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„Das Denken über die Zukunft hat sich verändert“

Jede Zeit hat ihre eigenen Vorstellungen über die Zukunft. Welche  Erwartungen und Themen die Gegenwart prägen, erklärt Elke Seefried. Sie ist Historikerin an der Universität Augsburg und beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Geschichte der Zukunft.

Anita Arneitz

Historikerin Elke Seefried erforscht, mit welchen Erwartungen die Menschen an die Zukunft herangehen.
© KK/Sabine Fritz Historikerin Elke Seefried erforscht, mit welchen Erwartungen die Menschen an die Zukunft herangehen.

„Kärntner Wirtschaft“: Manchmal hat man den Eindruck, Menschen lernen nichts aus der Geschichte?

Elke Seefried: Bestimmte Prozesse wiederholen sich nicht exakt. Vielleicht ist daran erkennbar, dass es ein ganz klares Lernen aus der Geschichte nicht gibt. Schließlich handelt es sich immer um andere Individuen und Kollektive. Trotzdem haben die Menschen aus bestimmten Entwicklungen durchaus etwas gelernt. Als Historikerin kann ich auf Entwicklungen hinweisen und damit einen Beitrag zu aktuellen Debatten leisten. Für mich ist es interessant zu fragen, wann jeweils welche Themen der Zukunft dominierten: So tauchten in den 1960er-Jahren euphorische Entwürfe über die Zukunft der Technik auf. 

Und heute?

Der Technikoptimismus ist zwar in den vergangenen Jahren etwas abgeebbt, aber beherrscht noch immer die Diskussionen. Interessanterweise geht das einher mit neuen apokalyptischen Debatten über den Klimawandel. Ich glaube, beide Übersteigerungen sollten ein Stück weit zurücktreten, um tatsächlich noch einmal etwas stärker über die Möglichkeiten der Gestaltung der Zukunft zu sprechen.  

Erwartungen und Themen über die Zukunft können sich aber schnell ändern ...

Ja, in den 1960er-Jahren dominierten die großen Technikentwürfe, hingegen ist in den 1970er-Jahren vor allem von den Gefahren der Umweltverschmutzung zu lesen. Was war vorgefallen, dass die Erwartungen an die Zukunft so rasch kippten, und was können wir, auch im Zeichen der aktuellen Fridays-for-Future-Bewegung, daraus lernen? Das sind spannende Fragen für Historiker.  

Lässt sich die Zukunft anhand von Daten berechnen?

Da bin ich skeptisch. Zukunft ist nicht berechenbar, weil nie alle Variablen berücksichtigt werden können.

Was aber nicht heißt, dass Zukunftsforschung für Unternehmen sinn­los ist –  im Gegenteil. Zukunftsforschung bietet viele Methoden wie zum Beispiel die Zukunftswerkstätten, in denen unter anderem hinterfragt wird, welche Werte eine Rolle spielen und was eine wünschenswerte Zukunft wäre. 

Wie wichtig sind Zukunftsbilder für Menschen?

Wenn ich nicht über die Zukunft nachdenke und davon ausgehe, dass diese ohnehin vorbestimmt ist, dann habe ich ja gar keine Möglichkeit, Zukunft selber zu gestalten. Deshalb sind Zukunftsentwürfe wichtig für die Menschen. 

Wird Zukunft heute anders gedacht als früher?

Ja, das Denken über die Zukunft hat sich stark verändert. Vor 1800 schien in einem kirchlichen Zeitverständnis die Zukunft auf die Gegenwart zuzukommen. Das Schicksal stand mehr oder weniger fest. Mit der Aufklärung und Naturwissenschaft hat sich das geändert. Die Menschen gingen davon aus, dass sich Zukunft entwickelt und ein Stück weit offen und gestaltbar ist. Das Denken über die Zukunft hat sich immer wieder in bestimmten Wellenbewegungen, mal pessimistischer, mal optimistischer, verändert.

Was können Sie als Historikerin wirtschaftlich denkenden Menschen mit auf den
Weg geben?

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – die Zeitebenen hängen zusammen. Man muss also auch die Vergangenheit kennen, um überhaupt in die Zukunft blicken zu können. Aber um ein abgewogenes Bild von der Zukunft zu bekommen, ist es wichtig, zu reflektieren und nicht nur technisch zu planen. Jede Erfahrung, die ich gemacht habe, prägt meinen Blick in die Zukunft.

Dieses Interview erschien in der „Kärntner Wirtschaft“ Ausgabe 42.

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