th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

Was bringen Handelsverträge der burgenländischen (Wein)Wirtschaft?

CETA & Co.

Die burgenländischen Exportzahlen rutschten im Jahr 2016 wieder unter die Grenze von zwei Milliarden Euro: Im Vergleich zum Jahr 2015 weist die Exportbilanz einen Rückgang um 4,3 Prozent oder fast 100 Millionen Euro aus. Gleichzeitig eröffnen sich auf ausländischen Märkten neue, vielversprechende Möglichkeiten.

© Martin Steiger

Ein möglichst ungehinderter Zugang zu diesen Märkten ist vor allem für die kleinstrukturierte burgenländische Wirtschaft wichtig. Während bürokratische Hindernisse den Export oft erschweren, bieten internationale Handelsabkommen Chancen, auf dem Weltmarkt leichter präsent zu sein und im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Gerade das Burgenland könnte davon profitieren.

Handel für alle: EU-Bürger sollen profitieren – Dr. Jörg Wojahn

Die Handelsstrategie der Europäischen Union steht unter dem Motto „Handel für alle". Handelsabkommen sollen sicherstellen, dass die Bürger Europas am globalen Wachstum profitieren. Unter anderem dadurch, dass bestehende Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden.


Wie internationaler Handel Österreich nutzt

Mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze hängen in Europa bereits von Exporten außerhalb der EU ab. 90 Prozent des künftigen globalen Wachstums werden nicht in Europa stattfinden. Gerade in exportstarken Ländern wie Österreich trägt Handel wesentlich zur Wirtschaftsleistung und zum Wohlstand bei. Durch den Export werden in Österreich sechs von zehn Euro erwirtschaftet und jeder zweite heimische Arbeitsplatz gesichert. Unternehmen aus Österreich haben zahlreiche Produkte im Angebot, die international nachgefragt werden.

 

Vorteile für kleine und mittlere Unternehmen

Gegner von Freihandelsabkommen meinen oft, nur große Konzerne würden von der Globalisierung profitieren, nicht aber die kleinen und mittleren Unternehmen. „Es ist jedoch genau umgekehrt“, sagt Jörg Wojahn, Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich. „Denn globale Konzerne leisten sich Experten und Fachabteilungen für den internationalen Handel. Kleine und mittlere Firmen scheuen sich jedoch oft vor dem administrativen und finanziellen Aufwand, den grenzüberschreitender Handel erfordert, können oder wollen sich ihn nicht leisten. Daher brauchen wir Handelsverträge, die Zölle und Handelshemmnisse abschaffen, damit auch KMUs erfolgreich exportieren können und im Inland zusätzliche Arbeitsplätze schaffen“. Denn ohne den Export würden zahlreiche österreichische Unternehmen – und ein Großteil davon sind KMUs - nicht überleben.

 

Export von Wein „Made in Austria“ boomt

Auch für den boomenden Export von Wein „Made in Austria“ (2016 neuer Rekordwert mit 148 Millionen Euro) sind Märkte außerhalb der Europäischen Union hauptverantwortlich, unter anderem die USA. Mit einem Plus von 12 Prozent übertrafen die US-Weinexporte aus Österreich erstmals die 12 Millionen Euro Marke. Auch Kanada gilt als schnell wachsender Weinmarkt, in dem Österreich bereits gut vertreten ist und noch großes Potenzial vorfindet. Hier gab es im Jahr 2016 eine Exportsteigerung von 19,9 Prozent (im Vergleich zum Jahr 2015), wertmäßig sogar von 28 Prozent. 


Neue Chancen durch CETA, TTIP und Japan

Seit 21. September wird das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Kanada (CETA) vorläufig angewendet. Bis auf wenige Ausnahmen gewährt Kanada Zollfreiheit auf alle landwirtschaftlichen EU-Verarbeitungserzeugnisse wie z.B. Weine, Erfrischungsgetränke, Spirituosen, Süßwaren, Produkte auf Getreidebasis oder auch Obst- und Gemüsezubereitungen.

