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„Der globale Handel wird entschleunigen“

Liquidität und Lieferketten sicherstellen, mehr Home-Office, weniger Reisen und Überstundenabbau: Armin Wambach, ­Präsident des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung, über sinnvolle Maßnahmen in Zeiten des Coronavirus.

Angelika Dobernig
Betriebe sollten ein Auge auf staatliche Fördermaßnahmen haben“, rät Armin Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung.
© ZEW/Anna Logue Betriebe sollten ein Auge auf staatliche Fördermaßnahmen haben“, rät Armin Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung.
„Kärntner Wirtschaft“: Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf Europas Wirtschaft?
Armin Wambach: Zunächst hat es China getroffen. Für Europas Exportwirtschaft bedeutet das einerseits einen Einbruch der Nachfrage  und andererseits kommt es zu Engpässen in den Lieferketten hiesiger Unternehmen. Nun ist das Virus in Europa angekommen.

Wen trifft es in Europa derzeit am härtesten?

Unmittelbar betroffen sind zunächst alle Dienstleistungen, bei denen Menschen zusammenkommen, wie beispielsweise die Tourismusbranche und der Unterhaltungssektor. Wie schwerwiegend die Auswirkungen sein werden, lässt sich noch nicht absehen.

Rechnen Sie damit, dass globale Geschäftsbeziehungen ins Stocken geraten?

Es ist zumindest davon auszugehen, dass der globale Handel entschleunigen wird. Die Finanzmarktexperten unseres Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung erwarten aktuell für das erste Quartal 2020 in China ein BIP-Wachstum von 4,2 Prozent. Die Prognose  in der Jänner-Umfrage lag noch bei 6,0 Prozent.

Haben Sie Tipps für Unternehmen, die nicht wissen, wie sie mit den Entwicklungen umgehen sollen?
Die Unsicherheit ist groß. Unternehmen sollten deshalb einen Krisenstab einrichten und eine Risikomanagement-Strategie parat haben, die auch politische Entscheidungen berücksichtigt. Das deutsche Wirtschaftsministerium orientiert sich mit seinen Maßnahmen beispielsweise an einem „Drei-Phasen-Modell“. Bei der ersten Phase sind nur einzelne Unternehmen betroffen, bei der zweiten gibt es eine Verschärfung der Lage und bei der dritten eine echte Krise mit Betriebsschließungen.

Wie können sich Betriebe darauf vorbereiten?
Sie sollten jetzt vorgreifen und ausarbeiten, welche Maßnahmen sie bei diesen unterschiedlichen Phasen ergreifen, um mögliche Schäden zu mindern. Gleichzeitig sollten sie auch ein Auge auf staatliche Fördermaßnahmen haben.

Sie raten zu Risikomanagement in den Betrieben. Wie soll das aussehen?

Der Gesundheitsschutz steht an erster Stelle: verstärkter Zugriff auf Home-Office, beschränkte Reise­aktivitäten, Verzicht auf größere Veranstaltungen. Wirtschaftlich hat natürlich das Liquiditätsmanagement oberste Priorität.

Wie kann die Liquidität abgesichert werden?

Empfehlenswert ist beispielsweise die Sicherung von Kredit­linien, Überstundenabbau, Kurzarbeit, Verzögerung von Investitionen und Neueinstellungen, bis mehr Klarheit über die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus besteht. Dann geht es um die Sicherstellung der Lieferketten in den kommenden Monaten, in denen möglicherweise mit einer wachsenden Anzahl von Einschränkungen zu rechnen ist.

Welche Unterstützung seitens der Politik für die Wirtschaft wäre nun sinnvoll?
Auch die Politik sollte ein gezieltes Risikomanagement betreiben. Dazu zählen gesundheitspolitische Maßnahmen und konjunkturstützende Eingriffe. Diese Eingriffe sollten die drei „t’s“ erfüllen: timely, targeted und temporary, das heißt, schnell wirken, zielgenau und vorübergehend sein. In Deutschland ist der Ausbau des Kurzarbeitergelds hilfreich; es wurden Vorbereitungen für ein Kredit- und Bürgschaftsprogramm eingeleitet. Weitere konjunkturstützende Maßnahmen sollten zumindest parat stehen.
    
Insgesamt lässt sich vieles nur schwer abschätzen. Rechnen Sie mit einer
Wirtschaftskrise?

Es besteht eine enorme Unsicherheit bezüglich der Ausbreitung des Coronavirus. Wie tief die Wirtschaft einbrechen und wie schnell sie sich wieder erholen wird, darüber lässt sich nur spekulieren.


Dieses Interview erschien in Ausgabe 8 der "Kärntner Wirtschaft".

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