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„Es geht um jeden Arbeitsplatz!“

Die Online-Beantragung der massiv ausgeweiteten Phase 2 des Härtefallfonds ist in vollem Gange. Die vergangenen Wochen haben den Lebensstandort Kärnten auf den Kopf gestellt: Was das bedeutet, wie es weitergeht und welche Lehren man aus der Krise ziehen kann, hat kärntnerwirtschaft.at WK-Präsident Jürgen Mandl und Direktor Michael Stattmann gefragt.

WKK-Präsident Jürgen Mandl und WK-Direktor Michael Stattmann
© WKK/KK

Der März 2020 wird uns allen lange in Erinnerung bleiben: Das Coronavirus hat unser Land - wie fast alle anderen - zum Stillstand gebracht. Was waren Ihre prägendsten Eindrücke in den vergangenen Wochen? 

Jürgen Mandl: Schon in der Endphase der Wirtschaftskammerwahl - ja, so etwas hat es tatsächlich gegeben Anfang März - hat sich die dramatische Entwicklung in Italien abgezeichnet. Dass ausgerechnet das benachbarte und auch im Lebensstil sehr südlich orientierte Kärnten dann vom Virus vergleichsweise wenig in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist für mich heute noch ein Wunder. Die Maßnahmen der Bundesregierung finde ich bei seriöser Betrachtung nach wie vor unvermeidbar - auch wenn die Wucht, mit der die Einschränkungen die Wirtschaft getroffen haben, beispiellos ist.  

Michael Stattmann: Die Wahl selbst war schon monatelang eine große Herausforderung für die Kammerorganisation, und kaum war sie vorbei, ist die Coronakrise ausgebrochen. Für die Wirtschaftskammer, aber natürlich vor allem für die Unternehmerinnen und Unternehmer waren die vergangenen Wochen extrem hart; auch deshalb, weil die Maßnahmen der Bundesregierung zwar schnell beschlossen wurden, aber bisher nicht rasch genug bei den Betrieben angekommen sind.  

Was ist der Grund dafür? 

Mandl: Ich habe den Begriff schon verwendet: Beispiellos. Diese heimtückische gesundheitliche Bedrohung und die Kollateralschäden, die der Lockdown angerichtet hat - das hat noch niemand aus unserer Generation erlebt. Daher konnten auch Politik oder Verwaltung nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Die Grundstrategie war völlig richtig: Schnelle Hilfe für die Lebenshaltungskosten der kleinsten Unternehmer über den Härtefallfonds; Kurzarbeit für größere Unternehmen; breite Steuer- und Abgabenstundungen; und Staatsgarantien bis zu 100 Prozent für Kredite und Zuschüsse, die später abgerechnet und je nach Ausmaß des Schadens auch nur zum Teil zurückgezahlt werden müssen. Im Detail hat die Abstimmung zwischen Finanzministerium, Wirtschaftsministerium, der neuen COFAG-Finanzierungsagentur, aws, öht, ams Zeit gekostet – Zeit, die viele Unternehmen in dieser Situation nicht haben.  

War es aus heutiger Sicht richtig, dass die Wirtschaftskammer die Abwicklung des Härtefallfonds übernommen hat? 

Stattmann: Letztlich ja. Wir wollten unseren Mitgliedsbetrieben so schnell wie möglich helfen, und das hätte keine Organisation österreichweit übernehmen können. Schon gar nicht die Finanzämter, die sind schon mit den Stundungsanträgen ausgelastet. Wir haben allein in Kärnten innerhalb der ersten beiden Wochen in der Phase 1 mehr als 9600 Anträge bearbeitet und fast neun Millionen Euro ausgezahlt. Es ist unser interessenpolitischer Erfolg, dass es in Phase 2 deutlich mehr Anspruchsberechtige gibt sowie eine Auszahlung von zumindest 500 Euro, ohne uns als WKO wäre das nie geschehen. Das hat jetzt zwar Zeit in der Programmierung gekostet, aber dennoch haben wir 760 Anträge in Phase 2 ausbezahlt, ab morgen folgt der große Rest. Wir können davon ausgehen, dass bis Mitte nächster Woche der Großteil der Antragsteller das Geld am Konto haben wird. Dementsprechend wird der von uns abgewickelte Härtefall-Fonds weiterhin das einzige Wirtschaftsförderungs-Instrument in der Corona-Krise sein, aus dem bis dato wirklich direkt Geld an die Unternehmerinnen und Unternehmer geflossen ist! Insofern war es richtig und wichtig, dass die Wirtschaftskammern sich da hineingekniet haben, mit allen Herausforderungen. 