Burgenländischer Wein wird auf internationalen Märkten vor allem wegen seiner hohen Qualität und dem guten Ruf geschätzt. Dazu kommt, dass man z.B. in den USA höhere Durchschnittspreise für Wein erzielen kann als in Österreich. Denn die Amerikaner geben mehr Geld aus für eine Flasche Wein als die Europäer. Das Handelsabkommen mit den USA (TTIP) wird den Zugang zu diesem großen Markt erleichtern und mit Blick auf den globalen Wettbewerb auch für Österreichs Unternehmen neue Chancen bieten.

Japan erhebt derzeit 15 Prozent Zoll auf Wein aus Europa. Dieser Zoll wird zur Gänze wegfallen, sobald das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und Japan in Kraft tritt. Japan ist weltweit der größte Netto-Importeur von Agrarwaren, Lebensmitteln und Getränken. Die hohe Kaufkraft der japanischen Konsumenten eröffnet besonders für diese Produkte neue Exportmöglichkeiten.

 

Handel ist kein Selbstzweck

„Ziel der Handelspolitik der EU Kommission sind Wachstum und Beschäftigung. Ziel ist nicht, wie fälschlicher Weise oft gesagt wird, Maximierung des Handels ohne Wenn und Aber. Handel darf nicht zum Selbstzweck werden, sondern er muss dem Wohl der Menschen dienen“, betont Jörg Wojahn.

Kritische Diskussionen zeigen immer wieder, dass die Menschen vor allem eine faire und transparentere Handelspolitik wollen. „Die EU-Kommission nimmt sich diese Anregungen sehr zu Herzen. Wir versuchen, Verhandlungen soweit wie möglich transparent zu gestalten und veröffentlichen Positionspapiere oder auch Berichte über Verhandlungen im Internet“, sagt Jörg Wojahn, Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich. „Jeder, der möchte, kann im Detail nachlesen, was von wem wo und wann besprochen wird. Auch mit der Initiative ‚Reden wir über Handel‘, die in Österreich und acht anderen EU-Ländern läuft, soll zur öffentlichen und durchaus auch kritischen Diskussion über Handel eingeladen werden.“


Bedeutung internationaler Absatzmärkte – Obmann KommR Helmuth Renner 

„Der Export ist ein Garant für Arbeitsplätze und Wohlstand“, zieht Kommerzialrat Helmuth Renner, der Obmann des burgenländischen Weinhandels Bilanz. „Das Burgenland und insbesondere die burgenländische Weinwirtschaft brauchen den internationalen Handel mehr denn je. Wir haben uns mit unseren Produkten im Ausland einen guten Ruf aufgebaut, um davon zu profitieren, braucht es aber weiterer Anstrengungen. Handelsabkommen können hier die Rahmenbedingungen schaffen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können in Nischenmärkten international mithalten und müssen ihre Märkte erweitern, denn der Wettbewerb auf dem internationalen Weinmarkt ist in den letzten Jahren härter geworden.“

 

Nach großen Veränderungen im österreichischen Weinmarkt seit 1980 kommt eine neue Innovationswelle auf die Branche zu:

  • Das Angebot weltweit wird professioneller. Es gibt eine Qualitätsexplosion auf breiter Front.
  • Der Verdrängungswettbewerb wird durch ein größeres Angebot immer stärker.
  • Die Vertriebskanäle ändern sich. So sinkt beispielsweise der Gastronomieabsatz in den Weinbauregionen und den ländlichen Gebieten. Der Internethandel wird immer stärker.
  • Das Konsumverhalten ändert sich. Weinmix-Getränke sind im Vormarsch. Alkoholreiche Weine über 13,5 % finden immer schwerer Abnehmer. Die Konsumenten probieren gerne neue Getränke aus und sind immer weniger markentreu. Die Szene der Weintrinker verjüngt sich.
  • Social Media und Weinblogs sind eine wichtige Informationsquelle.

Der burgenländische Weinhandel zählt derzeit 221 Mitglieder. Die Bedeutung der Weinwirtschaft im Burgenland ist sehr groß. Jeder 17. Job im Burgenland hängt an der Branche. Vor allem der Handel, das Gastgewerbe und der Tourismus profitieren von der Weinwirtschaft. Diese machte 3,4 Prozent der Gesamtwertschöpfung des Burgenlandes aus, zeigt eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) auf.  


