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„In den USA ist nicht alles besser, aber...“

Überadministriert und schwerfällig: Universitätsrektor Lambert T. Koch sieht Europas Wirtschaft unter Druck. Nur durch mehr Flexibilität bei den Rahmenbedingungen wird es möglich sein, den Anschluss nicht zu verlieren.

Angelika Dobernig

Wurde heuer zum vierten Mal als deutscher Rektor des Jahres ausgezeichnet: Lambert T. Koch.
© Just Wurde heuer zum vierten Mal als deutscher Rektor des Jahres ausgezeichnet: Lambert T. Koch.

„Kärntner Wirtschaft“:
Warum braucht die Wirtschaft mehr Flexibilität?

Lambert T. Koch: Die Größe eines Unternehmens ist heute nicht mehr so entscheidend wie die Geschwindigkeit bei den Entwicklungen. Deshalb suchen viele Große auch die Nähe zu kleinen Unternehmen. Das passiert im Grunde aus einer Not heraus. Die Konzerne sehen, dass sie etwas ändern müssen. Speziell in Europa gibt es Handlungsbedarf. 

Warum?

Die großen Online-Plattformen entstehen momentan vor allem in Amerika und zunehmend auch in China. Das betrifft alle Bereiche, von Mobilität über das Reisen bis hin zum Einkaufen. Europa ist hier weit abgeschlagen. Wir müssen da besser werden. 

Sind unsere Märkte zu schwerfällig?

Wir sind überadministriert, in Österreich genauso wie in Deutschland. Das hat auch etwas mit unserem Demokratiesystem zu tun. In beiden Ländern ist es zum Beispiel sehr schwierig, Gesetzesänderungen durchzubekommen, die zu einer Flexibilisierung bei Unternehmensgründungen führen würden.

Woran liegt das?

Es geht dabei immer um einen Interessenausgleich. Es reden zu viele mit, sodass am Schluss nur mehr kleine Kompromisse möglich sind – und keine großen Änderungen. Wenn Politiker eine innovative Idee haben, wird diese von allen Seiten zerpflückt. Was am Ende übrig bleibt, ist nur mehr ganz wenig von dem, was eigentlich nötig wäre. Deswegen dauern Veränderungen bei uns viel zu lange. Auch die strengen Reglementierungen helfen uns nicht weiter. 

Welche Reglementierungen meinen Sie damit?

Wenn man sich die Voraussetzungen ansieht, die man erfüllen muss, um in manchen Branchen ein Unternehmen zu gründen, muss man – um es positiv auszudrücken – sagen: Da gibt es noch Luft nach oben. In den USA ist nicht alles besser, aber bei innovativen Themen ist man wesentlich offener und flexibler.  

Haben Sie ein Beispiel?

Nehmen wir das Thema „Autonomes Fahren“: In den USA können diese unbedingt notwendigen Praxisfahrten für autonomes Fahren viel leichter durchgeführt werden als in Europa. Es werden zehntausende Testkilometer gefahren, bei denen eine Person im Fahrzeug sitzt, um im Notfall einzugreifen. In Deutschland und Österreich wäre das undenkbar. Dadurch sind uns die Amerikaner in dem Bereich schon weit voraus. Diese Investitionen kommen nicht ohne Grund aus den USA.  

Welche Veränderungen würden Sie sich wünschen?

Wir sollten vermeiden, dass das Kind erst in den Brunnen fallen muss, bevor es Veränderungen gibt. Sonst sind wir irgendwann so weit weg, dass wir den Anschluss und die Technologieführerschaft in vielen Bereichen verlieren.  Und es sollte nicht erst dann gegengesteuert werden, wenn es bereits zu spät ist. Es sind ja mittlerweile nicht nur die Amerikaner, die uns den Rang ablaufen. 

Sondern?

Auch in Südostasien passiert vieles. Damit meine ich nicht nur China, sondern auch Indien, Malaysien und Südkorea sind im Kommen, und Japan sowieso. Wir kommen immer mehr unter Druck. Auf diese Entwicklungen müssen wir reagieren. 

Was soll sich konkret ändern?

Unsere Rahmenbedingungen müssen simpler und flexibler werden, um Innovationen nicht zu verhindern. Manchmal haben wir da einen vorauseilenden Gehorsam, der nur hinderlich ist und keinen Nutzen bringt. 

Dieses Interview erschien in Ausgabe 50/51 der "Kärntner Wirtschaft".