Mandl: Nicht nur beim Härtefallfonds haben wir zum Teil dramatische Verbesserungen erreicht. Auch bei der Kurzarbeit oder bei der stockenden Kreditvergabe haben unsere konsequenten Hinweise die Regierung dazu gebracht, umzudenken und nachzubessern. Wir bekommen die Meinung unserer Unternehmer ja direkt und ungefiltert mit und geben sie genauso weiter - auch wenn das für die Politik nicht immer charmant ist. Am deutlichsten ist die Handschrift der Kammer bei der Akontozahlung vom Fixkostenzuschuss zu sehen: Binnen zehn Tagen hat man ein Drittel des Zuschusses auf dem Konto, gestartet wird am 20. Mai. Das ist der Politik und der Verwaltung nicht von selber eingefallen. 

Wo liegen derzeit die größten Kritikpunkte? 

Mandl: Das Tempo habe ich schon angesprochen, auch die Treffsicherheit macht mir noch Sorgen. Wenn nur Unternehmen unterstützt werden, die mehr als 40 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnen, liegt die Latte schon recht hoch. Auch der Tourismus - vom Hotel über das Reisebüro bis zum Busunternehmer - ist extrem vom monatelangen Ausfall und den eher düsteren Perspektiven betroffen. Da wird es ganz sicher ordentliche Impulse brauchen, um diese wichtige Branche über den Sommer zu bringen. Das soll uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in allen Branchen zu schweren Verwerfungen kommt. Wir arbeiten derzeit mit der Expertise all unserer Fachleute in den einzelnen Sparten und Fachorganisationen an einem Masterplan für das Comeback der Kärntner Wirtschaft. Denn selbstverständlich wird auch das Land nachdenken müssen, wie wir die 30.000 Unternehmen und ihre rund 180.000 Beschäftigten durch die Krise bringen. 

Lässt sich jetzt schon abschätzen, welche Lehren man aus der Krise ziehen kann? 

Stattmann: Für die Digitalisierung, die seit Jahren herbeigeschrieben wird, die aber in weiten Bereichen noch nicht wirklich in Fahrt gekommen war, bedeutet Corona eine enorme Beschleunigung. Videokonferenzen - bislang eher ungeliebt - sind von einem Tag auf den anderen zur Normalität geworden, Online-Lernen hat sich etabliert und sogar Prüfungen werden erfolgreich per Internet abgelegt. Vieles davon hat besser funktioniert als ursprünglich angenommen und wird auch in der Zeit nach Corona zumindest in Teilbereichen fortgeführt werden.

Mandl: Ein weiterer positiver Aspekt ist sicherlich die Trendumkehr zu mehr Regionalität, nicht nur bei Lebensmitteln, sondern in allen Wirtschaftsbereichen. Seit vielen Jahren versuchen wir, mit Aktionen wie „Heimkaufen“ auf die Bedeutung heimischer Wertschätzung und Wertschöpfung hinzuweisen, da hat sich in den vergangenen Wochen viel bewegt, nicht nur bei Konsumenten, sondern auch bei den Händlern, wenn ich an das regionale Online-Shopping denke. Zugegeben weniger positiv als der Digitalisierungsschub oder die neue Liebe zur Regionalisierung ist eine weitere Erkenntnis dieser Phase: Dass viele Unternehmen schon nach ein, zwei Wochen in ärgste Existenznöte geraten, hat mich erschreckt. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Auszehrung vieler Betriebe und ganzer Branchen aufgrund zu hoher Belastungen noch weiter fortgeschritten ist, als wir befürchtet und auch oft kritisiert haben. Ein ordentlicher Unternehmer muss die Möglichkeit haben, ein Mindestmaß an Sicherheit für sich und seine Mitarbeiter aufbauen zu können. Ist das nicht mehr gegeben, sollte er über Alternativen nachdenken; und der Staat darüber, wer unter diesen Umständen die Wertschöpfung erzielen, die Steuern zahlen und die Arbeitsplätze schaffen wird.

Was bringen die nächsten Wochen? 

Stattmann: Ein wichtiger Termin für die Wirtschaftskammer ist der 19. Mai: Da erfolgt die konstituierende Sitzung des Wirtschaftsparlaments und die Wahl des neuen Präsidenten. Ich glaube, Sie kennen ihn.  

Mandl: Für unsere Betriebe kommt es jetzt darauf an, durchzuhalten. Viele Branchen sind schon wieder offen, die Gastronomie folgt Mitte Mai, die Hotellerie und Freizeitwirtschaft Ende des Monats. Wir arbeiten mit Hochdruck auf Bundes- und Landesebene an Erleichterungen, Entlastungen und zusätzlicher Unterstützung. Ich kann meinen Kolleginnen und Kollegen nur sagen: Nehmen Sie Ihren Mut zusammen, seien Sie unternehmerisch, reden Sie - wenn nötig - mit Ihrer Hausbank, kommen Sie zu uns: Wir finden gemeinsam eine Lösung. Und an die Kärntnerinnen und Kärntner appelliere ich: Halten wir in dieser besonderen Phase das Geld im Land, der Inlandskonsum ist jetzt entscheidend für das Comeback der Kärntner Wirtschaft! Da geht es um jedes Unternehmen und jeden Arbeitsplatz. 

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