Die Chancen sind im Ausland besser - Peter Szigeti, Managing Partner Sektkellerei Szigeti GmbH

22 Prozent von 1.000.000 Flaschen gehen in den Export

Von der einen Million Flaschen, die wir pro Jahr erzeugen, gehen 22 Prozent in den Export. Hauptabnehmer ist Deutschland (10 Prozent), gefolgt von Tschechien und USA (jeweils rund 4 Prozent). Der amerikanische Markt hat sich gut entwickelt. Der Export dorthin wächst kontinuierlich und wird sicher noch steigen. Die Chancen sind im Ausland einfach besser.

 

Ausbauen oder zusperren

Winzer konnten früher vom Ab-Hof-Verkauf leben. Das geht heute kaum noch. Auch nebenbei Wein zu machen, ist für die jetzige Generation an Weinbauern nicht mehr möglich. Wer heute einen Weinbau-Betrieb führt, muss entweder ausbauen und größer werden oder zusperren. Jede Erleichterung für den Export, auch durch Handelsverträge, ist positiv für uns.

 

Kein Zoll: Das billige Produkt profitiert am meisten

Die von Szigeti eingesetzte Flaschengärung, die auch für Champagner Herstellung verwendet wird, ist sehr aufwendig. In unserer Kategorie haben wir daher ein teures Produkt, das netto zwischen 5 und 6 Euro pro Flasche kostet. Spanischer Cava oder italienischer Prosecco sind billiger und kosten unter 2 Euro pro Flasche. Mit diesen Weinen konkurrieren wir – auf der ganzen Welt. Zoll ist für den billigen und den teuren Wein gleich hoch, zum Beispiel 4 Euro pro Flasche. Der Produzent des billigeren Produkts profitiert deshalb am meisten durch den Wegfall. 


Export nach Singapur ist einfacher als nach Ungarn

Singapur hat eine stark digitalisierte Verwaltung. Es gibt da fast kein Papier mehr. Dadurch ist der bürokratische Aufwand auch sehr gering. Generell ist der Export in Nicht-EU-Länder einfacher, da wir nicht verpflichtet sind, all die Steuernummern für Steuerlager, Steuerprodukt, Mehrwertsteuer bzw. Produktions- und Handelsnummern zu kontrollieren und zu überprüfen.

Es ist dann zum Beispiel für uns einfacher, 10.000 Kilometer nach Singapur zu exportieren als 15 Kilometer hinter die Grenze nach Ungarn. Pro Jahr schicken wir ca. 2.000 bis 3.000 Flaschen per Schiff nach Singapur. Dort bleiben sie im Zollfrei-Lager und der Importeur zahlt den Zoll, sobald er die Flasche ins Land bringt. 


Glücksfall Handelsvertrag

Sicherlich helfen Handelsverträge. Aber nicht immer passen sie auch zu den eigenen strategischen Zielen. Das ist dann ein echter Glücksfall. Wichtig ist vor allem auch, im Ausland einen kompetenten und engagierten Partner zu finden, der unseren Sekt gut verkauft. Dabei hilft die Wirtschaftskammer. In Tokio wurden 80 Importeure angeschrieben. Acht davon waren interessiert und wir konnten unseren Wein in persönlichen Gesprächen und Verkostungen vorstellen.


Unsere Wachstumsmärkte liegen neben Österreich und Europa vor allem in Übersee – Stefan Tscheppe, CEO Esterházy Wein GmbH


Das Weingut Esterhazy ist heute eines der führenden Weingüter Österreichs. Ein hochqualifiziertes Team, beste Lagen und eine zeitgemäße Positionierung der Marke Esterházy stehen für Erfolg. Rund 125 ha wurden 2017 eingepresst, um ein jährliches Wachstum von rund 10% zu erreichen. Das Weingut ist nach der US-amerikanischen Richtlinie als „For Benefit Corporation“ zertifiziert und sieht sich als einer der treibenden Kräfte im österreichischen Qualitätswein. Die Weine sind sowohl im Inland als auch im Ausland mit 90+ Punkten top bewertet, derzeit werden rund 40% exportiert.

