th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

Hauptsache in Bewegung bleiben!

Eine topmotivierte Forschergruppe aus Medizinern, Daten-Experten und App-Entwicklern hat dieser Tage in Salzburg einen besonderen Kampf aufgenommen − gegen unseren „inneren Schweinehund“, der so viele daran hindert, gesund zu leben, und der gar nicht so wenigen das Leben kostet.

Prof. Niebauer und Prof. Stütz
© WKS/Kolarik Ziehen an einem Strang für die digital unterstützte Gesundheit: Prim. Univ.-Prof. DDr. Josef Niebauer MBA (rechts) und FH-Prof. Thomas Stütz.

Schrittzähler, Schlaftracker, Pulsuhren − das Thema Digital Health ist eigentlich längst breitenwirksam angekommen. Allerdings nur bei den Gesundheitsbewussten. Fitness-Orientierte freuen sich, wenn sie  die viel zitierte tägliche 10.000-Schritte-Grenze überschritten haben und ihre intelligente Uhr eine kleine Belobigungs-Nachricht schickt. Und so mancher Schreibtisch-Arbeiter nimmt gerne den Hinweis seines Lieblings-Fitness-Tools zur Kenntnis, dass es wieder einmal Zeit wäre, aufzustehen und eine kleine Stretching-Einheit einzulegen. Das ist jedoch wie Eulen nach Athen tragen: Eine milliardenschwere Hightech-Industrie liefert immer bessere Anwendungen − für Überzeugte!

Doch was ist ...

  • mit jenen, die einen lebensbedrohenden Herzinfarkt hinter sich haben und nach der Reha nicht wieder in ihren alten gesundheitsgefährdenden Lebensstil zurückfallen sollen?
  • Menschen, die gesund leben müssten, um sich drohende Krankheiten vom Leib zu halten? Und es dennoch nicht schaffen?
  • Können spezifische digitale Anwendungen dabei helfen, den notwendigen neuen Lebensstil zu etablieren? 

Davon ist das interdisziplinäre Team rund um Prim.Univ.-Prof. DDr. Josef Niebauer MBA und FH-Prof. Thomas Stütz überzeugt. Sie wollen im neuen Ludwig Boltzmann Institut Digital Health and Prevention (siehe Info-Kasten) digitale Anwendungen erarbeiten, die helfen, neues Verhalten zur besseren Gewohnheit  zu machen. „Wir wollen Patienten ein Werkzeug geben, nachhaltig ihr Verhalten zu ändern“, erläutert Prof. Niebauer, der das LBI Digital Health and Prevention leitet. 

Auf der Suche nach dem Trigger

In einem ersten Schritt setzen die Forscher bei der Nachbetreuung von Infarktpatienten an. Sie greifen damit ein drängendes Problem auf, das nicht nur individuelles Leid, sondern auch hohe allgemeine Gesundheitskosten erzeugt: Während der Rehabilitation weisen die Patienten gute Werte auf, die Motivation ist hoch, gesünder zu leben − doch wenige Monate nach der Reha haben wieder der nächtliche Gang zum Kühlschrank und das Couch-Potato-Dasein gesiegt. Der nächste Infarkt ist dann nicht weit entfernt.

„Wir sehen jeden Tag, dass die bisherigen Ansätze so nicht funktionieren. Menschen können ihr eingelerntes Verhalten nicht so schnell ändern, selbst wenn es lebensbedrohend ist. Wir müssen die Dinge anders angehen.“
Prim.Univ.-Prof. DDr. Josef Niebauer MBA

Dazu braucht es mehr Wissen: „Was sind die Trigger, die altes Verhalten auslösen oder neues Verhalten möglich machen? Die Technologie gibt uns die Möglichkeiten dazu, diese Auslöser zu finden und besser einzusetzen“, erläutert dazu FH-Prof. Stütz.

Dazu will man die umfangreichen Datenspuren nutzen, die ein jeder von uns erzeugt. In Kombination aus Sensorik, Daten-Analysen, Bewegungsprofilen und Verhaltensanalysen soll sich ein Bild ergeben, warum schon wieder auf den Abendspaziergang verzichtet wurde − oder eben nicht. Auf Basis individueller und allgemeiner Datenanalyse könnte dann im richtigen Moment eine Empfehlung, ein Hinweis, vielleicht auch eine Warnung platziert werden − über eine App am Smartphone oder mittelfristig einer anderen Schnittstelle zwischen digitaler Welt und Patient.  

