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„Dem Glück wird keine Pause mehr gegönnt“

Wenn ein neues Jahr beginnt, wünschen sich die Menschen neben Gesundheit vor allem eines: Glück. Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid hat sich mit dem Thema Glück intensiv auseinandergesetzt und erklärt, warum das Glück Pausen macht und Unglück sich nicht vermeiden lässt.

Ines Tebenszky
Wilhelm Schmid
© Foto: Paul Zinken/dpa/picturedesk.com Philosoph Wilhelm Schmid weiß: „Wenn für das Lebensnotwendige gesorgt ist, kommt das Glück ins Spiel.“
Rund um den Jahreswechsel wünscht man einander neben Gesundheit vor allem auch Glück fürs neue Jahr. Was meint man denn damit?
Wilhelm Schmid: Dass alles gut geht. Dass alles auch ganz anders kommen kann, wissen wir natürlich. Theoretisch. Praktisch soll eben alles gut gehen. Probleme sollen sich auflösen, Chancen sollen sich auftun, die Freude am Leben soll erhalten bleiben oder, wenn sie verschwunden ist, wiederkehren. Und wenn Zufälle auf unser Leben Einfluss nehmen, sollen es ausschließlich die glücklichen sein.
 
Der Wunsch nach Glück war nicht immer da. Was hat sich verändert, dass wir uns das Glück so häufig wünschen?
Wenn für das Lebensnotwendige gesorgt ist, kommt das Glück ins Spiel, damit das Leben irgendwelchen Sinn hat. Meine Eltern redeten nie vom Glück. Sie waren immer froh, wenn sie die Familie mit sechs Kindern und einem Stall voller Kühe halbwegs gut über die Runden gebracht haben. Dafür erbaten sie Gottes Beistand und die Religion bot ihnen einen vollkommen erfüllenden Lebenssinn. Ich habe mich immer schon gewundert, warum Menschen seit etwa dem Jahr 2000 (in Deutschland) so viel vom Glück erwarten. Sinn ist viel wichtiger.
 
Wie kann man denn Glück als solches definieren?
Endgültige Definitionen gibt es wie üblich nicht. Aber viele Menschen verstehen heute unter dem Glück ausschließlich das Wohlfühlglück. Dass immer ­alles gut geht, alles gelingen möge, der Erfolg nicht mehr aufhört, das Leben Spaß macht alle Tage – hoffentlich auch Nächte. Dem Glück wird keine Pause mehr gegönnt. Da spielt das Glück aber nicht mit, es nimmt sich einfach seine Pausen, und dann sind die Menschen enttäuscht und kaufen sich den nächsten Glücksratgeber, der ein pausenloses Glück verspricht.
 
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Umgelegt aufs Glück heißt das: Wo es Glück gibt, muss es auch Unglück geben?
Leider ist das so. Niemand wünscht sich das, auch ich nicht, aber es ist nicht zu umgehen. Es ist besser, wenn wir wenigstens gedanklich darauf vorbereitet sind, dass das Leben nicht immer nur voller Glück sein kann, sonst fallen wir ins Bodenlose, wenn es mal anders kommt. Es muss auch nicht immer die volle Wucht von Unglück sein, oft ist es einfach nur ein Unglücklichsein, mit oder auch ohne Grund. Weil das Leben halt so ist. Wer es zu ändern versuchen will, soll es versuchen.
 
Könnte man Unglück vermeiden, würden die Menschen das Ihrer Meinung nach überhaupt wollen?
Unglück lässt sich am besten vermeiden, indem man morgens gar nicht erst aus dem Bett steigt. Ich kann die Methode dennoch nicht guten Gewissens empfehlen, denn wenn man das zu lange macht, riskiert man aufgrund körperlicher Schwäche Kreislaufprobleme und letztlich einen Herzinfarkt. Und dass auch bei aller Gesundheit ganz am Ende das Leben endet, lässt sich bisher auch nicht ändern.
 
Lässt sich sagen, was einen glücklichen Unternehmer ausmacht? Welche Rolle spielt Glück im Unternehmertum?
Unternehmer riskieren viel, nicht alles lässt sich sicher planen. Glückliche Zufälle kommen hoffentlich zuhilfe. Es können leider auch unglückliche sein, ein kleines Virus zum Beispiel, das alles durcheinanderbringt.
 

Welchen Rat geben Sie Menschen mit ins neue Jahr?
Wenn Sie sich etwas vornehmen, denken Sie daran, dass es mit dem Vorsatz nicht getan ist. Es braucht auch eine konkrete Umsetzung, die mit kleinen und kleinsten Schritten beginnt und etwas mühsam ist, bis sich der Vorsatz allmählich ins Leben einbauen lässt.

Dieses Interview erschien in Ausgabe 1 der "Kärntner Wirtschaft". 

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