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Gondlach: "Die eine Zukunft gibt es nicht"

„Jeder redet davon, aber kaum jemand weiß, was dahintersteckt“: Zukunftsforscher Kai Arne Gondlach sieht in Sachen Digitalisierung noch viel Aufholbedarf bei den Unternehmen.

© KK „Wir sind ein Teil der Zukunft und mit dafür verantwortlich, wie unsere Welt künftig aussehen wird“, sagt Zukunftsforscher Kai Arne Gondlach.

Sie blicken in ihren Vorträgen in die Zukunft. Geht das überhaupt?

Kai Arne Gondlach: Wenn man es genau nimmt, blicken wir nicht in die Zukunft, sondern befassen uns mit Bildern, die es heute vom Morgen gibt. Das sind keine unfehlbaren Prognosen. Die sind aber auch nicht das Ziel.

Was ist dann das Ziel?

Als Zukunftsforscher will ich den Menschen ein gewisses Orientierungswissen vermitteln. Dieses Wissen soll die Basis für strategische Entscheidungen sein. Ob es dann tatsächlich so kommt, wie wir uns das gedacht haben, ist ein anderes Thema. Ich bin davon überzeugt, dass es die eine Zukunft nicht gibt. Aber ein Blick in die Zukunft ist trotzdem möglich.

Ist das nicht ein Widerspruch?

Überhaupt nicht. Es ist völlig klar, dass man nicht genau vorhersagen kann, was wann passiert. Aber indem man mit Entscheidern von großen Unternehmen spricht, weiß man, was diese in den nächs­ten Jahren planen. So bekommt man ein Bild von den Entwicklungen einer Branche in den kommenden Jahren.

Und die Entwicklung geht in Richtung Digitalisierung?

Ja, die Wirtschaft befindet sich in einer historischen Umbruchphase. Die Digitalisierung schreitet mit großen Schritten voran. Geschwindigkeit und Komplexität nehmen zu. Trotzdem hinken viele noch hinterher. 

Woran liegt das?

Es ist Neuland. Alle sprechen über Digi-talisierung, doch kaum jemand versteht, was wirklich dahintersteckt. Die Digitalisierung verändert uns, die Art, wie wir kommunizieren – und sie verändert unsere Produkte.

Wie wird alles verändert?

Ein gutes Beispiel sind digitale Assistenzsysteme: Die Algorithmen der modernen Software werden immer leistungsfähiger und ergänzen die Tätigkeiten der Menschen gewaltig – wenn man sie denn lässt. Wirklich up to date sind deshalb diejenigen Unternehmen, die digitalen Technologien eine aktive Rolle zugestehen. Diese neuen „Mensch-Maschine-Organismen“ prägen den Arbeitsplatz der Zukunft.

Auch im Tourismus?

Gerade dort. Der eine Kunde mit standardisierten Bedürfnissen und einem Standard-Kommunikationsverhalten ist längst Fiktion. Unternehmen müssen künftig viel flexibler und agiler sein, als sie es sich jemals vorstellen hätten können. Es geht darum, individuell und automatisiert zu kommunizieren – technologiegestützt und gerade dadurch persönlich.

Wie kann das gelingen?

Indem wir uns dem Thema stellen. Und zwar schnell: Die Zukunft hat schon begonnen und wir sind ein Teil davon. Wir sind mit dafür verantwortlich, wie unsere Welt künftig aussehen wird. Für die Betriebe bedeutet das: Es stehen Investitionen in moderne IT-Sys­teme und Produktionsanlagen an. Das sollte nicht als finanzielles Risiko, sondern als Chance gesehen werden. Denn wer vorangeht und die Geschwindigkeit der Digitalisierung und digitalen Kunden halten kann, dem winken enorme Wettbewerbsvorteile.

Woran liegt es, dass viele Betriebe noch abwarten?

Das Problem ist weniger das mangelnde Angebot an Lösungen, sondern es fehlt oft die digitale Vorstellungskraft bei Mitarbeitern und Führungskräften. Der „digitale Reifegrad“ ist branchenübergreifend erschreckend niedrig. Nicht nur bei der Hardware, auch beim Personal muss dringend nachgesteuert werden. 

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