Forschung gegen die Sucht nach Faulheit 

Vor allem wollen Niebauer und sein Team den grassierenden Bewegungsmangel auf die Hörner nehmen. Der Herzspezialist und Sportmediziner weiß, wovon er spricht: „Der Bewegungsmangel ist das Gesundheitsproblem Nummer eins. Wir entledigen uns der Bewegung, als wäre sie ungesund.“ Ein Schwerpunkt der Forschung am LBI Digital Health and Prevention wird es daher sein, wie mittels digitaler Tools wieder Freude an Bewegung auszulösen ist − eine gesundheitspolitische Notwendigkeit, so wichtig wie die Zurückdrängung von Nikotin- oder Alkoholsucht. „Wir haben es auch hier mit Süchtigen zu tun − mit Süchtigen nach Faulheit!“, bringt es Prof. Niebauer auf den Punkt. Daher braucht es neue Forschungswege, die beim Verhalten ansetzen. Denn wie kann es ein, dass zum Jahreswechsel die guten Vorsätze zu mehr Bewegung in die Höhe schießen − aber nur wenige Wochen später die Fitness-Center verwaist und verlassen sind von den zuvor so Willigen? 

„Wir werden daher alles ausprobieren, was funktioniert“, umschreibt Niebauer das Programm der Grundlagenforschung, die man in den nächsten sieben Jahren betreiben möchte − Neuland für die Prävention genauso wie für die Nachversorgung. Wobei das LBI seine Forschung nach dem Open-Innovation-Prinzip anlegen will: Partnerschaften mit Unternehmen oder Start-ups sind ebenso erwünscht wie Beiträge internationaler Forscher oder einer interessierten User-Crowd.  „Wenn wir diesen Mikrokosmos der Reha-Patienten beherrschen, dann können die Anwendungen und Modelle auch breiter werden“,
wirft Niebauer einen Blick in die Zukunft Dann könnten aus Salzburg, das zu einem international renommierten Zentrum der Digital-Health-Forschung werden soll, fundierte digitale Werkzeuge für alle angeboten werden, die generell eine gesunde Lebensweise anstreben − und nicht mehr an mangelnder Konsequenz scheitern wollen.

Prof. Niebauer und Prof. Stütz.
© WKS/Kolarik

Forschen für neue Gesundheits-Lösungen

Das neue Ludwig Boltzmann Institut (LBI) Digital Health and Prevention hat Anfang Oktober nach intensiven Vorarbeiten offiziell seine Arbeit aufgenommen. Noch wird an den Instituts-Gebäuden in der Lindhofstraße gearbeitet. Demnächst wird dort das Team rund um Prim. Univ.-Prof. DDr. Josef Niebauer MBA, Leiter des LBI für Digital Health and Prevention, seine Arbeit aufnehmen. Insgesamt sollen im Vollausbau 15 interdisziplinär arbeitende Forscherinnen und Forscher aus Daten und Verhalten von Probanden digitalisierbare Anwendungen entwickeln, die helfen, einen gesunden Lebensstil zu erhalten. 

Das LBI Digital Health and Prevention ist, wie alle LBI-Institute, als vorerst siebenjähriges Projekt angelegt. Danach sollte es selbsttragend sein. Jährlich stehen 1,2 Mill. € zur Verfügung. 60% davon finanziert die Ludwig Boltzmann Gesellschaft, eine österreichische Trägerorganisation für außeruniversitäre Forschung im Bereich Medizin, Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. 40% der Mittel werden durch Partnerinstitutionen mit Unterstützung des Landes aufgebracht.  

Partner des Salzburger LBI für Digital Health and Prevention sind das Universitäts- und Landesklinikum SALK, Salzburg Research, das Austrian Institute of Technology, die Paris Lodron Universität und erstmals in der Geschichte der Ludwig Boltzmann Institute eine FH, die Fachhochschule Salzburg. An der FH wird bereits an Gesundheits-Apps gearbeitet, wie etwa „SmartEater“ für ein besseres Essverhalten oder Virtual-Reality-Anwendungen für Asthma-Patienten.

Das könnte Sie auch interessieren

Rektor Hendrik Lehnert im EntrepreNews-Interview.

Unterwegs in dritter Mission

Die Universität soll noch mehr Faktor für Region, Gesellschaft und Wirtschaft werden − und verstärkt Impulse für den Standort und die Start-up-Szene liefern, erklärt der neue Rektor der Universität Salzburg, Hendrik Lehnert, im EntrepreNews- Interview. mehr

„Act for climate“ lautet das Motto des neuen WKS-Schwerpunktes „Klima+Wirtschaft“. WKS-Präsident Manfred Rosenstatter und WKS-Direktor Manfred Pammer präsentierten das mehrjährige Projekt.

Wirtschaft tritt aktiv für Klimaschutz ein

Die WKS startet 2020 einen eigenen Schwerpunkt „Klima+Wirtschaft“: Mit Unternehmerporträts von Klimapionieren, Workshops, Wissens-Vermittlung, CO₂-Checks und Beratung für Betriebe. mehr