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„Emotionaler Stress entsteht oft unbewusst“

Kundenanruf oder Familienfeier – scheinbare Kleinigkeiten können emotionalen Stress auslösen und den Körper in Alarmzustand versetzen. Therapeutin Michaele Kundermann verrät Strategien, um in solchen Situationen ruhig zu bleiben und die Probleme souveräner zu lösen.

Anita Arneitz
Wer weiß, wie das eigene Stress-System tickt, kann besser mit belastenden Situationen umgehen, weiß Therapeutin Michaele Kundermann.
© GSA Wer weiß, wie das eigene Stress-System tickt, kann besser mit belastenden Situationen umgehen, weiß Therapeutin Michaele Kundermann.

„Kärntner Wirtschaft“: Sind wir dem Stress hilflos ausgeliefert?

Michaele Kundermann: Stress nenne ich lieber Panikum. Denn allein das Wort ist neural so gebahnt, dass es schon Stress auslöst. Das Gegenteil davon nenne ich Heurekum. Das ist ein positiver, entspannter Zustand von leis­tungsfähiger Ordnung, Energie, Lebensfreude und Zuversicht. Panikum und Heurekum aktivieren unterschiedliche Hirnareale und Nervenbahnen, sie haben eigene Botenstoffe. Wenn Panikum aktiv ist, wird Heurekum gehemmt und umgekehrt. Unser Denken entscheidet, ob wir Panikum oder Heurekum aktivieren. Wir haben also immer die Wahl, auf welcher neuronalen Autobahn wir unterwegs sein wollen.  

Dennoch scheint Stress für Selbstständige zum Alltag dazu zu gehören ...

Dass wir einen bestimmten Stress­pegel für normal halten, ist fragwürdig. Emotionaler Stress entsteht oft unbewusst wie ein Reflex. Zuerst fällt es uns gar nicht auf, dass wir aus emotionalem Stress heraus handeln. In meinem Buch habe ich 86 Verhaltensweisen aufgezählt, die auf eine Stressreaktion hindeuten. Je schneller wir das bei uns bemerken, desto schneller können wir dem Stress die Grundlage entziehen, indem wir die Selbst-Bedrohung abstellen. 

Wie lassen sich Kopf-Blockaden wieder lösen?

Das Gehirn antwortet auf Stress blitzschnell mit Unordnung im Kopf. Die beiden Gehirnhälften arbeiten nicht  mehr gut zusammen. Das Blut       schießt aus dem Stirnhirn ins Stammhirn bis zum Blackout, um Reflexe zu aktivieren. In diesem Fall hilft es, die bedrohlichen Gedanken abzustellen und eine Weile die Hand auf die Stirn zu legen. Das befördert das Blut wieder dorthin und wir können bald klarer denken. Zusätzlich helfen Überkreuzbewegungen den Hirnhemisphären wieder besser miteinander zu kommunizieren.  

Was passiert, wenn das nicht gelingt?

Man bedroht sich emotional selbst durch destruktive, ablehnende Gedanken. Bedrohung heißt für die Stress-Feuerwehr: ausrücken. Dabei kann der urzeitliche Stressmodus nicht unterscheiden, ob es sich um eine physische oder emotionale Bedrohung handelt. Er aktiviert Reaktionen, die den Körper belasten, aber das emotionale Problem nicht lösen. Verspannungen, Leis­tungsverlust, Konzentrations- und Schlafprobleme, funktionelle Störungen und Krankheiten können die Folgen sein. Emotional kann sich das in Gereiztheit, Aggressivität, Angst bis hin zu Depressionen und Burnout zeigen. 

Auch Aufschieberitis kann Stress verursachen?

Bei der Aufschieberitis ist der Überlebensmodus Panikum am Werk. Wenn wir eine notwendige Aufgabe ungern machen und ablehnen, fühlt sich Panikum durch sie bedroht. Er möchte uns durch Hinauszögern vor dieser vermeintlichen Gefahr schützen. Daher finden Sie heraus, was die emotionale Bedrohung ist, und stellen Sie diese ab. Verkleinern Sie vorübergehend die Schritte zum Ziel, sodass sich das Panikum wieder beruhigt. Weiterhin habe ich einen Tipp von Brian Tracy: Sagen Sie dreimal zu sich selbst: „Mache es jetzt“. Dieser Satz wirkt wie ein Befehl ans Unterbewusste und bringt uns in Bewegung zum Ziel.  

Ein Entspannungstipp für den Geist, um vor Weihnachten leichter abzuschalten?

Das Wichtigste sind positive Selbstgespräche, mit denen wir akzeptieren, wie die Dinge sind. Das beruhigt und macht kreativ. 


Dieser Artikel erschien in der Kärntner Wirtschaft, Ausgabe 50/51.

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