Die Wachstumsmärkte liegen neben Österreich und Europa vor allem in Übersee, kurz bis mittelfristig in Nordamerika, mittel bis langfristig in Asien.

 

Freihandelsabkommen wie CETA und TTIP sind für den zukünftigen Erfolg aus mehreren Gründen wichtig: In den stärksten innereuropäischen Märkten wie Deutschland und Österreich ist die Kaufkraft der Konsumenten wesentlich von Exporten abhängig. So exportieren 50.000 KMUs in Österreich rund 50 % des Warenwertes, durch EU Beitritt und Osterweiterung wurden alleine in Österreich rund 480.000 Arbeitsplätze geschaffen. Nordamerika ist dabei aufgrund der hohen Eintrittskosten noch ein kleiner Markt, aber mit großem Zukunftspotenzial.  

Des Weiteren wachsen Märkte durch die Präsenz einzelner Marken und Länder. Während es für Wein bereits durch die Sicherung der Herkunftsbezeichnungen ein Abkommen mit zum Beispiel den USA gibt, ist es aufgrund der unterschiedlichen Standards nach wie vor schwierig, Lebensmittel zu exportieren. Es ist für unseren zukünftigen Erfolg daher wichtig, vermehrt Produkte österreichischer Unternehmen in diesen Märkten zu sehen.

Wir halten globale Freihandelsabkommen - im Unterschied zu Abkommen einzelner Länder - außerdem für in der Lage, die hohen Produktionsstandards zu sichern. Ohne die Verankerung entsprechender Standards in Abkommen, wären diese Produkte, rein durch eine Konzentration auf lokalen Märkten, nur kurzfristig vorhanden. 

Die Erleichterung von Exporten nach Übersee, vor allem durch die Regelung der Dienstleistungen wie Transport und Versicherung sowie Verpackungsvorschriften, würden diese Märkte für weitere österreichische KMUs öffnen. Wir sind davon überzeugt - die Praxis bestätigt dies - dass die Nachfrage nach Qualität aus Österreich besteht, weshalb auch ein höheres Preisgefüge realisierbar ist.

Der Sorge über zu starke Importe geringerer Qualitäten und Preise sehen wir gelassen entgegen. Letztendlich liegt es an den Produzenten Qualitäten zu kommunizieren. Besonders die Beispiele Wein und Lebensmittel zeigen an den hohen Wachstumsraten inländischer Produktion, im Vergleich zu anderen Staaten, geringere Importe günstiger Weine sowie Lebensmittel, dass dieses Qualitätsverständnis in Österreich zunehmend real ist.

Um die Kaufkraft unserer Märkte sowie deren Qualitätsbewusstsein langfristig zu erhalten, treten wir für Freihandelsabkommen ein. Uns ist dabei die fachliche Unterstützung durch Kammern etc. wie vor allem auch die finanzielle Förderung von verkaufssteigernden Maßnahmen in Drittländern wichtig. Ohne entsprechende Unterstützung werden wohl einzelne KMUs auch trotz diverser Abkommen nicht den Schritt in weiter entfernte Absatzmärkte wie Asien oder Nordamerika unternehmen.

 

Zitierte Zahlen und Fakten Statment Esterházy: Quelle Agenda Austria

Peter Szigeti, Dr. Jörg Wojahn, Stefan Tscheppe und  Kommerzialrat Helmuth Renner
© Martin Steiger Peter Szigeti, Dr. Jörg Wojahn, Stefan Tscheppe und Kommerzialrat Helmuth Renner

Das könnte Sie auch interessieren

  • Gewerbe und Handwerk
Newsportal Die Baulehre –  ein Job mit Zukunft 
  • Gewerbe und Handwerk
Newsportal Die Baulehre –  ein Job mit Zukunft 
  • Gewerbe und Handwerk
Newsportal Bauwirtschaft ist burgenländischer Beschäftigungsmotor

Bauwirtschaft ist burgenländischer Beschäftigungsmotor

Nachhaltiger Aufschwung in der burgenländischen Baubranche. mehr