawandel apokalyptisch oder doch eher halb so schlimm?
Politisch hat sich in den vergangenen 20 Jahren viel zu wenig getan, um die Klimaziele zu erreichen. Es kann apokalyptisch für die Welt ausgehen, wenn wir so wenig tun. Wird mit den bestehenden Maßnahmen weiter gewirtschaftet, dann haben wir eine Erwärmung, die viel zu hoch ist – nämlich zwischen drei und fünf Grad. Das heißt, wir müssen noch viel tun.


Dieses Interview erschien in der "Kärntner Wirtschaft" Ausgabe 46.

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