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"Immer mehr und billiger geht nicht"

Die Revolution beginnt beim Einzelnen: Slow-Food-Gründer Carlo Petrini setzt sich mit Leidenschaft für einen neuen Ernährungsstil und Bio-Produkte ein.

Angelika Dobernig
Carlo Petrini Slow Food
© KK/Slow Food Great China „Jede Küche hat ihre Eigenheiten, die es zu wahren gilt“: Carlo Petrini, Gründer der Slow-Food-Bewegung, setzt auf regionale Unterschiede

Kärntner Wirtschaft“: Sie fordern „Bio für alle“. Was sagen Sie jenen, die sich
Bio-Produkte nicht leisten können?

Carlo Petrini: Bio ist unser großes Ziel. Zuerst muss man aber an die Region denken. Es ist viel wichtiger, lokale oder regionale Produkte zu kaufen als Waren mit irgendeinem Bio-Siegel. Denn wenn ich zum Beispiel die Bio-Birnen aus Argentinien im Bioladen kaufe, bringt das auch nichts. Wir müssen die frische, lokale Produktion fördern.

Was läuft im Lebensmittel-Kreislauf momentan schief?
Wir können nicht immer mehr und immer billiger produzieren, das geht einfach nicht. Es kann nicht sein, dass ein Bauer sieben Cent für das Kilo Karotten bekommt und wir im Handel dann ein Vielfaches dafür zahlen. Und dem Bauern sagen wir, er soll noch auf das Land aufpassen. So kann das nicht funktionieren. Die Verteilung in der Wertschöpfungskette muss sich ändern!

Was genau sollte sich ändern?
Am besten ist es, die Produkte direkt vom Bauern zu kaufen. Und wir sollten unseren Lebensstil ändern. Es ist unverantwortlich, 120 Kilogramm Fleisch pro Kopf im Jahr zu essen wie die Amerikaner. Wenn wir uns alle so ernähren würden, wären drei Planeten wie die Erde für den Anbau von Futter nicht genug. Das ist weder nachhaltig noch gesund.

Sollte also weniger hergestellt werden?
Die Lösung ist: ein bisschen mehr zahlen, weniger wegwerfen und weniger essen. Heute interessieren wir uns nicht mehr für den Wert eines Lebensmittels, sondern nur noch für seinen Preis. Dabei könnten wir die Welt verändern, wenn wir uns selbst verändern. 

Indem wir weniger essen?
Weniger Fleisch zu essen, gehört auf jeden Fall dazu, auch weniger wegzuwerfen. Das bedeutet, dass man Lebensmittel komplett konsumiert oder von vornherein weniger einkauft. Früher warf man überhaupt nichts weg! Denken Sie nur an Brot: Das wirft man nicht weg! Wir müssen nur einen Blick in unsere Kühlschränke werfen, dann wissen wir, was zu tun ist. Und wenn wir unsere Ess- und Einkaufsgewohnheiten ändern, werden wir auch die Landwirtschaft beeinflussen.

Wie soll das große Ziel „Bio für alle“ erreicht werden?
Mit der richtigen Einstellung. Wir brauchen wieder mehr Respekt vor der Umwelt. Und wir müssen vor allem auf regionale Produzenten setzen. Für mich ist ein lokaler Bauer, der konventionell arbeitet, besser als ein Biobauer auf einem anderen Kontinent. Die Frage ist, ob Bio-Produkte, die um die halbe Welt transportiert werden, überhaupt noch bio sind.

Was würde sich verbessern, wenn die gesamte Landwirtschaft auf biologischen 
Anbau setzen würde?

Unsere Gesundheit. Schon allein weil die Chemie auf dem Acker die Bodenfruchtbarkeit zerstört. Wir brauchen natürlich viel Geduld, nicht alles wird auf bio umgestellt werden können. Und vergessen wir nicht die vielen Bauern, die nicht bio-zertifiziert sind und trotzdem biologisch wirtschaften. Der beste Produzent ist der Bauer von nebenan, den ich kenne und dem ich vertraue.

Sie sprechen immer wieder davon, die Regionen seien wichtig. Warum?
Nachhaltige Ernährung bedeutet, die Verschiedenheit hervorzuheben. Jede Küche hat ihre Eigenheiten, die es zu wahren gilt. Außerdem ist die Identität einer Region in deren Lebensmitteln am tiefsten verwurzelt. Wir müssen die Verschiedenheit schützen und die Augen offen halten.


Dieser Artikel erschien in der Kärntner Wirtschaft, Ausgabe 7/8.

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